Eingewöhnung im Waldkindergarten

Unsere große kleine Nr. 12 ist jetzt ein Kindergartenkind. Das ist für uns Eltern noch etwas ungewohnt…

Ihren Start im Kindergarten möchte ich hier (auch für uns zur Erinnerung) festhalten.

Zuerst zum Kindergarten selbst: Es ist ein Waldkindergarten, das heißt, die Kinder sind den ganzen Tag (oder vormittag in unserem Fall) im Wald. Es gibt nur einen kleinen Bauwagen als „Basis“ und es gibt einen angemieteten Raum in einem nahegelegenen Pfarrheim, in dem die Ganztagskinder Mittag essen und Mittagsruhe halten. Der Ablauf an einem regulären Vormittag ist so: Die Kinder werden gebracht und verabschiedet und können im Wald in der Nähe des Bauwagens frei spielen. Um 9 Uhr geht es in den Morgenkreis, wo die Kinder und Erzieher*innen auf im Kreis aufgestellten Baumstümpfen sitzend erzählen, singen und kleine Spiele spielen. Dann geht es weiter in den Wald. Im Sommer können die Kinder mit Lauf- oder Fahrrad fahren, an einen von ca. 30 benannten Plätzen. Dort wird dann eine Picknickdecke ausgebreitet und die Kinder können wieder frei spielen und, wenn sie Hunger haben, frühstücken. Bei Regen gibt es eine Art Zelt, das über die Decke gespannt wird als Regenschutz. Es gibt kein Spielzeug, nur im Wald gefundene Utensilien und etwas Werkzeug sowie ein paar Eimer zum Tannenzapfen sammeln oder ähnliches. Die Kinder scheinen nichts zu vermissen. Gegen 12 Uhr geht es zurück zum Bauwagen und die Teilzeitkinder werden abgeholt.

Nr. 12 ist jetzt 2 3/4 Jahre alt und war vorher noch nicht in Fremdbetreuung, höchstens mal ein oder zwei Stunden bei guten Freunden oder Großeltern, aber auch das selten. Dies hatte mehrere Gründe: Zuallererst war es nicht notwendig, weil wir das Privileg haben, dass seit ihrer Geburt höchstens eine von uns Erwerbsarbeit leisten musste, die jeweils andere konnte die Kinderbetreuung übernehmen. Zweitens verbringen wir einfach gerne Zeit mit Nr. 12. Und drittens brachte es uns keine Erleichterung, wenn sie bspw. bei unseren Eltern blieb, weil sie danach völlig über dem Limit und wir länger mit der Aufarbeitung beschäftigt waren als wir dadurch „frei“ hatten.

Der Start im Kindergarten war also für uns alle ein Abenteuer. Glücklicherweise haben wir schon Ende letzten Jahres die Zusage für den Platz bekommen (den einzigen Platz…). Ein Kindergarten in einem Haus hätten wir uns (noch?) nicht vorstellen können für sie, da sie viele Kinder in einem Raum einfach völlig überfordern und überreizen. Zudem ist sie einfach so viel entspannter draußen (zum Glück haben wir zu Hause einen Garten!), dass das genau ihr Ding ist.

Zunächst war der Start für nächsten Januar (ab ihrem dritten Geburtstag) geplant. Vor einigen Monaten wurde uns aber angeboten, dass wir auch schon früher starten könnten. Das hatte den Vorteil, dass ich (K.) während meiner ohnehin geplanten Elternzeit die Eingewöhnung begleiten konnte und nicht M. zusammen mit der dann ein Jahr alten Nr. 3 das übernehmen muss. Nr. 3 ist zwar auch ein echtes Naturkind, aber so ist es für alle entspannter.

Wir starteten also Anfang September mit der Eingewöhnung. Am ersten Tag war soweit noch nichts neues, da wir einfach nur mitgingen und wir ja schon öfter bei einem Besuchertag dort waren. Nr. 12 hat viel gespielt mit verschiedenen Erzieher*innen und viel beobachtet. Hinterher war sie sehr k.o. und hatte den Rest des Tages und am nächsten Tag einige heftige Gefühlsausbrüche.

