Jahresrückblick 2016

Total verrückt, auf das Jahr 2016 zurück zu blicken!

Der Jahresanfang scheint ewig her zu sein. Da war noch alles ganz anders. Aber von vorne:

Zu Beginn des Jahres waren unser Spender und damit auch unsere bereits befruchteten und kryokonservierten Blastozysten „gesperrt“. Das war zu dem Zeitpunkt schon etwa drei Monate lang so und wegen der erzwungenen Untätigkeit nicht so einfach zu ertragen. Wir beschlossen deshalb mit der Suche nach einer Immobilie zu beginnen. Dazu mussten wir zuerst entscheiden, welche Form von Immobilie zu uns passen würde und dann, welchen finanziellen Rahmen dieselbe haben dürfte. Die Kombination aus alleinstehendem Haus auf Eigentumsgrundstück in Stadtnähe und unseren finanziellen Möglichkeiten, schloss sehr schnell einen Neubau aus, da in unserer (zwar kostengünstigen) Stadt die Grundstückspreise für uns (dennoch) nur noch eine Gartenlaube als Haus erlaubt hätten. In unserer Preiskategorie gab es sehr wenige Immobilien zu haben, und davon sagte uns rein optisch auch nur eine einzige zu. Dieses schöne Häuschen haben wir dann als erstes (und einziges 😉 ) spontan mal besichtigt. – Wir gingen davon aus, dass die Suche nach einer Immobilie Jahre dauern würde und wir schließlich irgendwann damit beginnen müssten. – Zum Glück konnte K.s Vater uns bei der Besichtigung begleiten und sein Fachwissen beisteuern. Kurz: Wir fanden das Haus sehr sympathisch, K.s Vater befand die Bausubstanz für sehr gut und so kauften wir unser Häuschen. Die Kernsanierung, die es nötig hat, haben wir unter K.s Vaters Regie in Eigenleistung begonnen und sind tatsächlich Ende Juli in der oberen (fertigen) Etage unseres eigenen Hauses eingezogen. Das fühlt sich sehr spießig und erwachsen und alt an, da in unserer Wahrnehmung nur „alte“ Leute sowas wie ein Haus haben. Dazu führt es uns unseren relativen Wohlstand jeden Tag vor Augen, sodass wir uns andauernd darüber freuen, wie gut es uns finanziell geht. Wir sind sehr dankbar für den Wohlstand, der hier möglich ist.

Das war viel Arbeit von April bis jetzt.
Das war viel Arbeit von April bis jetzt.

Auf den Jahresbeginn fällt auch ein Ärztin*wechsel bei der Klinik in Barcelona. Wir haben seit Anfang März eine neue, uns betreuende, Ärztin, die auch sehr nett ist. Mit ihr lief die Kommunikation ebenso gut wie mit unserem vorherigen Arzt. Sie unterstützte uns darin, einen Transfer zu wagen, obwohl der Spender (übrigens noch immer) gesperrt ist. Die Argumentation ist, dass die Wahrscheinlichkeit einer schweren Erbkrankheit, die dann auch noch bei uns vorhanden sein müsste, so gering ist, dass das Risiko genauso hoch sei, wie bei jedem anderen Spender, der bisher nur gesunde Kinder gezeugt hat. So entschlossen wir uns zu unserem nächsten Transferversuch am 15.04.2016. Und nun sind wir mit diesem kleinen Wunder bereits in der 40. Schwangerschaftswoche! 😀 Wir warten gespannt darauf, für welches Jahr sie sich als Geburtsdatum entscheidet. Es ist wirklich spannend jetzt am Ende. 😉

Der Beginn der Schwangerschaft war geprägt von Bangen und Hoffen, da K. Blutungen hatte und in der 13. Woche deshalb sogar ins Krankenhaus musste. Seit die Blutungen gänzlich aufgehört haben, ist die Schwangerschaft aber unbeschwert und schön. Wir haben die ersten Berührungen und Geräusche gemeinsam genossen und so die Vorfreude auf unser kleines Wunder stetig gesteigert. Wir freuen uns, sie bald in unsere Arme schließen zu können, sie bestaunen zu können und sie ganz fasziniert zu beobachten.

