Geburtsvorbereitungskurs Teil 2 oder „Hebamme – ja oder nein?“

Diese Woche war der erste Termin des Paar-Geburtsvorbereitungskurses. Wenig überraschend waren wir das einzige Frauenpaar. Ich (K.) hatte ja schon von der Heteronormativität im ersten Teil des Kurses (ohne Partner*innen) berichtet. Da es dort aber mehr um Schwangere betreffende körperliche Themen und Übungen ging, war es für mich halbwegs okay. Trotzdem habe ich mich geärgert, dass ich der Hebamme das nach Kursende nicht rückgemeldet habe. Außerdem dachte ich, dass im zweiten Teil, wenn M. als offensichtlich weiblicher nicht-schwangerer Elternteil anwesend ist, die Formulierungen ein wenig neutraler sein würden.

Wie ihr euch vielleicht schon denken könnt, war das leider nicht der Fall. Im Gegenteil! Da der thematische Fokus viel mehr in Richtung „was kann die Begleitperson während der Geburt tun“ ausgerichtet war, gab es noch viel mehr Gelegenheit zur Heteronormativität und diese wurde von der Hebamme auch ausgiebig genutzt. Meistens hat sie das Wort „Partner“ benutzt, wenn sie nicht gleich „der Mann“ gesagt hat. Ich habe (wahrscheinlich weil ich das Ganze einfach nicht wahrhaben wollte) das Wort „Partner“ als ihren Versuch eines geschlechtsneutralen Ausdrucks zu interpretieren versucht, aber objektiv gesehen ist das auch mit viel Wohlwollen kein geschlechtsneutrales Wort. Es hätte uns schon gereicht, wenn ein einziges Mal eine Aussage wie „Partner oder Partnerin“ oder etwas ähnliches eingestreut worden wäre. Oder sie einfach zu Beginn gesagt hätte, dass sie natürlich mit „Partner“ immer auch „Partnerin“ meint, es ihr nur zu umständlich ist, das jedes Mal zu erwähnen. Wäre alles okay gewesen. So hat M. sich einfach nur ignoriert und „falsch“ dort gefühlt. Sie hat sich in ihrer Geschlechtsidentität nicht angenommen gefühlt. So wie im falschen Körper, nur dass sie ihren Körper mag, wie er ist. Eine sehr paradoxe und auch sehr verletzende Erfahrung.

Und auch mir war es sehr unangenehm, weil ich nahezu während jedes Satzes der Hebamme M.s Schmerz sehen und spüren konnte. Im Anschluss an den Kurs haben wir noch lange geredet, haben diskutiert, ob wir an den nächsten Terminen des Kurses teilnehmen wollen oder nicht, ob unser Unwohlsein diesbezüglich irgendwie als übertrieben interpretiert würde von anderen, und ob uns die Informationen, die wir dort bekommen, wert sind, uns so deplatziert zu fühlen. Etwas trotzig haben wir sogar schon Pläne geschmiedet, wie wir beim nächsten Mal auf die Situation aufmerksam machen können. Beispielsweise indem ich eine Frage stelle und eine Phrase wie „die Frau – oder eben der Mann, falls das bei anderen so ist“ bezogen auf die Begleitperson stelle, oder indem M. bei einer Aufforderung wie „jetzt stehen die Männer mal auf“ demonstrativ sitzen bleibt. Wir haben sogar darüber nachgedacht, dass es für die anderen Paare im Kurs bzw. für weitere „Nicht-Heteronorm-Paare“, mit denen diese Paare aus dem Kurs vielleicht in der Zukunft zu tun haben, gut wäre, wenn wir sichtbar bleiben würden.