Wir hatten eigentlich gedacht, dass wir jeden Tag hingehen würden, weil wir dachten, dass Nr. 12 jede mögliche Gelegenheit zum an die Abläufe gewöhnen brauchen würde. Aber wir haben uns dann auf die Expertise der Erzieher*innen verlassen und wollten mal sehen, wie es läuft. Also sind wir erst drei Tage später wieder hin gegangen. Es wurde festgelegt, wer Nr. 12s Bezugserzieherin werden sollte. In den Sommermonaten können die Kinder ein Lauf- oder Fahrrad mitbringen, also hatten wir auch das Laufrad dabei, was Nr. 12 sehr geholfen hat. Ich konnte sogar zwischendurch für zehn Minuten weggehen und Nr. 12 hatte währenddessen Spaß. Danach war sie erstmal eine Weile bei mir zum Auftanken, war aber danach nochmal fit und hat weiter gespielt. Das Einschlafen abends hat unfassbar lange gedauert (über 3h…), weil so viele Eindrücke und Erlebnisse zu verarbeiten waren.

Am ersten Kindergartentag in der zweiten Woche lief es ähnlich.

Wir konnten gleich am nächsten Tag wieder hin, weil das besser zu den Arbeitszeiten der geplanten Bezugserzieherin passte. Ich konnte relativ schnell weg, aber hörte sie nach kurzer Zeit verzweifelt weinen und bin dann wieder zurück. Der Übergang zum Frühstücken (und das nach zu wenig Schlaf) war ohne mich noch eine zu große Hürde. Nr. 12 war auch völlig aufgelöst und wollte nur nach Hause, sodass wir dann auch gegangen sind.

Wir konnten dann außer der Reihe Ende der Woche nochmal nachmittags hin, einfach damit Nr. 12 die Kinder noch ein bisschen besser kennenlernen kann. Das war ganz nett. Wir haben auch keinen weiteren Trennungsversuch unternommen. Und Nr. 12 hat vor der Ankunft nach einer Erzieherin gefragt und gesagt, dass sie sich bei ihr sicher fühlt (allerdings nicht die geplante Bezugserzieherin).

Dann startete schon Woche drei. Mit der oben erwähnten Erzieherin hat Nr. 12 den Übergang vom Frühstück zum Spielen geschafft und hatte viel Spaß beim Spielen mit ihr und anderen Kindern. Ich war ca. eine Stunde weg. Die Trennung war kein Problem. Danach wurde ein Wechsel der Bezugserzieherin beschlossen. Schön, dass das so flexibel ging.

Zwei Tage später waren wir wieder dort, es war allerdings schwierig, weil die Lieblingserzieherin und die zweitliebste auch morgens lange weg waren. Als sie zurück waren konnte ich mal ein paar Minuten weg, aber Nr. 12 war sehr angespannt und musste bei meiner Rückkehr sehr weinen.

Wieder zwei Tage später waren wir wieder dort und die Lieblingserzieherin ist extra mit Nr. 12 und ein paar anderen Kindern im Wald zum Barfußpfad gegangen, weil Nr. 12 so gerne barfuß läuft und das ansonsten im Kindergarten nicht erlaubt ist. Ich war wieder eine Weile weg. Währenddessen habe ich Nr. 12 weinen gehört, bin aber zunächst nicht wieder hin, weil ich Nr. 12 und der Erzieherin die Chance geben wollte, das ohne mich zu schaffen. Nr. 12 hat sich auch tatsächlich beruhigt, war aber danach noch sehr durcheinander. Abends erzählte Nr. 12, dass sie ihrer Meinung nach die Zeit ohne mich nicht geschafft habe. Auf Nachfrage, wieso sie das denkt, sagte sie, weil sie während ich weg war geweint hat. Wir haben dann mit ihr geklärt, dass sie dort auch traurig sein und weinen darf und es trotzdem geschafft hat. Und dass alle Kinder mal traurig sind und dann von den Erzieher*innen getröstet werden, dass die extra dafür da sind und das besonders gut können. Ich hatte an diesem Tag noch ein Gespräch mit der Leiterin des Kindergartens, das mir sehr geholfen hat. Sie sagte, dass ein Kind sich, wenn es selbst entscheiden darf, natürlich nicht für eine Trennung entscheidet, sondern natürlich immer gerne das Elternteil als sicheren Hafen in der Nähe hat. Und dass sich das auch eher nicht verändert, sondern dass dann das Elternteil die Entscheidung treffen muss. Daraufhin trafen wir die Entscheidung, dass ich in der nächsten Woche (Woche vier) noch mit zum Morgenkreis und in den Wald gehe und dann erst wieder zum Aufräumen und Rückweg wieder komme. Und dass ihre Lieblingserzieherin dann die ganze Zeit bei ihr ist.