Mit der Schwangerschaft haben wir auch die Frauenärztin gewechselt und sind seitdem überglücklich und fühlen uns sehr gut aufgehoben und umsorgt. Auch M. hat als Patientin dorthin gewechselt. So sind wir in einer Praxis und rundum zufrieden.

Unschwanger (links) bis 40. SSW (rechts)
Unschwanger (links) bis 40. SSW (rechts)

Am Tag nach unserem Umzug ins Eigenheim sind wir in den lang ersehnten Urlaub geflogen und konnten endlich gebührend ausschlafen und entspannen. Dort konnte M. auch zum ersten Mal die Herztönchen mit ihrem Ohr an K.s Bauch hören.

Im Urlaub war auch endlich wieder Zeit zum Lesen. Da M. Lehrerin ist und sich gerne weiterbildet, hat ihr die Zeit dazu besonders schmerzlich gefehlt. Diesen Sommer wählte sie als Thema „Empathie“ und wie diese geübt werden kann. Das Thema lag ihr am Herzen, da sie viele liebe Schüler*innen hat, die sich nicht in andere hineinfühlen können, obwohl sie herzensgute Menschen sind. Die Lösung fand sich in einem Buch von Helle Jensen, bei der M. dann auch eine Fortbildung zu genau diesem Thema besuchte. Es war die beste Fortbildung, die sie bisher belegt hat! Seit dem Schuljahresbeginn 2016/2017 übt sie fleißig mit den Kindern und hat sowohl bei sich als auch bei ihnen beachtliche Erfolge erzielt. Viele können jetzt besser in Worte fassen, wie es ihnen gerade geht (vorher war die Standardantwort „normal“) und oftmals rechtzeitig Bescheid geben, wenn ihnen etwas zu viel wird und sie nicht mehr können (vorher sind sehr oft Tische, Fäuste oder Schimpfworte geflogen, seitdem wird das sehr viel seltener). Dasselbe gilt für M., die sich viel bewusster macht, wie es ihr in stressigen Situationen geht und deshalb viel öfter ruhig bleiben kann oder die Situation so verändern kann, dass sie gelassener ist.

Dieses neue (Selbst-)Entwicklungsgebiet hat auch M.s Job gerettet, den sie Anfang des Jahres kündigen wollte. Die Chef*etage an der neuen Schule ist so schrecklich, M. so eingeschränkt in ihrer Arbeit und der Stress bringt viele Kolleg*innen, so wie auch M., an die Grenze zum Burnout. Und da für uns der Job nicht das Leben zerstören soll, hat M. mit dem Gedanken gespielt (ihren Traumjob als Lehrerin) zu kündigen, um sich selbst zu schützen. Der neue Fokus und eine Umstrukturierung in der Schule, lassen den Job dieses Schuljahr erträglicher sein. Aber auf Dauer möchte sie nicht so ausgebeutet werden. Mal sehen, wann eine Versetzung möglich wird, denn dass es anders geht, hat M. schon erlebt. Ziel ist es, an einer Schule arbeiten zu dürfen, an der Kolleg*innen ihre ganze Kraft in die Schüler*innen legen dürfen und nicht in Verteidigungsk(r)ämpfe gegen die Führungsetage. Kein Kind hat weniger als das verdient!

Für K. endet 2016 im Mutterschutz. Die anfängliche Angst, dann ganz gelangweilt zu Hause zu sitzen, hat sich schnell erübrigt, da ihr Vater (unser Kernsanierungsleiter), nimmer müde ist und selbst nach Herzinfarkt und mit gebrochener Rippe unbedingt am Haus weiter arbeiten möchte. Und das obwohl wir viel lieber wollen, dass er auf seine Gesundheit achtet und Pause macht, weil das Weiterarbeiten für uns gar nicht so dringend ist. Wir haben es sogar mit emotionaler Erpressung versucht, aber er „will nicht hören“ und so akzeptieren wir seine Entscheidung. Bei den Arbeiten hat K. ihm geholfen, so gut sie konnte und nebenher ganz viele Dinge organisiert und vorbereitet für die Ankunft unseres kleinen Wunders. So hatte sie auch genug Bewegung, obwohl sie seit der 12. Schwangerschaftswoche schon keinen Sport mehr treiben darf.