Aktuell tendieren wir allerdings dazu, nicht nochmal hin zu gehen. Die noch anstehenden Themen wären zwar inhaltlich interessant, aber könnten wir uns unserer Meinung nach auch selbst zusammen suchen, da der dauerhafte Verletzungszustand sowieso sehr vom Inhalt im Kurs abgelenkt hat. Was uns im Falle einer Entscheidung in diese Richtung mehr Sorgen macht, ist die Betreuung im Wochenbett. Dafür war nämlich dieselbe Hebamme eingeplant. Bei der Geburt selbst haben wir eine Beleghebamme vom Krankenhaus, darauf hat die Entscheidung also keinen Einfluss. Die Wochenbettbetreuung wollen wir aber eigentlich nicht von einer Person, von der wir uns nicht vollkommen angenommen fühlen. Bei der aktuellen Hebammensituation in unserer Stadt ist es wahrscheinlich illusorisch zu versuchen, fünf Wochen vor dem Entbindungstermin eine andere Hebamme für die Betreuung nach der Geburt zu finden. Deshalb könnte es sein, dass wir das Wochenbett ohne Hebamme meistern müssten. Die Vorstellung klingt erstmal nicht so toll, weil wir bestimmt erstmal ziemlich überfordert sein werden mit allem. So ganz genau wissen wir allerdings auch nicht, was die Hebamme dabei überhaupt so alles macht. Sollten wir uns entsprechend entscheiden, werden wir natürlich noch versuchen, jemand anderen zu finden. Vielleicht reicht es ja auch, wenn unser Baby vom Kinderarzt untersucht wird und ich von meiner Frauenärztin, falls die Suche nicht erfolgreich sein sollte. Und wie wir sie baden und wickeln, können uns bei Bedarf auch andere „kindererfahrene“ Leute zeigen. Wir möchten eigentlich gerade in dieser Zeit nur Menschen in unserer Umgebung haben, mit denen wir uns auch wohl fühlen. Schwierige Entscheidung…

An unsere Leser*innen, die schon Kinder haben: Wie war das bei euch, wurdet ihr im Wochenbett von einer Hebamme betreut, und wenn ja, was hat sie alles gemacht? Denkt ihr, ihr hättet es auch ohne Hebamme geschafft?

PS: Warum sind eigentlich alle Hebammen weiblich? Und wie würde ein Mann in dem Beruf heißen? Hebammerich? 😉

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16 Gedanken zu “Geburtsvorbereitungskurs Teil 2 oder „Hebamme – ja oder nein?“

  1. Die hat ernsthaft gesagt „Und jetzt stehen alle Männer auf“ und erwartet, dass M sich auch anhesprochen fühlt?! Boah wie schrecklich und verletzend! Finde ich schon sehr ignorant und daneben. Ich kann verstehen, dass ihr da nicht mehr hinwollt. Wobei ich auch schade finde, dass niemand sonst da etwas zu gesagt hat. Tut mir leid, dass ihr so eine Erfahrung dort gemacht habt :/. Ich hoffe, ihr findet eine gute Lösung fürs Wochenbett!

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    • Vielen Dank für deine Einschätzung und dein Mitfühlen…
      Den Satz hat sie zwar so nicht wörtlich gesagt, aber es kamen schon einige Aussagen in dem Stil. Und es würde uns beide nicht überraschen, wenn sie eine solche Aufforderung genau so formulieren würde…

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  2. Schlimm, davor graut es mir auch schon. Ich würde das auch nicht aushalten, zumal die ganze Situation schon eine besondere ist. Wenn ich bzw. meine Frau sich dann noch so ausgegrenzt fühlen müsste… Nee, das kann ich auch nicht gut aushalten. Eine männliche Hebamme heißt Geburtshelfer und in unserer Nähe gibt es sogar eine Praxis wo ein solcher beschäftig ist. Finde ich toll 😊
    Ich drücke euch die Daumen, dass ihr eine gute Lösung findet. Für Fragen zum Stillen etc. wäre für mich eine Hebi wichtig. Aber ich weiß natürlich nicht, ob ihr das für euch überhaupt geplant habt. Ansonsten kann man mit der Hilfe anderer Eltern sicherlich auch alles gut wuppen. Wahrscheinlich ist es ein bisschen davon abhängig welchen „Stil“ die jeweiligen Eltern fahren.. und ob man sich daran orientieren mag.. aber Tipps zum baden, anziehen, wickeln etc. da ist man durch Freunde, zu denen man ein tolles Verhältnis hat, sicher gut aufgehoben. Ich kenne einige Frauen, die keine Hebamme im Wochenbett hatten und das ging auch 🙂

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    • Cool mit dem Geburtshelfer in eurer Nähe! 🙂
      Wir haben eine Freundin, die Stillberaterin ist, die nehmen wir da einfach für dieses (uns wichtige) Thema in Anspruch.
      Für die Wochenbettbetreung können wir eventuell in eine Sprechstunde ins KH, da müssen wir uns noch etwas genauer informieren. Aber es fühlt sich zu belastend an, die aktuelle Hebamme ins Haus zu lassen.
      Apropos „ähnlicher Stil“: es ist uns sehr wichtig, uns nur Tipps von Freunden* zu holen, die nicht in die Richtung „lass mal schreien“ gehen.

