2017: Von Aww bis Zeichensprache

2017 war ein verrĂŒcktes Jahr! 😊 Ein positiv verrĂŒcktes und wunderschönes Jahr. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll
 Dieses Jahr hat sich unser Leben so fundamental verĂ€ndert, denn wir wurden am dritten Januar Eltern unseres kleinen Wunders. Außerdem haben wir (nochmal)  geheiratet und unbeschreiblich viele Dinge zum ersten Mal getan/erlebt. Aber von vorne:

Letztes Jahr haben wir zum GlĂŒck Silvester geschlafen und sind nur kurz zum Feuerwerk schauen und Nachbarn „Frohes neues Jahr“ wĂŒnschen aufgestanden, denn es sollte der letzte Schlaf vor der Geburt unserer kleinen, sĂŒĂŸen Nr. 12 werden. Denn in der darauffolgenden Nacht vom ersten auf den zweiten Januar gingen die Wehen los und am dritten um halb zwölf hielten wir ein kleines Menschlein in den Armen und haben gelernt, dass Liebe explosionsartig mehr werden kann und wir vor allem nicht nur eine endliche Menge Liebe besitzen, die auf unsere geliebten Menschen verteilt werden muss, sondern dass unvorstellbarerweise einfach neue, zusĂ€tzliche Liebe dazu kommen kann. ❀

Dieses Erlebnis war der erste Teil unserer diesjĂ€hrigen Erfahrungsreise, wozu wir fĂ€hig sind. Weiter ging es mit dem ErfĂŒllen verschiedenster BedĂŒrfnisse unseres Wunders in allen möglichen ZustĂ€nden unsererseits. In diesem Zuge haben wir viel getragen, gestillt, gesungen, gekuschelt, gespielt, vorgelesen, beschĂŒtzt, machen lassen, getröstet, nachts durch die Gegend spaziert, auf verschiedensten Wegen kommuniziert (beispielsweise mittels Zeichensprache),… Und unglaublich oft gedacht, es geht nicht mehr.  Aber wie viel GlĂŒcksgefĂŒhl und dass wir immer irgendwoher noch ein bisschen Kraft aus einem Lachen oder einem seligen Gesichtsausdruck im Schlaf ziehen können ist immer wieder verwunderlich.

Außerdem haben wir viele (seeeehr viele) Berge WĂ€sche gewaschen. Und wir haben gelernt, die Welt mit anderen Augen zu sehen und besser wahrzunehmen, welche Wunder sie bereithĂ€lt. Im Sommerurlaub haben wir beispielsweise entdeckt, dass Waldameisen Haare am Po haben. 😉 Ausprobiert haben wir auch viel: wie zum Beispiel Steine schmecken und wie es sich anfĂŒhlt mit den Fingern MĂŒsli zu essen. Unsere Ekelgrenze hat sich im Laufe des Jahres deutlich nach oben verschoben, wobei unser diesbezĂŒgliches Mantra „es hilft ja dem Immunsystem“ sehr nĂŒtzlich war… 😁

Wunderschön und anstrengend zugleich war unsere Elternzeit zu dritt in den ersten zehn Lebenswochen von Nr. 12. Mit der UnterstĂŒtzung unserer Hebamme haben wir ganz gut in den Alltag mit Baby gefunden. Was weniger gut geklappt hat, war zu akzeptieren, dass wir nicht mehr alles im selben Maße erledigen bzw. fertigstellen können sowie jede*n besuchen oder anrufen können wie vor der Geburt. Irgendwann Mitte des Jahres hatten wir aber auch das eingesehen und nehmen nun einfach hin, dass gewisse Dinge zum Wohle unseres Kindes ruhen mĂŒssen. Trotzdem haben wir beide immer wieder daran zu knabbern, wenn etwas nicht so umsetzbar ist, wie wir es uns vorgestellt haben. Aber dank unserer Einigkeit darĂŒber, dass Nr. 12 unsere oberste PrioritĂ€t ist, können wir uns da mittlerweile sehr gut gegenseitig wieder rausholen.

Apropos „zum Wohle unseres Kindes“: die Stiefkindadoption ist ein anstrengender langer Prozess, der vor der Geburt mit dem ersten Kontakt zum Jugendamt begann und noch immer lĂ€uft. Es ist in unseren Augen echt nicht „zum Wohle des Kindes“, dass unsere Tochter* noch immer nicht rechtlich abgesichert ist und auf dem Papier wohl auch zu ihrem ersten Geburtstag noch nur eine Mama haben wird. Es macht unglaublich wĂŒtend und verzweifelt, dass wir diesem Prozess so machtlos ausgeliefert sind. Und auch die Eheöffnung hat an der Situation leider nichts geĂ€ndert, da tatsĂ€chlich nur wir Eltern gleichgestellt wurden, nicht aber die Kinder – das Abstammungsrecht wurde nĂ€mlich nicht mitgeĂ€ndert.

Aber immerhin sind wir seit Oktober nicht mehr nur „verpartnert“ sondern richtig echt „verheiratet“. 😃 Wir haben unsere Lebenspartnerschaft umschreiben lassen und mussten dafĂŒr noch einmal „JA“ sagen zueinander. So richtig mit aufstehen und Kuss. Das waren schöne fĂŒnf Minuten, morgens um acht Uhr mit Nr. 12 als inoffizieller Trauzeugin*. Freund*innen, Kolleginnen* und Familie haben sich von Herzen mit uns gefreut und so haben wir nun zwei „Hochzeitstage“. Und am Abend der Umschreibung sind wir tatsĂ€chlich zum ersten Mal zu dritt zu unserem Lieblingsvietnamesen essen gegangen. Das war schön und ein echt toller Tag.

