8-10 Wochen alt

Mit etwas Verzögerung folgen hier nun die gesammelten Erlebnisse der letzten drei Wochen, die so vollgepackt waren, dass wir einfach nicht zum Schreiben kamen:

In der achten Lebenswoche haben wir festgestellt, dass die Zitterattacken (die uns geburtsbedingt begleitet hatten) weitestgehend aufgehört haben. Das war eine große Erleichterung, da sie immer zu Panik bei der Kleinen geführt haben.

Außerdem hat unser kleines Wunder angefangen, sich aktiv vom Rücken auf die Seite zu drehen. Dafür hampelt und strampelt sie wild rum, spannt ihren ganzen Körper an und lässt sich dann zur Seite kippen. Dort freut sie sich dann saumäßig über ihren Erfolg. Zu süß! Und wenn sie sich freut, dann quietscht sie gerne. Das passiert zum Beispiel auch auf dem Wickeltisch, wenn das Mobile sich bewegt. 🙂

Unser kleiner Mensch wurde in dieser Woche auch zum ersten Mal so richtig von einem der drei Oma und Opa Paare bespielt. Da wurde viel gelacht (mit und ohne Zähne 😉 ) und das Kind fairerweise in sowohl Handball als auch Fußball „eingeführt“ ;-P Dafür bewegte ein Großelternteil einen Ball immer wieder an Hand oder Fuß der Kleinen, die dem Ball fasziniert hinterher schaute und sich sehr mit den Großen mitfreute.

Ein weiteres Highlight der Woche war M.s erstes Fußballspiel mit ihren zwei Lieblingszuschauerinnen. Dazu haben wir am Tag vorher extra erstmals das Stillen im Tragetuch ausprobiert. Lief ganz gut, konnte dann wegen des Wetters beim Spiel doch nicht angewandt werden. Unser Kind hat immer noch einen sehr großen Stillbedarf. Sie möchte ungefähr alle 1,5-2,5 Stunden (tags wie nachts) Nachschub. Wir vermuten dass es an ihrer Magenkapazität (die ja in dem Alter noch nicht soooo groß ist) gepaart mit ihrem hohen Verbrauch durch Rumgezappel und Turnen liegt. Schließlich verbraucht sie beim Strampeln, bei den Kniebeugen und den ständigen Situps ordentlich Energie.

K. hat sich diese Woche auch zum ersten Mal wieder ins Fitnessstudio getraut. Nach vorheriger Rücksprache mit der Hebamme, hat sie sich in einen Kurs getraut mit Langhantelstange. Dort hat sie natürlich nur das kleinste Gewicht aufgelegt und sich, wie von der Hebamme erklärt, hauptsächlich auf ihren Beckenboden und die korrekte Bewegungsausführung konzentriert. Der Muskelkater hielt sich deshalb auch in Grenzen, kognitiv war sie allerdings nach den knapp 60 Minuten völlig ausgelaugt. 🙂

In der neunten Lebenswoche hat unser kleiner Sonnenschein begonnen „Sätze“ zu lautmalen. Es ist total mega hammer süß, wenn sie ganz lange Tonketten mit Aufs und Abs und laut und leise „erzählt“ und uns dabei gebannt beobachtet. Wir können uns jetzt also mit ihr richtig unterhalten 😉 Es ist sooooo süß und macht riesigen Spaß.

Wir haben diese Woche auch begonnen die ersten Zeichensprachezeichen in unsere Konversationen mit ihr einfließen zu lassen. Dazu haben wir uns ein gebrauchtes englisches Buch mit amerikanischer Zeichensprache gekauft (war deutlichst günstiger als die deutsche Literatur), welches uns kurz erklärt hat, dass sie aktuell anfängt uns zu beobachten. Außerdem ist sie nun fähig Töne und Handlungen zu verknüpfen und kann sich sprachlich ganzheitlicher entwickeln, da mehrere Lernkanäle angesprochen werden (auditiv übers Sprechen, visuell über die Zeichen und sobald sie antwortet noch tentativ über die eigenen Bewegungen). Wir wissen nun, dass sie ab dem 7. Monat potentiell mit Zeichen antworten kann, kann aber natürlich auch länger dauern. Wir möchten mit ihr ein paar einfache Zeichen benutzen, um die Kommunikation zu vereinfachen und die Frustration beider Seiten zu verringern. Zudem interessiert es uns brennend, was in ihrem Kopf vorgeht, und das könnte sie uns mit Zeichen mitteilen, sobald sie fähig ist, ihre Hände ausreichend zu koordinieren. Als Förderprogramm sehen wir das Ganze nicht an.