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    • @Noblets, nicht alle Hebammen kennen sich mit dem Thema stillen gut aus. Viele haben die Zusatzausbildung Stillberaterin, aber nicht alle und wenn das nicht gegeben ist, sind sie oft nicht sehr firm darin. Trotzdem würde ich wenn es geht nie, nie, nie auf eine Hebi verzichten, selbst beim 2. Kind nicht.

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  3. Ich möchte wirklich niemandem zu nahe treten, aber manchmal finde ich es schon übertrieben wieviele „von uns“ anderen Menschen böswilliges Verhalten unterstellen nur weil nicht immer sofort auf die „gendernorm“ geachtet wird. Ich bin ja quasi auch in der Rolle des Vaters, unsere Hebamme hat auch nie explizit „Partner und Partnerinnen“ gesagt oder sonst irgendwie darauf geachtet die Tatsache dass unser Kind zwei Mütter haben wird besonders hervorzuheben. Sie hat ihren Kurs durchgezogen wie sie es gewohnt war, teilweise die Teilnehmer mit Vornamen direkt angesprochen, teilweise von Mamas und Papas gesprochen, je nach Gegebenheit. Ganz ehrlich? Die meisten Kinder haben neunmal Mamas und Papas und ich denke nicht, saß die Hebammen und „Co-Muttis“ mutwillig ignorieren um uns auszugrenzen. Wenn sie vielleicht nicht oft, oder gar erstmalig, in der Situation sind eine Regenbogenfamilie zu betreuen, ist es vielleicht einfach fehlende Routine oder Unbedachtheit.
    Macht euch doch nicht das Leben schwer indem ihr alles auf die Goldwaage legt. Klar, zu sagen „die Männer bitte aufstehen“, dass das dann doof ist verstehe ich auch, aber das würd ich abhaken und gut. Wenn ihr den Eindruck habt, dass ihr im persönlichen Gespräch mit ihr klarkommt und besonders du, K, sie sympathisch finden kannst, dann behaltet sie. Eine Hebammenbetreuung im Wochenbett ist absolut Goldwert! Klar, der Kinderarzt untersucht euer Kind, der Gyn untersucht dich, aber eine Hebamme ist noch für so viel mehr Dinge da. Sie betreut dich im Babyblues, sie hilft wenn du unsicher bist wie das Kind schlafen soll, ob es ausreichend trinkt, ob die Fontanelle sich gut anfühlt und so weiter und so fort. Ihr werdet so viele Fragen haben und in vielen dieser Dingen kennt sich eine Hebamme tausendmal besser aus als KiA oder Gyn.

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    • Nun ich denke, dass Gefühle zu respektieren sind. Da es nun mal mein (M.) Gefühl ist, dass ich in meinem Frau-sein nicht anerkannt wurde und mich das verletzt hat, darf ich dieses Gefühl auch äußern. Zudem haben wir der Hebamme nichts unterstellt, da wir ihre Gedanken und Gefühle nicht kennen. Darüber hinaus denke ich allerdings schon, dass es jeder Mensch verdient hat, so anerkannt zu werden wie er*sie nun mal ist. In meinem Fall ist das, dass ich weiblich bin. Und ich denke auch, dass ich von einer Hebamme verlangen kann, dass sie meine Anwesenheit beachtet.
      Solange es Ausgrenzung und Diskriminierung gibt oder ich mich in einer Situation schlecht fühle, werde ich Worte auf die berühmte Goldwaage legen. Denn Sprache hat Macht. Und diese Macht darf nicht missbraucht werden.
      Wenn du mit solchen Situationen schmerzfreier umgehen kannst, finde ich das beneidenswert. Dein Empfinden ändert allerdings nichts an meinem. Wir sind zwei unterschiedliche Individuen. Und das ist auch das schöne an unserer Welt.

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      • Oh ich wollte dir sicherlich deine Gefühle nicht ansprechen, verstehe mich nicht falsch. Ich persönlich bin einfach der Meinung, dass wir uns zu oft selbst das Leben schwer machen. Aber selbstverständlich darfst du fühlen was du fühlst.

