Vom Traum in die Realität

Triggerwarnung: Geburtstrauma, Krampfanfall

Zu aller erst war da der Traum von der Hausgeburt. Von der selbstbestimmten Geburt in sicherer Umgebung, wo Nr 12 auf Wunsch dabei sein könnte, aber zumindest kurz nach der Geburt schon ihr Geschwisterkind kennenlernen kann. Und auch ich (M.) wäre nicht länger als die Geburt eben dauert von Nr 12 getrennt.

Nun Realität wurde dann eine ganz andere Geburt. Eine im Krankenhaus mit toller Begleitung, aber auch mit Antibiotika, Schmerzmitteln und Dammschnitt. Die Schmerzen, an die ich mich mittlerweile erinnere, gingen hauptsächlich in den unteren Rücken und wurden von der lieben Hebamme (ich hatte echt Glück mit ihr!) durch Akupunktur gelindert. Da der Muttermund leider sehr straff war und nicht so recht weich werden wollte, wurde irgendwann Buscopan gegeben. Erinnern kann ich mich auch daran, dass das Pressen am Ende ganz schön schwierig war und die Hebamme und Ärztin immer wieder sagten „nicht in den Kopf pressen, versuch alle Kraft nach unten zu schieben“. Dann habe ich noch eine kurze Minierinnerung daran, wie Nr 3 auf mir liegt und nicht so recht das Fruchtwasser aus ihrer Lunge bekommt…

Danach muss ich sehr stark geblutet haben (deutlich mehr als ein Liter Blutverlust) und irgendwann Angst geäußert haben, sodass sie K., die mittlerweile mit Nr 3 auf der Neonatologie war, zu mir riefen ließen. Als K. bei mir war massierte sie weiter Krämpfe aus meinen Füßen und Waden und dann war der Blutverlust so hoch, dass das Gehirn nicht mehr konnte und eben gekrampft hat. Daraufhin wurde wohl das Krisenteam gerufen, K. weggeschickt, ich ins CT um eine Hirnblutung auszuschließen und dann landete ich auf der Intensivstation, wo ich wohl ein weiteres Mal gekrampft habe.

Wach wurde ich am nächsten Tag ganz langsam… Für mich war das so: Weihnachten feiern, schwanger sein mit Nr 3, die lustige Turnübungen in meinem Bauch gemacht hat und dann in einem fremden Raum aufwachen, wo es überall um mich herum piepst, ich mich nicht bewegen kann, nicht sprechen kann (Zunge war verletzt vom drauf beißen beim Krampfanfall) und das Baby in meinem Bauch ist einfach weg.

Diesen Schock muss ich erst mal verdauen. Und noch immer fehlt die Verbindung zwischen dem ultra süßen Kind auf meinem Arm und dem Kind aus meinem Bauch. Ich trauere um das Bauchkind. Sehr. Und ich trauere um meine Geburtserfahrung, die in großen Teilen fehlt. Denn um ehrlich zu sein, habe ich diese ganze Schwangerschaft nur gemacht und durchgestanden, um eine Geburt zu erleben. Und nun fehlt mir genau diese Erinnerung. Ganz langsam bewege ich mich von „man ist das scheiße unfair. Warum ich?“ zu „ok, dann soll wohl SO meine Geburtserfahrung sein“. Aber bis ich das so annehmen kann, ist es noch ein weiter Weg. Auch Nr 3 als wirklich mein Bauchkind anzunehmen, wird noch eine Weile dauern. Das macht mich oft sehr traurig.

Aber es gibt auch ganz viele Dinge, für die ich sehr sehr dankbar bin:

Ich bin dankbar dafür, dass die Geburt so früh war, weil sie sonst vielleicht böser geendet wäre, wenn sie mit größerem Kind länger gedauert hätte.

Ich bin dankbar dafür, dass wir im Krankenhaus waren und dass wir in dem speziellen waren, weil wir beide das sonst wohl nicht so unbeschadet überstanden hätten.