Wir haben in unserer Neugierde auch schon viele Zeichen nachgeschaut, die über die ersten empfohlenen Zeichen (Milch, mehr, fertig, Windeln wechseln, schlafen, Buch, essen) hinausgehen. Für uns war am wichtigsten das Zeichen für Kaffee ;-P Dabei sind wir auch auf die Idee gekommen, dass wir für uns selbst zwei verschiedene Zeichen benutzen könnten, sodass wir vom Wort her gleich heißen, nämlich „Mama“, aber das Zeichen ein unterschiedliches wäre. So geben wir ihr die Möglichkeit, zwischen uns zu unterscheiden, ohne das Wort zu verändern.

Diese Woche haben wir uns mit Bekannten getroffen, die ein fast gleichaltriges kleines Kind haben. Wir haben einen Spieleabend veranstaltet und uns sehr über die zwei Spielerunden gefreut, die wir in den vier Stunden geschafft haben 😉 Es waren sehr viele Unterbrechungen im Spiel, sodass wir echt froh waren, dass wir mit Menschen spielen konnten, die selbst auch nicht merken, wie langsam und langatmig das Spiel eigentlich gerade ist. Wir sind jedenfalls voll auf unsere Kosten gekommen.

Am nächsten Morgen ging die Action-reiche Woche dann auch direkt mit einem Brunch bei einer Kollegin aus der Schule weiter. Es war total cool die Kolleginnen* außerhalb der Arbeit zu sehen und die Zeit mit ihnen so genießen zu können. Wir waren fast den ganzen Tag dort und haben uns intensiv bespielen lassen und lustige Geschichten von den Kindern der Kolleginnen* angehört.

Auch der Notarbeurkundungstermin des Stiefkindadoptionsantrags (ein drittes langes Wort für diesen Satz fällt mir leider nicht ein 😉 ) fiel in diese Woche. Es war eine Sache von fünf Minuten und wenig spektakulär, dafür aber sehr erleichternd, da wir nun einen wichtigen Schritt weiter auf dem Weg zur Absicherung unseres Wunschkindes sind. Jetzt müssen wir darauf warten, dass das Jugendamt Kontakt zu uns aufnimmt. Bis dahin müssen wir noch die Lebensberichte fertigstellen und zwei Referenzberichte für M. besorgen. Mal sehen wer uns die schreiben wird. Der Notar* hat uns noch mal erzählt, dass in unserer Stadt die Stiefkindadoptionsanträge von Wunschkindern in gleichgeschlechtlichen Beziehungen nach 6-12 Monaten durch sind. Das war halbwegs beruhigend, auch wenn uns das natürlich trotzdem viel zu lange dauert.

Zum ersten Mal hat diese Woche jemand den „sie sieht dir so ähnlich“ Spruch gesagt. Zu K. 🙂 Darüber haben wir uns köstlich amüsiert! 😉

Die zehnte Woche wurde von der ersten Impfung eingeläutet. Das war zu Beginn eine witzige Angelegenheit, da unser kleines Wunschkind den Arzt* veräppelt hat. Der* wollte ihr nämlich die Schluckimpfung verabreichen. Sie fand aber seinen Schnauzbart so faszinierend, dass sie statt zu schlucken, lieber ihn beobachtet und angelacht hat. Er musste sich dann lauter lustige Sachen einfallen lassen, um sie zum Schlucken zu bewegen. Das hat ihr großen Spaß gemacht. 🙂 Danach war sie allerdings nicht mehr zu Scherzen aufgelegt. Über die zwei Spritzen war sie sehr empört! Der Arzt* hat uns dann noch geraten, sie die nächsten 24 Stunden viel herumzutragen, da die meisten Kinder nach Impfungen ein erhöhtes Nähebedürfnis haben. Ist ja auch beängstigend, was da plötzlich im Körper passiert. Da wir ja sowieso ausschließlich tragen, war das keine große Umstellung für uns, aber ein guter Hinweis, da wir nicht groß andere Beruhigungsmethoden probiert haben in den 24 folgenden Stunden, sondern die Kleine einfach bei Unwohlsein direkt ins Tuch gepackt haben. Das war ein etwas anstrengender Tag, aber ohne Fieber oder andere Widrigkeiten.

