11 Wochen alt

Diese Woche wurde unser kleines Wunder elf Wochen alt. Das klingt total wenig, fühlt sich aber wie ein ganzes Leben an. Wir haben uns mittlerweile echt gut aneinander gewöhnt. Es ist zwar immer noch so, dass da eine (winzige) fremde Person bei uns eingezogen ist, die wir erst mal kennenlernen müssen, aber wir wissen jetzt schon ein bisschen mehr übereinander und unsere neue Mitbewohnerin ist nicht mehr ganz so neu, wie noch vor ein paar Wochen. Es ist auch immer noch so, dass wir uns jeden Tag mehr in sie verlieben. 🙂

Es ist so faszinierend, wie schnell sie wächst und sich weiter entwickelt. Mittlerweile haut sie ganz gezielt gegen die unter dem Spielebogen über ihr baumelnden Plüschteile und freut sich wenn sie dann wackeln und greift erfolgreich nach Spielzeug (was auch mal aus einer Packung Papiertaschentüchern oder Omas Brille bestehen kann). Außerdem „redet“ sie richtig mit uns, indem sie uns mit einer Reihe von verschiedenen Tönen antwortet, wenn wir etwas zu ihr sagen. Die Zeichensprache einzusetzen schaffen wir noch nicht so wirklich, wir vergessen entweder die Zeichen zu machen während wir sprechen oder wir haben schlicht und einfach die Hände nicht frei. Mal sehen, wie es damit weiter geht.

Erfreulicherweise hat sich die nette Frau vom Jugendamt telefonisch bei uns gemeldet und Bescheid gegeben, dass der Adoptionsantrag bei ihr eingegangen ist. Sie fällt jetzt drei Wochen wegen einer Operation aus und wollte uns mitteilen, dass wir in dieser Zeit alle geforderten Unterlagen abgeben können und sie, wenn sie wieder zurück ist, mit uns noch einen Termin (schätzungsweise zum Hausbesuch) ausmacht und dann ihr Gutachten erstellt. Total nett, sie hat an ihrem letzten Arbeitstag extra um 18 Uhr noch bei uns angerufen, um uns das mitzuteilen, alles andere als selbstverständlich! Wir haben wohl großes Glück, dass sie in unserer Stadt mit den Adoptionsverfahren betraut ist und dass wir schon vor der Geburt einen Info- und Kennenlerntermin bei ihr hatten.

Die letzte Woche war die letzte, in der wir beide Elternzeit hatten. Das haben wir gemeinsam genossen und einiges im Garten auf Vordermann gebracht. Wir haben zum ersten Mal gemäht, haben viele Sachen „gerodet“ und Grünschnitt gehäckselt. Das fanden wir alle drei super. Wir zwei Großen haben gehörigen Muskelkater davon und die Kleinste hat jedes Mal friedlich im Tragetuch geschlafen, während es drum herum rumpelte und schaukelte. Die gemeinsame Zeit draußen und in der Sonne hat richtig gut getan und Lust auf mehr Frühling und Sommer im Garten gemacht. Wir freuen uns schon, wenn ein kleines Menschlein über die Wiese flitzt und alles erkundet.

Am Montag ging dann für mich der Arbeitsalltag wieder los. Der erste Tag war in der Schule selbst ganz schön, da die Kolleg*innen und Schüler*innen mich so herzlich begrüßt haben und sich so ehrlich über meinen Wiedereinstieg gefreut haben. Gestern lief es dann eher bescheiden, da ich eigentlich innerlich gar nicht in der Schule, sondern lieber zu Hause sein wollte. Dadurch hatte ich nicht wie gewohnt die Nerven, den Schüler*innen die ihnen gebührende Aufmerksamkeit und meine Ohren zu schenken. Das hat dann zu Unmutsbekundungen geführt, sodass an Unterricht nicht so sehr zu denken war. Gestern Abend habe ich das Problem bzw. Dilemma verstanden und mir deshalb heute mehr „Ohren“ genommen und dadurch lief es wieder mehr wie gewohnt. Da ich auch „Vertrauenslehrerin“ bin, muss ich echt einen Weg finden, um mit dem „ich will lieber zu Hause sein aber auch meinen Job gut machen, wenn ich schon mal da bin“-Dilemma umzugehen.

