Vom Einfinden in der Elternrolle

Am dritten Januar hat sich unsere Welt auf den Kopf gestellt. Plötzlich war da dieses einmalige, neue, nie dagewesene einzigartige Wesen in unseren Armen. Und wir hatten plötzlich die Verantwortung für ein Leben. Das ist eine sehr überwältigende Aufgabe, aber auch eine sehr schöne. Plötzlich schien es nicht mehr wichtig, was mit uns Erwachsenen ist – alles was zählte, war das Wohlergehen dieses kleinen, noch hilflosen Menschleins.

Mittlerweile ist unser kleines Wunder nicht mehr so hilflos. Sie* kann sagen, was sie* braucht, kann auch mal alleine spielen und stillt und schläft nicht mehr dauerhaft, sondern in größeren Abständen. Nach etwa drei Monaten war es an uns, auch wieder an uns selbst zu denken und aus der „Wolke“ des Funktionierens und Kennenlernens aufzutauchen und unseren Elternplatz zu finden. Welche Rolle möchte und kann wer von uns ausfüllen? Was finden wir wichtig? Was findet unser Kind wichtig?

Dieser Prozess wird natürlich nie enden, aber ich möchte ihn hier einmal knapp skizzieren:

Meine Frau hat unser Kind geboren und ist durch das Stillen in der Rolle der Nahrungsquelle und ist außerdem der Sicherheitshafen und die Nummer eins des Kindes. Zu Beginn habe ich (M.) versucht, Handlungen meiner Frau zu kopieren, um auch für unser Kind „da zu sein“. In vielen intensiven Gesprächen habe ich verstanden, dass das nicht möglich ist und auch nicht das, was unser kleines Wunder braucht. Meine Rolle ist eine andere: ich gebe auch Sicherheit; ich bringe unser Kind verlässlich zu meiner Frau, wenn es das wünscht; ich albere herum; ich mache Quatsch; ich trage; ich rede zum Einschlafen so eintönig, dass das Kind sich beruhigt und einschläft und vieles mehr. Was ich nicht bin, ist die Anlaufstation bei großer Panik oder Still-Nähebedürfnis. Das hat mir am Anfang weh getan und das Gefühl vermittelt, ich sei unwichtig für unser Kind. Aber das ist nicht so. Ich bin wichtig. Sie* freut sich wie Bolle, wenn ich von der Arbeit komme, „flüchtet“ sich vor Fremden auch in meine Arme, erzählt mir, was sie* erlebt hat und vieles mehr.

Das Elternsein ist für mich viel komplizierter und anspruchsvoller, als ich es mir je vorstellen konnte. Aber es ist echt so: ein einziges sooooo süßes Lächeln von unserer Kleinen*, das Strahlen in ihren* Augen, wenn sie* etwas entdeckt oder sich über etwas freut, das gemeinsame Welt entdecken (Waldameisen haben Haare am Po!!!) oder ein liebevolles Lächeln meiner Frau entschädigen für jeglichen Schlafmangel oder Stress. Es ist alles anders und doch ist da diese große Liebe, die wir auch schon zu zweit hatten. Ich hätte mir nie vorstellen können, noch einen Menschen auf der Welt so sehr (wenn auch natürlich auf andere Art) lieben zu können, wie meine Frau – und mein Herz hat einfach den Platz erweitert, sodass unser kleiner Sonnenschein mit auf einer Stufe sitzt. Ich bin überglücklich, dass wir das Abenteuer Leben zu dritt erleben dürfen!

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6 Gedanken zu “Vom Einfinden in der Elternrolle

  1. So ein neues Leben ist schon überwältigend immer gebraucht zu werden und immer da sein zu können und zu müssen hat seine wunderschönen gleichzeitig anstrengenden Seiten es ist nie leicht und man braucht Zeit sich einzufinden. Freut mich das ihr beide euch so gut abstimmen konntet. Auch wir haben manchmal immer noch unsere Probleme und manchmal würde ich auch einfach lieber schlafen als zu stillen 😀 aber am Ende ist es das doch alles wert wenn man dieses kleine lächeln sieht.
    Liebe grüße und weiterhin viel erfolgt
    Saskia

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    • Ja, manchmal würde ich auch lieber schlafen, oder einfach mal auf der Couch rumlümmeln und eine Serie schauen, statt das Kind durch die Kälte zu tragen – aber sie ist so klein und hilflos und ich sage mir dann immer, dass ihre Bedürfnisse (meist) schwerer wiegen, weil sie sich nicht selbst um deren Erfüllung kümmern kann und weil ich nicht möchte, dass sie eine rücksichtslose und unglückliche Erwachsene wird, die nicht genug Liebe und Beachtung bekam, als sie sich noch nicht in andere Menschen hineinversetzen konnte.

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  2. Liebe M., sehr schön beschrieben, da habe ich mich ja in vielem wiedergefunden. 🙂 Meine Frau dachte anfangs, wir könnten eine wirkliche Gleich-verteilung- und gleiche Bindung herstellen, aber das hat sich als nicht realisierbar herausgestellt bzw. auch nicht kindgerecht. Denn dem Baby gefällt es z.B. nun mal nicht, unmittelbar nach dem Stillvorgang von Mamas Brust weggenommen zu werden, nur weil die andere Mutter jetzt „dran“ wäre. Es will auch kuscheln und verweilen und nicht immer nur weitergereicht werden. Das kapiert man aber ziemlich schnell. 😀 Wir haben jetzt auch unterschiedliche Aufgaben und Schwerpunkte, und versuchen dabei trotzdem, jede auf ihre Art, die Beziehung zu unserem Kind wachsen zu lassen.

    Gefällt 1 Person

      • Wir sind vor fast vier Wochen umgezogen, leider in ein noch nicht fertiges Haus. Langsam wird es jetzt ein bißchen wohnlich. Leider haben wir noch kein Internet und wohnen außerdem in einem Funkloch wo auch der mobile Empfang grottig ist. So komme ich leider wenig zum Schreiben. Alles in allem geht es uns jetzt gut – wobei ich die Kombi Wochenbett, Hausmodernisierung und Umzug jetzt nicht unbedingt zum Weiterempfehlen finde. 😬

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