Schon sechs ein halb Monate zu viert

Nach einer längeren Pause mal wieder ein kleines Update von uns.

Das Leben hat uns gerade voll im Griff. Unsere gefühlsstarke Nr. 12 läuft leider mit leerem Tank herum, weil Nr. 3 noch immer ein Schreibaby ist und deshalb viel von der Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, die Nr. 12 brauchen würde zum Erholen von allem Erlebtem. Hinzu kommt, dass K. ihre klare Nr. 1 Elternperson ist, die aber leider arbeiten muss. So schreien, prügeln, wüten, trösten wir uns durch die Tage. Was wir natürlich auch machen, ist spielen, erkunden, lesen uvm.

Nr. 3 nimmt zunehmend am Alltag teil, erzählt mit uns, reagiert auf uns, spielt begeistert mit ihren* Sachen (sofern sie ihr* nicht von Nr. 12 entrissen werden, ohne dass ich es verhindern kann), schreit viel und mag mich immer, wirklich immer in ihrer* Nähe haben. Das ist äußerst ungewohnt für mich, da es ja bei Nr. 12 umgekehrt ist und war. Dieses Nummer 1 sein für ein Kind ist voll krass. Da ich beide Perspektiven kenne, muss ich sagen: nein, für mich ist es absolut kein Trost, wenn mir jemand sagt, dass doch Nummer 2 sein auch schon toll und schön und manchmal auch viel entspannter ist. Ja, es bringt ein paar persönliche Freiheiten mit sich, dafür aber auch viele Einschränkungen: ich darf nicht immer trösten, ich bin die Abreagierperson, ich kann das Kind nicht richtig auftanken usw. All das wiegt für mich schwerer, als ein paar freie Minuten. Nun mag das für andere anders sein, für mich aber eben nicht.

Ich schieße jetzt mal die Veränderungen in unserem Leben einfach so raus, ohne roten Faden, da ich nicht ganz so viel Zeit zur Verfügung habe:

Nr. 12 ist seit zwei Wochen abgestillt. Entschieden haben wir das, weil K. kurz vorm Zusammenbruch war und ist. Nr. 12 hat nachts bis auf ein, vielleicht zwei Stündchen dauergestillt. Dadurch konnte K. nicht sonderlich viel schlafen und es tat ihr auch einfach weh. Vor ca. fünf Wochen haben wir versucht, „sanft“ nur sechs Stunden in der Nacht abzustillen, sodass Nr. 12 zum Einschlafen und Aufwachen, sowie nach der Arbeit, wenn K. nach Hause kam, noch stillen konnte. Leider war dadurch ein so krasser Ausnahmezustand, dass wir alle null komma null geschlafen haben. Irgendwann stellte sich heraus, dass Nr. 12 Angst hatte, dass K. stirbt, und sie dann nie wieder stillen kann. Diese existenzielle Angst schwebte den ganzen Tag über ihr und sie tat alles, wirklich alles, um nur nicht einzuschlafen. Einmal ist sie vor Müdigkeit sogar einfach umgeplumpst. Als wir das verstanden hatten, haben wir beschlossen, einen radikalen Cut zu machen. Das hat sie auch umgehauen und sie kämpft hart dagegen an, aber es ist nun ein Trauern und keine Angst mehr und auch die Panikattacken sind weg. Damit werden wir noch eine Weile zu tun haben. ABER Nr. 12 schläft nun nachts viel besser. Wenn sie denn mal eingeschlafen ist. Das fällt ihr nämlich noch immer immens schwer. Zur Zeit fährt K. jeden Abend eine Runde mit ihr im Fahrradanhänger, weil sie dort sicher einschläft, trägt sie dann ins Bett und dann können beide halbwegs schlafen. Nr. 12s Kopf ist einfach immer übervoll, sie nimmt alle Reize auf und die bleiben alle in ihrem Kopf drin. Um diesbezüglich für etwas Entspannung zu sorgen, haben wir alle Nachmittagsaktivitäten gestrichen, fangen ab 16 Uhr das ruhige Runterkommprogramm an und hoffen dann, dass sie zwischen 17:30-19 Uhr irgendwann einschläft ohne Streit und Klopperei.

 

Nr. 3 und ich stillen tatsächlich immer noch. Das ist für mich ein kleines großes Wunder nach unserer Geburtsgeschichte. Sie* nimmt auch tatsächlich nichts anderes mehr als meine Brust. Das ist unpraktisch, aber damit kann ich leben. Immerhin wollte ich stillen und spare mir so nachts das Aufstehen und auch das Mitnehmen von einem Fläschchen, wenn wir unterwegs sind. Ich fühle mich diesbezüglich wirklich sehr mit Glück überhäuft, da es einiges vereinfacht. Ich kann Nr. 3 einfach unbemerkt im Tuch stillen, während ich mit Nr. 12 spiele, turne, die Welt entdecke. Das viele Schleppen (zumal auch Nr. 12 oft noch getragen werden möchte = zusammen 20+kg) ist anstrengend für meinen Rücken, aber da ich mit jeder Woche immer fitter werde, ist es erträglich. Und bald ist ja Nr. 3 auch groß genug, dass ihr Gewicht mehr auf der Hüfte sitzt.

