Wrumm?

Die meistgestellte Frage von Nr. 12 😉 Ja, warum eigentlich? Warum gibt es Nr. 3? Warum hat Opa sein Brötchen aufgegessen? Warum gibt es LĂ€nder? und so weiter. Es ist sehr spannend mit Nr. 12 zur Zeit. Oft sind die Fragen nĂ€mlich auch philosophisch oder nicht so einfach zu beantworten, sodass wir viel lernen können.

Meine Lieblingsunterhaltung ist immer „Wrumm Meedchen?“ inklusive total verwundertem Blick, wenn jemand zu Nr. 12 ‚MĂ€dchen‘ gesagt hat. Vorzugsweise tun das die Großeltern; und wir Eltern finden das total nervig. Leider sind die Großeltern völlig beratungsresistent, was das angeht. Sie finden es gelinde ausgedrĂŒckt ‚verwunderlich‘, dass wir „Kind“ sagen, statt Junge / MĂ€dchen.

Mittlerweile hat Nr. 12 verstanden, dass viele Menschen Kinder mit Vulvina ‚MĂ€dchen‘ nennen und Kinder mit Penis ‚Junge‘. Letztens im Bus hatten wir folgende Unterhaltung:

Nr. 12: „Meedchen“

ich: „Was ist mit einem MĂ€dchen?“

Nr. 12: „[eigener Name] Meedchen is“

ich: „Achso, du meinst, dass du ein MĂ€dchen bist?“

Nr. 12: „Ja“

ich: „ok, dann helfe ich dir, das allen Leuten zu sagen. Nur du kannst nĂ€mlich wissen, ob du ein MĂ€dchen, Junge oder irgendetwas dazwischen bist. Und das was du sagst, helfe ich dir allen Leuten zu sagen.“

Nr. 12: „ja, Leuten sagen, ich Meedchen bin“ + glĂŒcklicher Blick

fĂŒnf Minuten spĂ€ter, Nr. 12 rutscht unruhig auf ihrem* Sitz herum, dann:

Nr. 12: „jetzt Leuten sagen, [eigener Name] Kind ist“

ich: „ok, ich sage allen Leuten, dass du ein Kind bist“ (Kind = nicht Junge oder MĂ€dchen!)

 

Wir versuchen, alle Kinder als solche zu bezeichnen, statt sie anhand ihrer Kleiderfarbe oder HaarlĂ€nge in eine binĂ€re Kategorie zu stecken. Leider schlĂ€gt vor allem in ĂŒbermĂŒdetem Zustand die „alte Schule“ auch mal durch, was mich oft sehr Ă€rgert, da ich wirklich denke, dass Kinder kein Label haben und auch nicht haben sollten. Wrumm sollten sie auch?!

Nun ja, wir ĂŒben und verbessern uns. (auch auf dem Blog wollen wir uns verbessern, wo wir bisher „sie*“ geschrieben haben, statt neutralerer Formulierungen. VerbesserungsvorschlĂ€ge sind herzlich willkommen!)

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3 Gedanken zu “Wrumm?

  1. Wir achten auch darauf, besonders ich. Es nervt mich auch (zum Beispiel auf der Arbeit), wenn so SĂ€tze fallen wie „Du kannst das und das, du bist ja schließlich schon ein großer Junge/ein großes MĂ€dchen“. Wieso?! Was hat das biologische Geschlecht damit zu tun, ob man hĂŒpfen, sich selbst anziehen oder sein Fleisch schneiden kann? Das macht mich wahnsinnig!

    Übrigens eine sehr schöne Unterhaltung von euch im Bus. 🙂

    Was macht Nr.3

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  2. Puh.
    Ich finde es gut Kinder Kinder sein zu lassen. Jedes Kind ist in erster Linie ein Mensch und kann alles lernen und können was andere Menschen auch können. Völlig egal welches biologische Geschlecht sie tragen.
    Allerdings halte ich persönlich dieses ganze „neutral halten“ fĂŒr too much. Ein Kind ist nunmal entweder mĂ€nnlich oder weiblich und nur weil man es auch so benennt, erkennt man ihm ja nicht automatisch FĂ€higkeiten ab. Ich denke es ist fĂŒr die selbstwahrnehmung und Selbstfindung wichtig sich seinem biologischen Geschlecht bewusst zu sein ohne in ein Klischee gepresst zu werden. Ich stelle mir vor, dass es so leichter ist sich seiner bewusst zu werden, egal ob homo, hetero, bi, trans, genderfluid oder was auch immer.
    Dass das Umfeld stabil ist und einen in jeglicher Hinsicht sichtbar unterstĂŒtzt, ist mMn wichtiger als neutrale Bezeichnungen. Hat sie* denn einen MĂ€dchennamen oder ist ihr Name quasi unisex?
    Ps: es soll kein Angriff sein, nur meine Sicht. 😉

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    • Hallo!
      Erstmal danke fĂŒr’s Teilen deiner Meinung. Einige Punkte sehen wir da allerdings etwas anders. Soll ebenfalls kein Angriff sein.
      Zuerst mal: Menschen sind nicht entweder mĂ€nnlich oder weiblich. Auch Kinder nicht. Klar sind die meisten mĂ€nnlich oder weiblich. Aber schadet es diesen, wenn ihre Eltern ihnen das nicht stĂ€ndig sagen? Sie sind und bleiben es ja trotzdem. Den Kindern, die eben nicht mĂ€nnlich oder weiblich sind oder deren Geschlecht nicht mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen ĂŒbereinstimmt, schadet es aber mit Sicherheit, stĂ€ndig mit einem falschen Geschlecht bezeichnet zu werden. Deshalb ist es fĂŒr uns wichtiger, unsere Kinder im (unwahrscheinlicheren) Fall, dass ihr zugewiesenes Geschlecht falsch ist, demonstrativ zu unterstĂŒtzen, als ihnen im anderen Fall ihr Geschlecht (und im schlimmsten Fall auch noch irgendwelche damit verbundenen Erwartungen) auch noch stĂ€ndig unter die Nase zu reiben, das tun andere Leute ohnehin genug. IdentitĂ€tsfindung ist einfacher in einem von Grund auf unterstĂŒtzenden Umfeld als wenn man sich erstmal lange mit einem inneren GefĂŒhl des „Falsch-seins“ herumschlagen muss. Und wenn ein Kind uns bspw. sagt, dass es ein MĂ€dchen ist, dann respektieren wir das natĂŒrlich, und versuchen nicht, ihm einzureden, dass es „neutral“ oder sonstwas sein muss. Nur zur Klarstellung.
      GrundsĂ€tzlich gibt es so etwas wie ein „biologisches Geschlecht“ ĂŒbrigens nicht. Es gibt Genitalien, auf Basis derer nach der Geburt ein Geschlechtseintrag gemacht wird. Selbst diese Genitalien sind nicht immer eindeutig. DarĂŒber hinaus gibt es Chromosomen, die allerdings in eine andere Richtung deuten können als die Genitalien (XY-Chromosomen, aber Vulvina bspw.). Kein Mensch kann ohne Gentest seinen Karyotyp kennen, oft wird so etwas zum Beispiel erst bei erfolglosem Kinderwunsch festgestellt. Und dann gibt es noch Hormone, die nochmal anders sein können.
      Fazit: Sein Geschlecht kann jeder Mensch nur selbst kennen. Und eine annehmende Haltung in jeglicher Hinsicht unseren Kindern gegenĂŒber zu demonstrieren ist uns wichtig und deshalb versuchen wir, ihnen ihr Geschlecht so wenig wie möglich vorzugeben.

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