Urlaubsdesaster

K. hat gerade noch mal zwei Monate Elternzeit, die wir zum Auftanken und Urlaub machen nutzen wollten, bevor im September die Eingewöhnung für Nr. 12 im Kindergarten startet…

Nun ja, es kommt anders. Für den Urlaub bekamen wir wieder den Wohnwagen von Ks Vater und räumten ihn in einer kräftezehrenden Aktion eine Woche lang ein. Kräftezehrend deshalb, weil alles, was nicht Standard-Alltag ist, unfassbar viele und starke zu begleitende Gefühlsausbrüche bei Nr. 12 verursacht und Nr. 3 leider außer beim getragen werden meistens auch nicht gerade glücklich ist. Als wir dann am Urlaubsort waren (eine Autostunde von zu Hause entfernt), wurde schnell klar, dass die Umstellung, die vielen Menschen und die Lautstärke Nr. 12 sehr zusetzten. Trotzdem waren wir noch guter Dinge, dass das klappen würde und sie sich einfach „nur“ ein paar Tage akklimatisieren musste. Schließlich kannte sie sowohl den Platz als auch den Wohnwagen schon aus den letzten beiden Jahren. Und ich wünschte mir so sehr eine Standortveränderung, um mal wieder auftanken zu können.

Ihr werdet es schon ahnen: es klappte natürlich nicht. Nr. 12 brüllte panisch den Campingplatz zusammen als es ans Schlafen ging. Von 21-2 Uhr, nur unterbrochen von ein paar Minuten völlig entkräftetem Einnicken. Es kam sogar jemand kucken und wollte wissen, ob sie sich verletzt hätte. Um zwei Uhr hat K. dann den Schrankennotfallschlüssel geholt und ist mit Nr. 12 nach Hause gefahren. Zu Hause achten wir aktuell darauf, dass es nach 15 Uhr keinen nennenswerten Input mehr für Nr. 12 gibt, damit sie gegen 19 Uhr eventuell einschlafen kann (mit Fahren im Fahrradanhänger, im Bett geht gar nicht). Das ist natürlich auf einem Campingplatz voller Kinder nicht möglich, weshalb wir auch keine Chance auf Gewöhnung an die Situation gesehen haben. Nr. 12 wird immer extrem aufgewühlt, wenn sie andere (vor allem fremde) Menschen in ihrer Nähe hat. Oft bleibt sie sogar wie gelähmt stehen und kann nichts anderes tun als die Menschen zu beobachten und wir sind anschließend tagelang damit beschäftigt zu besprechen, was diese Menschen wohl da gerade getan haben und warum.

Nr. 3 und ich blieben noch ein paar Tage auf dem Campingplatz, um alles wieder abreisefähig zu machen und wurden dann vom Schwiegervater samt Wohnwagen abgeholt.

Nun sind wir wirklich alle restlos im Arsch (was schöneres fällt mir nicht ein dazu) und haben uns jetzt eine online Familienberatung organisiert. Zum Glück haben wir gute Freunde, die trotz eigenem überwältigenden Stresses für uns da sind und in der Beratungszeit Nr. 12 betreuen. Wir sind ihnen unfassbar dankbar und gespannt auf unseren Termin.

Nr. 12 hat jede Nacht große Angst (bisher wissen wir, dass sie Angst vor Bären, Räubern und dem Tod – vor allem von ihr nahe stehenden Personen – hat), schläft deshalb ungern ein und weint und wimmert oft im Schlaf. Wenn sie nachts aufwacht, was leider häufig passiert, ist sie oft ein bis drei Stunden wach, weil sie solche Angst hat. Eine Woche hatten wir jetzt ein paar bessere Nächte, weil wir ein Zauberspray und eine Fee zum Schutz mit am Bett haben. Aber seit gestern sind die Ängste wieder übermäßig. Und Nr. 12 kann und will die Ängste noch nicht so in Worte fassen, dass wir sie irgendwie begleiten könnten. So bleibt uns nur, für sie da zu sein und einfach nicht umzukippen. Das Ziel ist es, stehen zu bleiben. Was insbesondere für K. kaum noch möglich ist.

Da wir getrennt schlafen, um so wenigstens Nr. 3 und mir etwas Schlaf zu ermöglichen, habe ich etwas mehr Kraft, schlafe aber dank schubendem Baby, was alle 30-60 Minuten stillt, gerade auch nicht sonderlich viel.