M. dagegen hat weiter Freeletics gemacht und ein neues, ungeahntes Fitnessniveau erreicht. Die Rumpfstabilität sowie die (vorher unbekannten) Rücken- und Schultermuskeln sind auch im Alltag sehr hilfreich, sodass langes Stehen nicht länger zu Schmerzen führt.

Unsere Ernährung haben wir auch erfolgreich auf gesünder umgestellt. Wir sind nicht perfekt, aber deutlich besser, als im letzten Jahr. Wir essen viel mehr Obst und Gemüse und viel weniger „leere“ Kohlehydrate (wie Zucker, Nudeln,…) und fühlen uns damit pudelwohl.

XXXXXXX

Die politische Entwicklung im Jahr 2016 besorgt uns sehr. Wir haben Angst davor, dass die nächste Wahl  dazu führen könnte, dass wir weniger Rechte haben könnten und dafür wieder mehr Diskriminierung. Es sorgt uns auch deshalb, weil wir uns Gedanken machen, in was für einer Welt unsere Tochter groß werden wird. Wie wird sie mit all dem Hass umgehen, wie wird sie autoritäre Tendenzen erleben? Wird es in Deutschland so weitergehen, oder wieder vielfältiger, liberaler, demokratischer werden, bis sie bewusst etwas davon mitbekommt?

Außerdem sind wir sehr genervt von der Mehrheitsnormierung. Damit meinen wir, dass viele Minderheiten als „schrille, nervige“ Kleingruppen abgestempelt und diffamiert werden. Richtig und wichtig scheint nur, was die Mehrheit bewegt: die sexuelle Orientierung, die Hautfarbe, die Religion, das Geschlecht, die Geschlechtsidentität oder (k)eine Behinderung. Herabwürdigung auf der Grundlage von Abweichung bei einem dieser Merkmale wird als ok dargestellt und sogar von selbst Betroffenen relativiert und als „unerlaubtes“, weil störendes, Gefühl abgetan mit der Begründung, dass dies schließlich auch andere so erleben müssten. Unserer Meinung nach ist Diskriminierung, Ausgrenzung oder Herabwürdigung mit nichts zu rechtfertigen und sollte von niemandem erlebt werden „müssen“. Etwas daran zu verbessern und darauf hinzuweisen, wenn es irgendwo geschieht, nimmt niemandem Rechte sondern versucht jemandem Rechte zu geben. Es „nervt“ auch nur Menschen, die die Augen vor Problemen verschließen möchten, statt darüber nachzudenken, dass es sie gibt und wie sie gelöst werden könnten.

Wir sind für Vielfalt und dafür, dass in JEDEM Menschen zuerst der Mensch gesehen wird! In diesem Sinne wünschen wir euch allen einen guten Ausklang aus 2016 (uns steht eventuell der absolute Höhepunkt noch bevor 😉 ) und einen guten Start in ein 2017 gefüllt mit ganz viel Liebe!!!!!!

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6 Gedanken zu “Jahresrückblick 2016

  1. Ein wunderschöner und sehr umfassender Jahresrückblick- bei euch war ja wirklich allerhand los 🙂 ! Besonders über die gesellschafts-politischen Entwicklungen sorge ich mich auch sehr- vor allem in Hinblick auf den Nachwuchs.

    Ich wünsche Euch für die bald anstehende Geburt alles Gute, viel Kraft und hoffe, dass sie eine tolle Erfahrung für euch wird! Auf jeden Fall ist davon auszugehen, dass das kommende Jahr für euch noch viel spannender weitergeht 😉

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  2. Liebe K. und liebe M.,
    vielen Dank für das Teilen Eurer Gedanken und Erfahrungen. Es macht mir immer Freude, von euch zu lesen, auch wenn das ein oder andere private oder gesellschaftliche Thema mit Sorgen verbunden ist. Ich bin sehr gespannt, wann sich Eure Tochter denn nun wohl auf den Weg macht, und wünsche euch dreien ein friedvolles erfülltes achtsames Jahr 2017! 🙋

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    • Liebe Familie Goldtopf,
      Wir wünschen euch eine schöne Schwangerschaft mit eurem Goldtöpfchen und dass es nächstes Jahr gesund zu euch kommt!
      Wir freuen uns schon auf die nächsten Schwangerschaftsupdates und gesellschaftlichen Artikel auf eurem Blog, den wir sehr gerne lesen. 🙂

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