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  4. Hmm, schwere Entscheidung mit eurer Hebamme. Ich für meinen Teil fand die Wochenbettbetreuung ziemlich wichtig. Man ist auf einmal mit einem ganz kleinen Wesen allein und fühlt sich oft hilflos. Hebammen können zu vielen Fragen Hilfe und Erfahrungen anbieten, sei es nun Stillen, wickeln, Nabel Pflege, Wochenfluss usw. Sogar beim zweiten Kind hatte ich eine Nachsorgehebamme, allerdings deutlich weniger als beim Junior, weil ich bei Nr. 2 viel schneller wieder im Babyalltag drin war. Aber ich kann es total nachvollziehen, dass „eure“ Hebamme wirklich nicht so sensibel bzw. „Normal“ mit euch umgegangen ist.

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    • Es ist wirklich schwierig… Wir hätten echt gerne eine Hebamme fürs Wochenbett, aber eben eine, bei der wir uns auch wohlfühlen. Schließlich kommt sie, um mit/in einer sehr intimen Situation zu helfen. Mal sehen, wie unsere Entscheidung ausfällt. Danke jedenfalls für die Gedankenanstöße (natürlich auch an alle anderen Kommentator*innen)!

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  5. Ich habe meine Hebamme auch sehr geschätzt aber halt auch weil sie mir so sympathisch war und ich glaube das das wichtigste die psychische Unterstützung plus das Fachwissen ist u wenn ihr euch unwohl fühlt kommt dies denk ich gar nicht so zu stande. Und das 2. Ist das stillen wo ich über Hilfe dankbar war,was aber wenn ihr die Stillberaterin mit ins Boot holt ja gegeben ist. Alles Gute für die Entscheidung hört auf euer Gefühl.

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  6. Hm, also ich bin da glaube ich auch eher gestrickt wie unter dem Regenbogen und nehme das nicht ganz so genau, weil ich eben auch denke, dass das nicht unbedingt böser Wille ist, sondern „wir“ in den Frauenpaar-Konstellationen eher die Ausnahme sind (im Gegenteil: bin ich manchmal eher genervt von unleserlichen Texten, in denen immer alle möglichen Rollen benannt werden oder wenn Fraueneinrichtungen immer so explizit ein *innen überall dranhängen, dann muss ich manchmal etwas schmunzeln, weil ich es gelegentlich albern finde). Ich schrieb beispielsweise einer Bekannten, dass unsere Tochter ein echtes Anfängerbaby sei, woraufhin sie (sehr für Frauenrechte einstehend) zurückschrieb, sie freue sich, dass wir so ein Anfängerinnenbaby hätten.
    Wenn es Euch so sehr gestört hat, wäre es nicht eine Möglichkeit, das anzuprechen, um noch mal ein Gefühl dafür zu bekommen, ob es „einfach“ Gedankenlosigkeit war?
    Wenn das Gefühl bleibt, dass sie grundsätzlich eurer Konstellation gegenüber nicht aufgeschlossen gegenübersteht bzw. sie ggf. sogar negativ bewertet, dann könnte ich definitiv verstehen, wenn ihr sie nach der Geburt nicht ins Haus lassen wollt.

    Nun kommt aber das Aber:
    ich war mir ja auch nicht so sicher, wozu ich nun diese Nachsorgehebamme brauchen soll. Ich würde mir bei einer zweiten Schwangerschaft mit meinen Erfahrungen von diesem Mal aber definitiv wieder eine
    suchen. Und die müsste auch nicht meine Beste Freundin sein, sondern einfach ihren Job machen.

    Sie hat:
    -sich regelmäßig den Nabel der Tochter angesehen und den gepflegt, bis er abgefallen war (das fanden wir sehr hilfreich, wir fanden den gruselig und waren extrem froh, als er endlich abgefallen war)
    -die Rückbildung meiner Gebärmutter beobachtet
    -meine Kaiserschnittnarbe angeschaut
    -die Kleine gewogen
    -sich nach dem Stillen erkundigt, Stillpositionen gezeigt und empfohlen, beim Milcheinschuss, Milchstau und Brustentzündung beraten
    -Zaubercreme gegen den wunden Babypopo dagelassen
    -das Baby-Baden gezeigt
    -mit mir noch mal den Geburtsverlauf besprochen

    und ich muss sagen, dass ich sehr sehr froh war, für all das nicht das Haus verlassen und zum Kinder- oder Frauenarzt fahren zu müssen.