Das Mantra „esistalleseinephase“ hilft mir mit Nr. 3, für K. hilft es einfach gar nichts mehr, weil sie seit über einem Jahr innerlich kollabiert ist und sich äußerlich noch gerade so auf den Beinen hält (übrigens keine Ahnung woher sie die Kraft dafür nimmt).

6 Gedanken zu “Urlaubsdesaster

  1. Armes Mäuschen Nr 12… 😔
    So etwas ist bestimmt sehr schwer auszuhalten…… man möchte so gerne seinem Kind „helfen“ aber kann nichts anderes tun, außer da zu sein und zu begleiten. Ich weiß wie schwer das ist, da unsere jüngste sehr früh ( mit ca. 5) an Depressionen erkrankte, mit einhergehenden Ängsten und Schlaflosigkeit.
    Ihr macht das dennoch klasse 👍, man liest aus euren Einträge wirklich wie sehr ihr eure Kinder liebt und ihr nur das beste für sie wollt!
    Alles liebe und Gute 🤗

    Gefällt 1 Person

      • Sie ist „stabil“ und mittlerweile 13…. da ich selbst psychisch krank bin, habe ich recht schnell gemerkt, das mit unserem Kind etwas nicht ok ist, und konnte handeln. Leider ging es ohne einen langen Aufenthalt in der Klinik nicht. Es ist aber bei dem einen geblieben, aber eine lange Zeit war dann ambulante Therapie nötig. Mit jedem Jahr welches sie älter wurde und besser kommunizieren konnte was in ihr los ist ( wobei auch das immer schwer ist in Worte zu fassen) wurde es besser. Wir sind aber auch steht’s offen und ehrlich mit dieser Erkrankung, den Gefühlen und Bedürfnissen aller Familienmitglieder umgegangen. Dennoch war es ein langer Weg bis sie annehmen konnte das wir nicht gehen, sie gut/toll/ liebenswert etc ist, wie sie ist….
        Hört auf euer Herz! Der „Mutterinstinkt“ ist schon ne recht gute Sache 😉

        Gefällt 1 Person

  2. Ach Mensch, ihr Armen. Am liebsten würde ich euch gerade irgendwas Gutes tun und kann euch doch nur sagen, dass ihr das unglaublich toll macht und so so stark für eure Kinder seid. Ich wünsche euch von ganzem Herzen, dass K. bald neue Kräfte tanken kann, dass Nr.12 hoffentlich bald besser seine Ängste kommuniziert und ihr so besser helfen könnt. Ganz liebe Grüße von Frau Mutterherz

    Gefällt 1 Person

  3. Das was ihr da beschreibt klingt wirklich extrem und sehr nervenaufreibend. Ihr werdet euch sicherlich mit dem Thema „gefühlsstarke Kinder“ eingehend beschäftigt haben und auch damit, was hilfreich ist. Mittlerweile habt ihr einen großen Teil eures Lebens darauf abgestimmt und tut alles, um eure Kinder liebevoll zu begleiten. Und dennoch treten solche Situationen auf, die einfach wahnsinnig viel Kräfte bei allen kosten müssen. Das muss frustrierend sein. Ich denke, es ist eine gute Idee, euch Hilfe von außen zu holen. Ich weiß nicht, welche Art der Online-Beratung ihr euch ausgesucht habt – ich hoffe, ihr geratet an eine kompetente Person, die euch gut weiterhelfen kann. 🙂
    Die Reaktionen von Nr 12 klingen schon heftig, und wenn man den Urlaub abbrechen muss, weil das Kind emotional völlig aus dem Ruder läuft, ist das natürlich krass. Vielleicht findet ihr noch besser funktionierende Wege, ihr helfen zu können. Die Ängste klingen beispielsweise sehr ausgeprägt und auch thematisch sehr früh auftretend. Vielleicht überlegt ihr euch auch, nicht nur online, sondern vor Ort jemanden zu suchen, dem/der ihr das ganze einmal vorstellen könnt und der/die auch schauen kann, ob bei Nr. 12 vielleicht eine andere Problematik hinter ihren Reaktionen steckt, als „nur“ ein gefühlsstarkes Temperament. Ich wünsche euch sehr viel Kraft und hoffentlich viele kleine Ruheinseln im Sturm.

    Gefällt 2 Personen

Wenn du einen Kommentar schreibst, erklärst du dich einverstanden mit: https://mamamamakind.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.