Ich bin ganz doll dankbar für das tolle Personal im Krankenhaus, das uns sehr unterstützt hat und auch seine Toleranz (die wir schon bei Nr 12s Geburt zu schätzen wussten) wieder bewiesen hat. Die Menschen waren auch emotional für mich da, was bei der dünnen Personaldecke in Krankenhäusern echt nicht selbstverständlich ist.

Ich bin dankbar für die lieben Menschen, die mich besucht und anders emotional unterstützt haben oder mich auf Wunsch auch mal in Ruhe gelassen haben.

Ich bin dankbar für die grandiose Unterstützung für K. und Nr 12.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich weiterleben und meine Kinder erleben darf.

Und ich bin unfassbar dankbar für meine wundervolle Frau, die in großer Angst und Sorge um mich trotzdem für alle immer da war und unser Fels in der Brandung ist. Ich liebe dich!

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6 Gedanken zu “Vom Traum in die Realität

  1. Scheiße 😦 manchmal gibt es Momente, da fällt mir nichts anderes ein und das ist dann wohl so einer. Es verlangt sehr viel Stärke sich bei einer solchen Erfahrung auf das Positive zu besinnen bzw. das zu versuchen. Ich wünsche dir, dass es die hilft diese Stunden verarbeiten zu können… Und ich wünsche dir und euch, dass die nächsten Wochen all die schönen Momente bereit halten, die ihr braucht, um als Familie glücklich zu sein! Herzlichen Glückwunsch zu Nr. 3!!!

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      • Das freut mich, dass du für dich selbst schon einen Weg der dir gut tut gefunden hast! 🙂 Ich kann mir allerdings auch vorstellen, wie schwer es ist die Zeit zu finden… Unsere Tochter* schläft sehr gut und wir sind zu zweit und trotzdem komme ich nicht einmal zur Hälfte von den Dingen, die ich mir vornehme. XD ich nehme mir für sehr wenig Dinge immer Zeit, eines davon sind aber eure Blogeinträge. Es tut einfach gut zu wissen, dass es irgendwo in diesem Land Menschen mit ähnlichen Voraussetzungen und Themen gibt. Haltet die Ohren steif 🙂

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  2. Zuerst gratuliere ich zu Nr. 3 – wie geht es ihm/ihr denn mittlerweile? Und dir körperlich? Und deiner Frau? Ich wünsche euch vieren ganz viel Kraft, um das aufzuarbeiten… es irgendwie anzunehmen, dass das deine Geburtserfahrung war. Sehr schade, dabei hattet ihr so schöne Pläne mit der Hausgeburt. Wie viel kam Nr. 3 zu früh?
    Ich schicke liebe Grüße und wünsche euch eine wunderbare Kennenlernzeit! Wie hat Nr. 12 reagiert?

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    • Nr 3 geht es mittlerweile echt ganz gut. Sie kam bei 36+6 (heute ist sie drei Wochen alt und morgen ist ET)
      Nr 12 liebt Nr 3, ist aber natürlich auch total überfordert davon, uns Mamas teilen zu müssen. Das äußert sie auf unterschiedliche Art und Weise. Sie hat es aber beeindruckend schnell geschafft, ihre Wut an Gegenständen auszulassen (auch wenn das natürlich noch nicht ganz immer klappt). Nr 12 fängt auch seit zwei Tagen an, sich sichtlich zu entspannen und versucht die neue Situation so anzunehmen, wie sie eben ist. Sie ist mega beeindruckend.
      Mir geht’s körperlich auch immer besser, wenn ich auch noch länger keine Bäume ausreißen werde. Die Muskulatur ist auch noch seeeehr verspannt. Aber ich kann schon wieder die Treppe im Haus in einem Rutsch hoch laufen 🙂
      Meine Frau ist leider total platt vom alles alleine organisieren müssen. Ich hoffe deshalb sehr, dass ich meinen Anteil bald wieder übernehmen kann.

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  3. Es tut mir so leid, dass die Geburt so verlaufen ist! Und bin sehr froh, dass ihr trotzdem soweit alle gesund seid!!! Ich kann mir nicht mal vage vorstellen, wie schlimm das gewesen sein muss – vor allem auch, den Moment nicht bewusst zu erleben. Ich hoffe, ihr könnt es gut verarbeiten. Ganz liebe Grüße!

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