Für meine Frau waren die ersten Tage auch sehr hart. Sie hat sich sehr viele Dinge vorgenommen, die sie in meiner Abwesenheit erledigen wollte (kochen, Wäsche, Post, etc.). Fast so, als wenn sie alleine zu Hause wäre. Das hat natürlich nicht so geklappt. Zusätzlich hat sie mich vermisst (so wie ich sie auch!) und das hat dann in Kombination zu Frust geführt. Jetzt haben wir uns aber vorgenommen, dass wir die (blöden 😉 ) Haushaltssachen einfach wie gewohnt abends nach der Arbeit gemeinsam erledigen. Dadurch war der heutige Tag für uns alle drei schon etwas besser als die ersten beiden Arbeitstage.

Und nun noch ein Schwank aus dem Bürokratiedschungel (wer darauf keine Lust hat, kann einfach an dieser Stelle aufhören zu lesen!):

Beim Elterngeld wurde sich bei meinem Bruttogehalt mal eben um ganze 1000€ verrechnet, sodass mein Elterngeld gehörig geringer ausfällt. Da ich ja Bürokratie „liiieeebe“, freue ich mich natürlich besonders, dass ich nun schriftlich Widerspruch einlegen darf *Augen verroller*.

Noch krasser ist der Fall mit meinem Gehalt während der Elternzeit: Den Elternzeitantrag hatte ich fristgerecht eingereicht. Als ich bis zwei Wochen vor errechnetem Geburtstermin immer noch nichts gehört hatte, habe ich der Person von der zuständigen Stelle des Landes mal hinterher telefoniert (ich muss mir noch immer an den Kopf fassen bei dem Gedanken an das Gespräch!!!): dabei kam heraus, dass sie meinen Antrag einfach auf einen Stapel gelegt hat, weil ja meine Schwangerschaftsbescheinigung fehlte. Erstens: wieso verdammt noch mal meldet sie sich dann nicht bei mir???!!! Zweitens: es hätte ihr auffallen müssen, dass ich Elternzeit, aber keinen Mutterschutz beantrage…. Drittens: in meiner Akte steht, dass ich in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebe, woraus folgt, dass irgendwie noch eine zweite Frau an der Familie beteiligt ist. Ich habe also dort angerufen, sie teilt mir mit, dass die Schwangerschaftsbescheinigung fehlt, ich so: „ich bin aber gar nicht schwanger, meine FRAU ist schwanger.“ Antwort von ihr „Achsoooooooooo, *lange Pause*, na dann bearbeite ich das jetzt mal und schicke ihnen eine Bescheinigung.“ Unfassbar. Wir schrieben das Jahr 2016 und ich wette, dass ich in meinem Bundesland nicht die erste bin, die als Frau Elternzeit ohne Schwangerschaft beantragt (es gibt das ja auch beispielsweise bei Adoptionen…)… Tsss.

Ich habe daraufhin noch bei der Besoldungsstelle angerufen, damit die mich nicht bezahlen… Tja, da wurde ich nur angeraunzt, dass sie ohne die Antragsdaten (die ja noch nicht bearbeitet waren) nichts machen! Und siehe da, was passiert? Genau, ich wurde bezahlt. Soweit so unspektakulär. Der Hammer kommt aber jetzt: ich muss das BRUTTOgehalt zurückzahlen! Ich muss also Schulden machen, um deren Fehler auszubügeln! So eine Scheiße, ehrlich! Ich habe mich mit Anwalt dagegen gewehrt, aber es gibt keine rechtliche Grundlage, die mich davor schützt. Jede Arbeitgeberin* aus der freien Wirtschaft verrechnet in so einem Fall einfach im nächsten Monat das Ganze mit dem Finanzamt, sodass keiner Seite ein Schaden entsteht. Nicht so das Land selbst! Selbst auf Apell des Anwalts an die Fürsorgepflicht des Landes für seine Beamt*innen kommt als Zugeständnis lediglich, dass ich das Geld nicht auf einmal zahlen muss, sondern es mir einfach über die nächsten Monate vom Gehalt abgezogen wird. WHAT THE FUCK?????!!!! Das ist finanziell echt eine mega Einbuße, da ich das Geld ja erst nächstes Jahr irgendwann zurück bekomme. Wenn ich jetzt hätte einen Kredit aufnehmen müssen, wäre ich auf den Zinsen sitzen geblieben. Und all das nur, weil eine Person nicht auf die Reihe kriegt, dass auch eine unschwangere Frau in Elternzeit gehen kann… Ich bin noch immer wütend und finde es einfach unfuckingfassbar!