Ihre erste Erkältung hat sie sich diese Woche auch eingefangen. Das ist echt herzzerreißend! Sie hat leider Schnupfen und bekommt schlecht Luft. Nase absaugen ist auch nicht so beliebt – gelinde gesagt – sie hasst es.

Aber trotz Erkältung und damit verbunden mehr Schlaf und etwas weniger Turnen, erkundet sie munter weiter die Welt. Diese Woche ist die Taschentuchpackung ihr Favorit. Sie hat sie schon intensiv abgelutscht, mit ihren Händchen auf dem Tisch hin und her geschoben und versucht sie seit heute gezielter zu greifen. Das klappt noch nicht ganz, aber sie macht jeden Tag einen Schritt weiter Richtung „zugreifen“. Sie hält sich auch gerne an unseren Haaren fest oder am T-Shirt.

Ihr erstes Bilderbuch wurde ihr diese Woche von Oma „vorgelesen“. Da war sie total fasziniert und hat es versucht abzutasten.

Eine Kuriosität haben wir bei der Friseurin* unseres Vertrauens erlebt, wo wir zum ersten Mal nach der Geburt waren. Eine andere Kundin hat erst gefragt, wie alt unser Töchterchen ist, um dann nachzufragen, ob es nicht doch ein Junge ist, da sie ja blau anhatte „und das verwirrt total“ (Zitat!). Wir haben dann erklärt, dass blau eine schöne Farbe ist und nichts über die Geschlechtsteile unseres Kindes aussagt. Dieses ständige blau-Thema hat uns in unserer Meinung gefestigt, dass wir einem zweiten Wunschkind, sollte es mit Penis geboren werden, DEFINITIV rosa anziehen werden! Und wenn unser(e) Kind(er) sich ihre Kleidung selbst aussuchen können, werden wir ihnen alles mögliche anbieten, damit sie sich so kleiden können, wie es ihnen gefällt und nicht ausschließlich (und von uns vorgegeben) so, wie es irgendwelchen Geschlechts-Stereotypen entspricht. Es ist total verrückt, dass Kinder heutzutage so reduziert werden auf zwei Farben und auf krasse männlich-weiblich Schemata. Da gibt es nur „süße Prinzesschen“ und „wilde Rabauken“. Schrecklich! Wir hoffen, dass unser Kind auch mit Vagina wild sein darf (wenn sie das möchte)! Bei uns zu Hause darf sie das, was die Draußen-Welt (Kindergarten, Schule, Vereine etc.) macht, werden wir gespannt beobachten.

Etwas schöner war dagegen das Erlebnis, dass uns eine Bekannte fragte, wem von uns sie denn nun ähnlich sehe 😉 Das war ein schönes ‚ihr seid genauso normale Eltern, wie die Heteros auch‘-Signal. Hat gut getan. 🙂

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2 Gedanken zu “8-10 Wochen alt

  1. Das klingt schön bei euch! Toll, dass die Kleine so fröhlich ist.

    Bei uns wird auch ganz oft gesagt, wie ähnlich die Kleine meiner Frau sieht. Das ist immer sehr lustig und wir amüsieren uns darüber. Außerdem ist es schon ganz oft passiert, dass wir über irgendwas philosophiert haben und Familie/Freunde/Bekannte dann sagen: „Ja, aber das habt ihr ja beide auch nicht.“ Oder so ähnlich. Die meisten merken es kurz danach, manche aber gar nicht. Ich finde das schön 🙂

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