Geburtsbericht

Die Geburt unserer Tochter begann am errechneten Termin (2. Januar) kurz nach Mitternacht, als wir gerade schlafen gehen wollten, mit Wehen. Diese waren noch ganz gut auszuhalten, aber für mich (K.) war an Schlaf nicht mehr zu denken. M. ist eine Weile mit mir wach geblieben, wir haben noch etwas gegessen und als die Wehen nach einigen Stunden immer noch nicht häufiger oder heftiger wurden, konnte ich sie überzeugen, dass wenigstens sie sich ein bisschen Schlaf holt. Da es der errechnete Geburtstermin war, hatten wir an diesem Tag vormittags Termin zur Kontrolle bei der Frauenärztin, wo wir dann trotz Wehen hingegangen sind, weil die Wehen immer noch nicht krankenhausreif waren und wir uns davon Informationen zur Art der Wehen (es hätten ja auch noch Vorwehen oder ähnliches sein können) und natürlich, ob es dem Baby gut geht, erhofften. Das CTG zeigte dann alle zehn Minuten Wehen und super Herztöne und Aktivitäten des Babys. Die Ärztin stellte fest, dass der Muttermund einen Zentimeter geöffnet war und nahm eine Eipollösung vor, was die Wehen fördern und die Geburt beschleunigen soll. Den Rest des Tages verbrachten wir zu Hause mit Vorbereitungen für das Baby (nicht dass nicht eigentlich schon seit Wochen alles bereit war, aber was sollten wir sonst tun? 😉 ) und nebenbei Wehen veratmen. Leider wurden die Wehen den ganzen Tag lang trotz aller Versuche mit wehenfördernden Hausmitteln einfach nicht stärker bzw. häufig genug, dass sie uns im Krankenhaus nicht wieder nach Hause geschickt hätten. 

So gegen Mitternacht war es dann endlich soweit, dass wir dachten, die Wehentätigkeit ist krankenhausreif, woraufhin wir uns auf den Weg machten. Dort angekommen, ließen die Wehen natürlich wieder nach (das ist wohl häufiger so wegen Adrenalin etc.). Die diensthabende Ärztin kannte ich auch schon von meinem Aufenthalt im Krankenhaus zu Beginn der Schwangerschaft und die Tatsache, dass sie mir damals schon nicht sonderlich sympathisch war und uns direkt mit „wie weit wohnen Sie denn entfernt, Sie sehen viel zu entspannt aus für Geburtswehen“ begrüßte, war wohl auch nicht gerade wehenfördernd… Trotzdem wurde ich untersucht und der Befund war dann entgegen ihrer Erwartung mit 3cm geöffnetem Muttermund so, dass wir bleiben durften. Um die Wehen wieder anzukurbeln, tigerten wir erstmal über eine Stunde durchs Krankenhaus. Wieder zurück am Kreißsaal mit wieder etwas häufigeren Wehen wurde ein erneutes CTG gemacht und wir daraufhin ins sogenannte Wehenzimmer zum nach Möglichkeit etwas ausruhen geschickt. Zu diesem Zeitpunkt waren wir schon ca. 44h wach, weswegen wir tatsächlich irgendwann vor Erschöpfung einschliefen. In diesem Moment der Entspannung (gegen halb 5) platzte die Fruchtblase, und ab diesem Zeitpunkt wurde es deutlich schwieriger, mit den Wehen umzugehen. Kurze Zeit später (und nachdem Hebamme und Ärztin Schichtende hatten und wir neue Betreuungspersonen bekamen) ging es in den Kreißsaal, wo ein 6-7cm geöffneter Muttermund festgestellt wurde. Die letzten Zentimeter Öffnung gingen dann halbwegs schnell, wobei ich am Ende schon ziemlich starken Pressdrang hatte, dem ich aber nicht nachgeben sollte, was mir jedoch absolut nicht gelang… Gegen 8 Uhr war der Muttermund dann vollständig geöffnet und uns wurde Hoffnung gemacht, dass die Geburt wahrscheinlich eine Stunde später geschafft sein würde.