8-10 Wochen alt

Mit etwas Verzögerung folgen hier nun die gesammelten Erlebnisse der letzten drei Wochen, die so vollgepackt waren, dass wir einfach nicht zum Schreiben kamen:

In der achten Lebenswoche haben wir festgestellt, dass die Zitterattacken (die uns geburtsbedingt begleitet hatten) weitestgehend aufgehört haben. Das war eine große Erleichterung, da sie immer zu Panik bei der Kleinen geführt haben. Weiterlesen

7 Wochen alt

Die siebte Lebenswoche war durchwachsen. Die Nächte wurden gefühlt immer kürzer und auch anstrengender, da die Stillabstände sehr kurz sind (im Schnitt alle 1-3 Stunden) und das kleine Wunder nicht gut abschalten und einschlafen kann, sondern sehr unruhig ist und dann von einer von uns bis tief in die Nacht herumgetragen wird. Das viele Aufstoßen mit Inhalt trägt natürlich auch nicht zu einer guten Schlafsituation für die Kleine* bei. Unser Plan mit dem in den Schlaf tragen im Schlafanzug funktioniert – nur eben fünf Stunden und viele Nerven später als es uns lieb wäre 😉 Das müssen wir also noch ausbauen. Und von Tag-Nacht-Rhythmus ist hier auch überhaupt nix zu spüren. Also bei uns Erwachsenen schon, aber unserem Kind scheint das alles ziemlich schnuppe zu sein. Ist ja auch echt langweilig so im Dunkeln, wenn die Erwachsenen nur müde rumliegen. 😉 Weiterlesen

Erster Termin beim Notar

Gestern waren wir zur Vorbesprechung für den Adoptionsantrag beim Notar bzw. bei einer dort Angestellten. Es hat sich ausgezahlt, die Dame vom Jugendamt zu fragen, welchen Notar sie empfehlen kann, denn dieses Notariat hatte offensichtlich schon Erfahrung mit Stiefkindadoptionen von gleichgeschlechtlichen Eltern. Wir mussten einfach nur unsere Lebenspartnerschaftsurkunde und die Geburtsurkunde unseres Kindes vorzeigen und unsere Adresse angeben. Damit wird jetzt deren Vorlageantrag an uns angepasst und uns per Mail zugeschickt. Wenn alles in Ordnung ist, können wir zur Beurkundung kommen. Dafür war schon ein Termin Mitte März vereinbart, aber da wir der Angestellten offenbar sympathisch waren, hat sie nochmal nachgeschaut und uns stattdessen  einen Termin am 2. März angeboten. Der Antrag darf frühestens acht Wochen nach der Geburt gestellt werden, das wäre in unserem Fall ab dem 1. März. Das heißt wir haben jetzt nahezu den frühestmöglichen Termin zur Antragstellung, was hoffentlich dann auch zu einer frühestmöglichen Genehmigung führt. Wir werden jedenfalls alles, was das Jugendamt für seine Stellungnahme braucht, soweit wie möglich vorbereiten, damit wir nachdem die ganzen Sachen angefordert werden auch damit keine Zeit verlieren. Mal abwarten, wie lange der Prozess dann insgesamt dauert und wann unser Kind die rechtliche Absicherung bekommt, die es leider nicht von Geburt an haben darf.

6 Wochen alt

Heute ist unser kleines Mädchen* sechs Wochen alt.

In der letzten Woche haben wir viel erlebt. Sie hat zum Beispiel angefangen, ganz ganz viel zu lächeln und über beide Ohren zu grinsen. Außerdem erzählt sie mit uns (*grrr* *ua* usw. 😉 ) und lächelt uns bewusst an. Das ist so schön und macht so glücklich. Es ist einfach niedlich. Weiterlesen