Hebamme – ja!!!

Unsere Hebamme hat uns zutiefst beeindruckt und berührt. 🙂

Aber von vorne: Nachdem es im ersten Paarkurs bei unserer Hebamme so unangenehm für uns war (wir berichteten über das Gefühl, nicht dazuzugehören hier), haben wir uns entschlossen, ihr eine ausführliche Nachricht zu schreiben, in der Hoffnung, dass sie reagieren würde und das zu einer Aussprache führen könnte.

Wir teilten ihr also mit, dass wir ihren Kurs inhaltlich schätzten, aber eine weitere Teilnahme emotional aus den genannten Gründen nicht mehr aushalten würden. Sie reagierte darauf mit einer ersten Entschuldigung, woraufhin wir sie um ein klärendes Gespräch baten. Es war uns wichtig, dass sie unsere Gefühle verstehen würde sowie wir ihre. Was dann das Ergebnis sein würde, war nicht so wichtig für uns.

Das Gespräch haben wir dann Mittwoch vor dem zweiten Paarkurstermin gehabt. Es war sehr emotional von beiden Seiten. Unsere Hebamme hat erklärt, dass es sie total mitgenommen hat, dass sie uns ohne es zu wollen so verletzt hat. Sie hat uns gefragt, was wir uns wünschen würden und noch einmal mit Nachdruck klar gemacht, dass sie uns völlig gleichberechtigt sieht und wir für sie genauso Eltern sind, wie jedes andere Paar. Da ihr Mann nicht weißer Hautfarbe ist, kennt sie auch die Verletzungen, auf die Personen aus Minderheitengruppen tagtäglich treffen und möchte nicht Teil der verletzenden Gruppe sein. Da wir tatsächlich das erste Frauenpaar in ihrem Paarkurs sind (sie ist in ihrem 25. Berufsjahr), war es ihr nicht bewusst, wie ausschließend ihre Wortwahl war. Sie hat beschlossen, dass sie mit zukünftigen Frauenpaaren immer einen Vorgesprächstermin machen wird, um klarzustellen, was ihre Einstellung ist und um nachzuhören, was eventuell die Wünsche des dann betroffenen Paares sind. Zum Schluss hat sie uns noch von Herzen umarmt.

Wir für uns haben aus der Situation gelernt, dass die Selbstverständlichkeit und Offenheit, mit der wir mit unserer Beziehung umgehen, nicht für jede*n, auf die*den wir treffen genauso logisch ist. Deshalb haben wir uns vorgenommen, zum Beispiel im Kindergarten ein Vorgespräch zu führen, bevor unsere Tochter irgendwann dort startet. So möchten wir im Voraus viele eventuelle Fragen beantworten und damit Missverständnissen vorbeugen. Außerdem wird K. im Krankenhaus bei der Geburt (und auch schon bei der Voranmeldung) ganz klar kommunizieren, dass wir ein Paar sind und M. bei allem dabei sein und als gleichberechtigter Elternteil betrachtet werden soll. Bisher konnten wir uns nicht so richtig vorstellen, wozu diese Vorgespräche notwendig sein sollten, wenn wir von solchen Gesprächen anderer Regenbogenfamilien gehört oder gelesen haben. Diese Erfahrung hat uns jetzt gelehrt, dass es offensichtlich nicht ausreicht, einfach offen mit unserer „Art der Partnerschaft“ umzugehen, sondern dass außerhalb unseres direkten Umfelds tatsächlich Gesprächsbedarf besteht, um solche Situationen zu vermeiden.

Im Anschluss an das Gespräch folgte ihre beeindruckende Leistung im Paarkurs, die uns noch immer in Staunen versetzt. Sie hatte für uns völlig klar gestellt, dass sie uns in Gedanken integriert. Wir hatten (auf ihre Nachfrage hin!) den Wunsch geäußert, einmal mit „und du natürlich auch“ auch verbal integriert zu werden. Es wäre, nach dem emotionalen Gespräch, für uns völlig in Ordnung gewesen, wenn sie ihren Kurs verbal wie seit 25 Jahren gehalten hätte. Aber da haben wir sie wohl grandios unterschätzt! Denn sie hat in jedem einzelnen Satz (und sie sagte vorher, dass sie sich nicht darauf konzentrieren könne) klargemacht, dass die Begleitperson bei der Geburt sowohl ein Mann wie auch eine Frau sein kann. Und das ohne, dass die Formulierungen sperrig und nervig wurden! Zudem hat sie noch die Augen der anderen Teilnehmenden geöffnet, indem sie „oder Partnerin“ hinzugefügt hat, wenn eine*r von „der Mann kann dann…“ gesprochen hat. Das war mega krass und hat bei einigen Teilnehmenden sichtbar die Augen geöffnet (und die waren uns ja vorher schon wohlgesonnen!). Also für uns rundum eine Wohlfühlatmosphäre und eine weitere Vertiefung des Glaubens ans Gute im Menschen!

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8 Gedanken zu “Hebamme – ja!!!

  1. Oh, das sind ja tolle Neuigkeiten! Es ist echt total schön, dass Eure Mühe, ihr eine Rückmeldung zu geben nicht vergeblich war und dass das eine so unmittelbar erfahrbare Veränderung bewirkt hat!

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  2. Es freut mich das zu lesen. Ganz ähnlich wie es sich nun rausgestellt hat, habe ich es schon vermutet. Schön, dass ihr den Mut hattet auf sie zuzugehen und nun in den Genuss einer Hebamme kommen werdet. Ihr werdet sehen, es ist Goldwert. ☺️

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  3. Das ist schön zu lesen! Ich war selbst noch nicht in der Situation, aber ein befreundetes Frauenpaar hat eine sehr ähnliche Erfahrung gemacht – im Kurs wurde immer von „den Männern“ gesprochen, obwohl die Co-Mama anwesend war und auch herzlich begrüßt wurde. Sie haben dann direkt nach dem Kurs die Hebamme angesprochen und diese war sehr betroffen darüber, ihr war es wie bei Euch einfach nicht bewusst gewesen. In den folgenden Sitzungen hat sie sich dann sehr bemüht um eine andere Sprache.
    Ich würde solche Dinge auch immer sehr frühzeitig ansprechen, bevor es zu unangenehmen Gefühleh kommt.

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