Leider kam es anders, weil die Lieblingserzieherin überraschend nicht da war. Das hat Nr. 12 sehr durcheinander gebracht, sodass sie gar nicht in ein Spiel fand und mir ängstlich nicht von der Seite wich. Sie hat sich erst etwas entspannt, als ich gesagt habe, dass ich nicht weggehe. Als später allerdings die Leiterin an den Platz kam, hat sie Nr. 12 direkt in eine Aktion verwickelt und mich auch eingebunden, und ich musste dann an einem anderen Ort etwas fürs Spiel besorgen. Das war dann in Ordnung für Nr. 12, sodass ich eine halbe Stunde weg sein konnte. Danach ging es ihr richtig gut.

Das eigentlich schon beim letzten Mal geplante Prozedere kam dann also beim nächsten Besuch zwei Tage später. Nr. 12 hatte große Angst vorher und hat gesagt, dass sie nicht hingehen möchte. Aber eigentlich wollte sie schon, hatte aber wie gesagt große Angst vor der Trennung. Die Lieblingserzieherin hat extra mit einer anderen Aufgaben getauscht, damit sie nonstop bei Nr. 12 sein kann. Echt toll, wie dort auf sie eingegangen wird. Der Abschied hat gut geklappt und sie hat 1,5h geschafft inkl. Frühstück. Ein paar Mal hat sie geweint, sich aber immer schnell beruhigt und wieder ins Spiel gefunden. Danach war sie sehr stolz und glücklich.

Zwei Tage später das gleiche Spiel, allerdings mit Tränen bei der Verabschiedung. Ich blieb in Hörweite bis nach ein paar Minuten nichts mehr zu hören war. Wieder fast 2h geschafft. Danach sehr k.o., aber glücklich und wollte wieder kommen.

Nun sind wir in Woche fünf, die letzte Woche bevor der Kindergarten eine Woche geschlossen ist und meinem Arbeitsstart in der darauffolgenden Woche. Diese Woche sind wir bzw. ist Nr. 12 (bis auf den Feiertag logischerweise) jeden Tag da. Montags gleich der nächste Schritt in Form von Verabschiedung nach dem Morgenkreis und wieder treffen erst bei der Rückkehr aus dem Wald. Das hat sie trotz Tränen bei der Verabschiedung geschafft (sie ist auch selbst weggegangen an der Hand der Erzieherin) und wirkte richtig glücklich und angekommen danach.

Dienstag dann ähnlich, sogar ohne die Lieblingserzieherin. Und mittwochs zum ersten Mal Verabschiedung vor dem Morgenkreis. Das war nochmal ein großer Schritt für Nr. 12, den sie aber trotz Angst gemeistert hat. Heute (Freitag) genauso. Der Schritt der Verabschiedung fällt ihr noch sehr schwer, aber sie beruhigt sich dann schnell und scheint sich sehr wohl zu fühlen, seit sie gespürt hat, dass sie immer Hilfe bekommt, wenn sie sie braucht und Vertrauen gefasst hat.

Mittwoch Nachmittag/Abend/Nacht und Donnerstag (Feiertag) zu Hause waren allerdings äußerst explosiv nach erstmals drei aufeinanderfolgenden Tagen Kindergarten mit so vielen Erlebnissen und neuen Erfahrungen. Und infolgedessen Schlafmangel wegen abend-/nächtlicher Verarbeitung derselben. Wir sind froh, dass wir da alle heil rausgekommen sind, vor allem Nr. 3… 😦

Für uns ist es noch etwas gewöhnungsbedürftig, dass Nr. 12 jetzt auch Erfahrungen ohne uns macht. Gerade macht sie aber den Entwicklungsschritt, dass sie versteht, dass wir dann tatsächlich nicht wissen, was sie erlebt hat, und sie es uns erzählen muss. Das hilft etwas 😉

Wir sind sehr gespannt, wie es übernächste Woche weiter geht. Wir haben es von Anfang an so gemacht, wie es für ab diesem Zeitpunkt geplant ist, dass Nr. 12 mit mir (K.) mit dem Fahrrad zum Kindergarten gebracht wird und von M. mit Nr. 3 abgeholt wird, weil es Nr. 12 noch sehr schwer fällt, mit Veränderungen umzugehen, und wir das als Konstante etablieren wollten. Das einzige was sich dann diesbezüglich ändern wird, ist, dass ich dann nicht mehr beim Abholen mit dabei sein werde.

Insgesamt sind wir sehr glücklich, dass wir diesen Platz bekommen haben. Es fühlt sich richtig und gut an und wir fühlen Nr. 12 dort angenommen und gut aufgehoben.

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