Im Sommer haben wir unseren ersten gemeinsamen Campingurlaub gemacht. Ganz in der NĂ€he mit nur einer knappen Stunde Autofahrt, aber eben doch an einem anderen Ort mit anderen vier WĂ€nden und ohne Arbeit und Verpflichtungen. Das hat uns allen sehr gut getan. Dort haben wir auch endlich die Zeit gefunden mal wieder einen großen Stapel BĂŒcher zu lesen. Darunter waren BĂŒcher wie „Das ĂŒberreizte Kind“ von Shanker, „Achtsame Kommunikation mit Kindern“ von Siegel und „Gewaltfreie Kommunikation“ von Rosenberg. Die „Gewaltfreie Kommunikation“ hat uns persönlich ein paar riesen Schritte weitergebracht, sodass uns beispielsweise auch negative Gedanken uns jeweils selbst gegenĂŒber viel frĂŒher bewusst werden und auch meist gestoppt werden können. Im Anschluss hilft uns auch „Mindsight“ von Siegel sehr weiter im Umgang mit stressigen Situationen.

Auch unser Haus ist einen Schritt weiter: pĂŒnktlich zum Krabbelstart war die untere Etage nutzbar. Zuerst noch mit wenigen Möbeln und unfertigen WĂ€nden, aber jetzt auch mit KĂŒche und allem drum und dran. Aktuell baut K.s Vater den Dachstuhl aus und wundert sich, wie schnell sein erstes Jahr in Rente doch vorbei ging. Er hat zwar immer noch Angst, irgendwann mal nichts mehr zu tun zu haben, aber aktuell hat er bei uns im Haus noch genĂŒgend Aufgaben, die er mit viel Liebe erfĂŒllt. Dadurch, dass er fast tĂ€glich zum Arbeiten da ist, sieht er auch Nr. 12 hĂ€ufig und bekommt die Weiterentwicklung hautnah mit. Die beiden haben eine innige und vertrauensvolle Beziehung, sodass wir Nr. 12 auch öfter mal bei ihm lassen können, wĂ€hrend wir Baustoffe die Treppe hoch schleppen. Die beiden schauen uns dann interessiert zu oder spielen etwas, je nachdem wie Nr. 12 drauf ist. Meistens möchte Nr. 12 nĂ€mlich bei uns sein, so nah wie möglich und beide dĂŒrfen wir nicht gleichzeitig gehen und an manchen Tagen darf K. sich ĂŒberhaupt nicht entfernen. Aber mit Kind aufs Klo gehen haben wir schon seit Januar geĂŒbt und alles Mögliche mit einer Hand erledigen sowieso. Anstrengend ist das oft, aber wir möchten unserem Kind seine BasisbedĂŒrfnisse (NĂ€he, Stillen, Schlafen) so gut es geht erfĂŒllen, weil wir glauben, dass es dann sicherer und glĂŒcklicher durch die Welt geht. NatĂŒrlich heißt das nicht, dass wir ihr* jeden Wunsch erfĂŒllen, da wir ja auch unsere eigenen Grenzen haben, aber ihre* BedĂŒrfnisse gehen aktuell nun mal vor, da sie* sie sich schlicht noch nicht selbst erfĂŒllen kann. Dieses viele „Geben“ ist auch nicht in ein schwarzes Loch aus dem nichts zurĂŒck kommt, sondern geht in den Tank eines unermĂŒdlichen Weltentdeckungsmotors. Nr. 12 kooperiert auch ganz viel mit uns und reißt sich zusammen und wartet, wenn sie kann. Bestes Beispiel ist die Hinfahrt nach Schweden: bis auf die letzten 20 Minuten hat sie* wirklich alles klaglos ertragen, und das war schon fĂŒr uns Erwachsene richtig viel und sehr anstrengend. Auf der RĂŒckfahrt hatte sie nicht mehr ganz so viele Reserven und hat sich deshalb im Auto öfter und vehementer beschwert. Aber auch da hat sie alles gegeben an Kooperation, was sie nur konnte. Das finde ich eine enorme Leistung fĂŒr so ein kleines Kind, das ja noch gar nicht verstehen kann, warum man nun den ganzen Tag so viele anstrengende neue, komische, beĂ€ngstigende Dinge tut. Wir glauben, dass diese Kooperation nur möglich ist, weil wir eben auch mit ihr kooperieren.

Aber ich bin vom Opa abgeschweift. Nr. 12 hat zu den vier Großeltern, die von K.s Seite stammen (durch Scheidung der leiblichen Eltern und neue Partner*innen, die zu zusĂ€tzlichen Eltern fĂŒr K. wurden) ein gutes VerhĂ€ltnis. Wir treffen uns regelmĂ€ĂŸig und alle sind ehrlich bemĂŒht das kleine Wunder als Mensch kennenzulernen und fĂŒhlen sich in ihrer Großelternrolle wohl. Da zu M.s Eltern sowieso ein angespanntes VerhĂ€ltnis besteht und diese auch nicht in der NĂ€he wohnen, hat Nr. 12 zu ihnen keinerlei Beziehung. Sie waren drei Mal zu Besuch und ab und zu wird geskypt. Mehr brauchen wir Erwachsenen aber auch nicht. Deshalb ist es alles gut so, wie es ist.

Was ist fĂŒrs neue Jahr geplant? Das Haus soll weiter – vielleicht fertig? – renoviert werden. Eventuell (wenn alles gut lĂ€uft) macht sich im Laufe des Jahres ein zweites Kind auf den Weg (diesmal in M.s Bauch). Und auf jeden Fall werden wir von Nr. 12 wieder ganz viele Dinge lernen und gespiegelt bekommen.

Wir wĂŒnschen euch allen ein gesundes und glĂŒckliches Jahr 2018!

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2 Gedanken zu “2017: Von Aww bis Zeichensprache

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