Sage und schreibe acht Wochen alt

Nr. 3 ist nun acht Wochen alt und ich kann mich wieder bewegen und war sogar schon joggen (na gut, schnelles schleichen 😉 ).

Das Leben mit zweitem Kind ist sehr anstrengend und vor allem in den ersten sechs Wochen haben wir doch ernsthaft daran gezweifelt, dass wir uns vorher genĂŒgend Gedanken gemacht haben. Zu keinem Zeitpunkt wollten wir Nr. 3 wieder hergeben, aber die Gesamtsituation hat uns deutlich ĂŒber unsere Belastbarkeitsgrenzen gebracht. K. musste zu Beginn alles alleine stemmen, wurde von Nr. 12 24 Stunden am Tag in Beschlag genommen und konnte ĂŒberhaupt nicht beginnen, die traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten. Schließlich hat sie mich in einem Zustand gesehen, der wirklich sehr beĂ€ngstigend war, musste zwischen drei geliebten Menschen (M., Nr. 12 und Nr. 3) hin und her dĂŒsen und nebenher noch BĂŒrokratiescheiße erledigen.

Nr. 12 hat mich so sehr vermisst, dass sie* (bitte VorschlĂ€ge, wie ich hier neutraler formulieren kann!) Nr. 3 und mich schlagen wollte, weil sie* sich erstmal nicht anders auszudrĂŒcken wusste. Nr. 3 haben wir beschĂŒtzen können, ich habe in den ersten 3-4 Wochen öfter eine abbekommen. Das ist besser, seit ich mich wieder bewegen kann, ohne gleich schwach zu werden, und sehr viel mehr Zeit mit Nr. 12 verbringen kann. Das tut uns beiden sehr, sehr gut. Wir genießen die Exklusivzeit in vollen ZĂŒgen und erholen uns dadurch beide.

Nr. 3 ist bereits im acht-Wochen-Schub angekommen, quĂ€lt sich immer noch mit dem Bauch herum und lebt am liebsten auf uns Eltern. Nr. 3 lĂ€chelt am liebsten Nr. 12 und meine Brust an und ist schon riesig geworden im Vergleich zum Anfang 😊. Wir Eltern haben uns auch so langsam daran gewöhnt, dass jetzt alles anders ist mit noch einer Mitbewohnerin*. Auch Nr. 12 empfindet Nr. 3 seit ein paar Tagen als zur Familie gehörig. Das ist eine große Erleichterung. Trotzdem hĂ€tte Nr. 12 natĂŒrlich gerne uns Eltern fĂŒr sich alleine.

Wir haben das (nicht ganz perfekte aber) tolle Buch „Du gehörst dazu. Das große Buch der Familien.“, wo auf einer Seite gefragt wird, ob das Kind eine Familie sehen kann, die der eigenen Ă€hnelt. Nr. 12 konnte keine entdecken, weil Nr. 3 fehlte (die Familie mit den zwei Mamas hat auf dem Bild nĂ€mlich nur ein Kind) und hat auf die Familie mit den beiden Mamas gezeigt, als ich vorgeschlagen habe, dass wir uns Nr. 3 dazu denken könnten.

Die Geburt habe ich ganz gut verarbeiten können. Jetzt bin ich an dem Punkt, dass ich es annehmen kann, wie es ist und nicht mehr hadere. Ja, es macht mich traurig, dass ich kaum Erinnerungen an die Geburt habe. Aber es macht mich nicht mehr verzweifelt, wĂŒtend oder mit dem Schicksal hadernd. Es ist wie es ist, und so ist es gut (fĂŒr mich!). Trotzdem treffen wir uns morgen mit den beiden Hebammen aus dem Krankenhaus, um ĂŒber die Geburt und das Erleben aller Seiten zu sprechen. Auch die Hebammen hat Nr. 3s Geburt nĂ€mlich ganz schön bewegt und sie werden mich (deshalb) „nie in ihrem Leben vergessen“. FĂŒr mich erhoffe ich, dass vielleicht ein paar weitere Erinnerungen getriggert werden und fĂŒr K. erhoffe ich ein StĂŒck Verarbeitung des Erlebten.

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Ein Gedanke zu “Sage und schreibe acht Wochen alt

  1. Ist es nicht krass, was einfach so von Familien verlangt wird? Niemand bereitet einen darauf vor und keiner scheint so richtig darĂŒber zu sprechen. Ich habe zwar das GefĂŒhl, dass es inzwischen ein bisschen anerkannter ist, als Elternteil Überforderung einzugestehen, aber Hilfe darf mensch trotzdem kaum erwarten. Im besten Fall gibt’s VerstĂ€ndnis und sie Floskel, dass es mit der Zeit besser wird. Jede Familie muss doch solche Erfahrungen gemacht haben. Traumatische Geburtserfahrungen, bodenlose Erschöpfung, Wut ĂŒber die eigenen Grenzen, Eifersucht zwischen Geschwistern, etc. sind ja nun wirklich keine Einzelfallthemen und dennoch gibt es keinerlei UnterstĂŒtzungsstrukturen, außer den privaten, die ja nicht jede Familie in gleichen Maße hat

    Ich freue mich sehr zu lesen, dass ihr euch langsam als Familie einfinden und, dass Nr. 12 ihr Geschwister inzwischen als zugehörig wahrnimmt. Das war bestimmt ein großer Schritt fĂŒr sie*. Froh bin ich auch darĂŒber, dass die Wunden der Geburt wohl langsam heilen – die körperlichen und die anderen.
    Zu eurer Frage wegen der Pronomen: Ich persönlich finde es garnicht schlimm, dass ihr sie* schreibt, schließlich ist nicht das Pronomen das Problem, sondern die Assoziationen der Gesellschaft. Mir ging es so zb. Mit Kleidung, die die Gesellschaft weiblich assoziiert. Ich nĂ€he nun auch ab und zu mit rosa und lila. Das sind Farben wie alle anderen und warum sollte ich diese meinem Kind vorenthalten? Ähnlich sehe ich es mit den Pronomen. FĂŒr euch und uns sind diese Worte doch nur leere Platzhalter. Sollte Nr. 12 mit ‚er‘ angesprochen werden wollen, wĂŒrdet ihr den bestimmt nachkommen. Außerdem kann sich eurer sie* ja auch auf DIE Nr. 12 beziehen, so wie ich von ‚die Hummel‘ sprechen. Auch das funktioniert vollstĂ€ndig unabhĂ€ngig des gesellschaftlich zugeordneten Geschlecht. (Auch ein Kind mit Penis wĂ€re bei mir eindeutig ‚dir Hummel‘ und damit auch sie*).
    Vielleicht helfen euch meine Ideen weiter, ich bin aber auch sehr gespannt auf die anderen Meinungen und Ideen!
    Liebe GrĂŒĂŸe!

    GefÀllt 1 Person

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