 

So, Schreibzeit vorbei, Nr. 3 weint.

 

PS: Nr. 12 kommuniziert sehr genau, dass sie die weiblichen Pronomen bevorzugt, deshalb bei ihr kein * mehr. Natürlich experimentiert Nr. 12 trotzdem auch mal mit anderen Pronomen und Namen. Sie sagt uns immer bescheid, wie wir sie nennen sollen. In 95% der Fälle sind das ihr Name und die Pronomen sie/ihr.

Nr. 3 kann uns das noch nicht sagen, deshalb bei ihr* ein Sternchen. Das Sternchen bedeutet für uns, dass das Pronomen von außen vorgegeben ist und nicht selbst gewählt (da es noch nicht kommuniziert werden kann).

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Wrumm?

Die meistgestellte Frage von Nr. 12 😉 Ja, warum eigentlich? Warum gibt es Nr. 3? Warum hat Opa sein Brötchen aufgegessen? Warum gibt es Länder? und so weiter. Es ist sehr spannend mit Nr. 12 zur Zeit. Oft sind die Fragen nämlich auch philosophisch oder nicht so einfach zu beantworten, sodass wir viel lernen können. Weiterlesen

Vom Traum in die Realität

Triggerwarnung: Geburtstrauma, Krampfanfall

Zu aller erst war da der Traum von der Hausgeburt. Von der selbstbestimmten Geburt in sicherer Umgebung, wo Nr 12 auf Wunsch dabei sein könnte, aber zumindest kurz nach der Geburt schon ihr Geschwisterkind kennenlernen kann. Und auch ich (M.) wäre nicht länger als die Geburt eben dauert von Nr 12 getrennt. Weiterlesen

Schwangerschaft und Missbrauchserfahrungen – eine Gedankensammlung

Heute möchte ich mich einem sehr unangenehmen Thema widmen, da ich (M.) in den letzten Wochen und Monaten doch oft getriggert wurde. Gelesen hatte ich ja, dass Missbrauchserfahrungen in der Schwangerschaft wieder hochkommen können und vieles auslösen können, überrascht hat es mich trotzdem mit welcher Wucht sie dann kamen. Weiterlesen

31+4

Nr. 3 und ich haben es tatsächlich fast geschafft. Nur noch etwas mehr als acht Wochen bis zum errechneten Geburtstermin.

Darüber bin ich sehr froh, da ich unter anderem starkes Sodbrennen habe und die Schwangerschaft als sehr anstrengend empfinde.

Die schöne Seite ist, dass Nr. 3 sehr sehr aktiv ist und viele lustige Turnübungen macht. Sie* drückt ihren Po so weit raus, dass ich ganz ausgebeult bin und das Gefühl habe, dass die Haut gar nicht standhalten kann. Wenn sie* andersrum liegt verschiebt sie* mit ihren Füßen auch gerne mal meine Rippen um ein bis zwei Zentimeter.

Es ist sehr spannend für mich, K. konnte allerdings noch nicht so viel von Nr. 3 genießen, da sie von Nr. 12 zu 120% in Beschlag genommen wird. Sobald K. versucht mit dem Baby im Bauch Kontakt aufzunehmen, wird Nr. 12 ganz panisch und tut alles, um K.s Aufmerksamkeit zurück zu gewinnen. Das macht uns ein bisschen Bammel vor der Zeit nach der Geburt. Nr. 12 wird dann schätzungsweise ständig zwischen abgöttischer himmelhochjauchzender Liebe zu Nr. 3 und abgrundtief verzweifeltem ‚ich muss meine Mamas teilen‘-Schmerz schwanken. Das wird sehr anstrengend für uns alle werden. Meine Hoffnung ist, dass ich schnell lerne im Tragetuch zu stillen, damit ich gleichzeitig mit (fast) voller Aufmerksamkeit bei Nr. 12 sein kann.

Und natürlich sind wir alle sehr gespannt wie und wer Nr. 3 so sein wird. Wird sie ebenso gefühlsstark wie Nr. 12? Werden wir Nr. 3 auch mal ablegen können? Wie wird Nr. 3 aussehen? Was wird sie* mögen und nicht mögen? Und wie wird es sein noch ein Kind zu haben (das nicht unsere geliebte Nr. 12 ist)?