Leider lief es ab diesem Moment nicht mehr so wie von allen erwartet, denn es ging irgendwann einfach nicht mehr voran. Zwischendurch wurde festgestellt, dass unser Baby sich mit dem Gesicht in Richtung meines Bauchs gedreht hatte statt umgekehrt (das nennt sich „Sterngucker“ oder medizinisch „hintere Hinterhauptslage“ und verursacht aus anatomischen Gründen einen deutlich größeren notwendigen Durchmesser für die Geburt). In dieser Phase war ich völlig am Ende. Zum Glück wurden wir nicht gefragt, ob sie einen Kaiserschnitt machen sollen, denn ich hätte definitiv „ja“ dazu gesagt, obwohl vorher mein größter Wunsch für die Geburt darin bestand, wenn sie auf die Welt kommt bei Bewusstsein zu sein und zum besagten Zeitpunkt nur noch eine Vollnarkose möglich gewesen wäre. Irgendwann wurde der diensthabende Oberarzt hinzu gerufen, der dann auch bis zum Ende bei uns blieb. Hebamme und Arzt beschlossen, dass es vielleicht mit Hilfe eines Wehentropfs noch eine Chance auf natürliche Geburt gäbe. Das Mittel sollte nicht die Wehen an sich verstärken, sondern deren Effektivität erhöhen. Dem stimmten wir zu, obwohl ich nicht dachte, dass ich noch irgendetwas aushalten könnte. Wie die ganze Zeit schon hat M. mich unglaublich unterstützt, hat zum Beispiel dafür gesorgt, dass ich zwischendurch trinke und mir immer wieder Traubenzucker in den Mund gesteckt. Und vor allem hat sie mir auf irgendeine Art ihre Kraft mit zur Verfügung gestellt, ohne die ich es definitiv nicht geschafft hätte. M. sagt, sie fühlte sich währenddessen völlig hilflos und überflüssig, aber ohne sie hätte ich das alles weder körperlich noch mental durchgestanden.

Zum Glück waren die Herztöne unseres Babys die ganze Zeit über super, sodass wir uns immerhin nicht auch noch Sorgen um die Kleine machen mussten. Sie muss sehr stark sein, auch der Arzt sagte hinterher, dass eine solche Geburt von wenigen Babys so gut überstanden wird.

Dank des Wehenmittels ging es auf einmal wieder Millimeter für Millimeter weiter, und die Erleichterung der Hebamme und des Arztes darüber setzten in mir irgendwelche letzten Kraftreserven frei und die vorherige Resignation war verschwunden. Um ihr den Durchgang zu ermöglichen, ist dann noch ein bisschen was gerissen, an anderen Stellen musste geschnitten werden, bis letztendlich ausreichend Platz vorhanden war. Auch der Arzt drückte von oben mit und die Hebamme sorgte dafür, dass sich der Kopf in der bestmöglichen Position befand. Der Rest des Körpers kam dann zum Glück relativ schnell.

Um kurz vor halb 12 kam endlich unsere Tochter zur Welt. M. sagt, sie hat sofort geatmet, noch bevor sie komplett geboren war. Den Moment, in dem sie vor mir lag, werde ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen. Ich wollte sie aufnehmen, mein Körper hat aber seinen Dienst versagt, woraufhin die Hebamme sie mir auf die Brust legte, die Kleine mich anschaute und ich sie zum ersten Mal an meine Brust anlegte (oder eher sie sich selbst). Sie war so klein und doch so unglaublich stark, diese Momente werde ich für immer in meinem Herzen tragen.

M. durfte dann die Nabelschnur durchtrennen. Anschließend nähte der Arzt alles an mir wieder zusammen, was ich allerdings fast nicht wahrgenommen habe. Später wurde unsere Kleine kurz untersucht und M. konnte sie ebenfalls auf den Arm nehmen.

Auch wenn sich alles noch so unwirklich anfühlte so unmittelbar nach der Geburt, haben wir uns beide sofort in sie verliebt. Sämtliche vorherigen Zweifel, ob wir sie mögen würden, ob wir es irgendwie bereuen könnten, sie bekommen zu haben,… waren sofort und endgültig vergessen. Es ist ein verrücktes Gefühl, zu wissen, dass wir diesen Menschen für immer lieben werden, obwohl wir noch gar nicht wissen, wer dieser Mensch überhaupt ist. Wir freuen uns unendlich, sie bei uns zu haben und sind so gespannt darauf, sie kennenzulernen.

Leider haben sowohl unsere Kleine als auch ich immer noch ein paar Probleme aufgrund der schweren Geburt. Meine Verletzungen werden von Tag zu Tag besser, und irgendwann wird nichts mehr davon zu spüren sein. Was für uns alle im Moment schlimmer ist, ist dass unsere Tochter extrem schreckhaft ist und oft regelrechte Zitterattacken bekommt von der Geburt. Die Kinderärztin sagte, das würde wahrscheinlich noch ca. 6 Wochen so bleiben. Wir hoffen, dass sie das bald überwunden hat und es ihr dann so richtig gut geht. Wir versuchen, ihr dabei durch Kuscheltherapie zu helfen.

Heute ist unser Wunder zehn Tage alt. Wir lernen sie jeden Tag besser kennen und freuen uns so darauf, mit ihr die Welt zu entdecken! Die Zeit ist bisher noch anstrengender als wir uns vorher vorstellen konnten, aber gleichzeitig so voller Glück und Freude, dass wir es uns schon gar nicht mehr ohne sie vorstellen können. 

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3 Gedanken zu “Geburtsbericht

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