    Insofern plädiere ich für die Hebammennachsorge.

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    • Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Wir haben der Hebamme nochmal geschrieben und werden jetzt wahrscheinlich vor dem nächsten Kurstermin ein Gespräch mit ihr haben. Dazu aber mehr in einem neuen (noch zu schreibenden 😉 ) Artikel.
      Noch etwas allgemeines zur „gegenderten“ Sprache: Grundsätzlich finde ich, dass Sprache eine große Macht besitzt. Wenn beispielsweise statt „Ärztin“ immer „Arzt“ gesagt oder geschrieben würde, würde das auf Teile der Gesellschaft so wirken, als ob Ärzte* immer männlich sind. Insbesondere auch für Kinder, die vielleicht noch nicht so viele Ärztinnen kennen und die in ihrem Leben (meiner Meinung nach) sowieso in vielen Bereichen mit viel zu starren Rollenbildern konfrontiert werden, ist es wichtig zu wissen, dass auch weibliche Menschen Arzt sein können. In einer (für mich) besseren Welt, könnte jeder – unabhängig vom Geschlecht – sich selbst (beruflich und privat) verwirklichen. Auch wenn es da in Deutschland gesetzlich keine Hindernisse gibt, ist in der Gesellschaft immer noch stark ausgeprägt, was ein „passender“ Beruf für eine Frau ist etc. Und ich finde, Sprache ist durchaus in der Lage, das ein Stück weit aufzubrechen, deshalb versuche ich, in meiner Sprache darauf zu achten. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich es in manchen Fällen (wozu ich jetzt auch mal das „Anfängerinnenbaby“ zählen würde, oder auch die klassische „Salzstreuerin“) auch übertrieben finde.
      Aber das trifft eigentlich gar nicht genau das Problem, das wir im Geburtsvorbereitungskurs hatten. Wir fühlten uns dort einfach ignoriert und ausgeschlossen, weil nicht ein einziges Mal auch nur angedeutet wurde, dass die Begleitperson auch nicht-männlich sein könnte, und M. dadurch das Gefühl gegeben wurde, irgendwie männlich werden zu müssen für die Geburt. Schwierig zu erklären…

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  7. Ich streue noch mal ein bißchen Erfahrung aus zweiter Hand ein: die Freundin meiner Frau, die vor 11 Tagen als Erstgebärnde entbunden hat, findet ihre Hebamme relativ entbehrlich. Vor allem weil sie Dinge problematisiert, die die frischgebackene Mutter eigentlich gar nicht dramatisch findet (z.B. ein paar Pickelchen am Bauch) und damit eher für Verunsicherung als für Stärkung sorgt.
    Ich schätze, am Ende ist es doch auch eine Frage der Passung zwischen Elternpaar und Hebamme. Wie Alex schon schrieb, gibt es ein paar Dinge, um die sich eine Hebamme super kümmern kann (wenn sie gut ist in ihrem Job), aber ein Teil dieser Aufgabe besteht ja auch in einer Art psychosozialen Betreuung. Wenn da das Vertrauensverhältnis nicht stimmt, wird gerade dieser Teil wahrscheinlich schwierig. Ein Formulieren eures Unbehagens finde ich in eurer Situation schon passend. Und wenn es auch nur dazu dient, noch mal zu sensibilisieren. Mag ja sein, dass ein großer Teil der Frauen von ihren Partnern begleitet werden, aber andere Schwangere doch auch von Mutter, bester Freundin, neuem Partner (der nicht Kindsvater ist) oder eben Partnerin. Da hier und da mal die Variabilität des Lebens in die Sprache zu übernehmen, ohne dass immer korrekt gegendert werden muss, finde ich nicht zu viel verlangt. Vor allem wenn einem gerade ein Teil dieser Variabilität in persona gegenüber sitzt – da verstehe ich euer Unwohlsein schon, wenn dies komplett ausgebelndet wurde.

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  8. Ich verstehe euer Unwohlsein – wir hatten wohl den Vorteil, dass unsere begleitende Hebamme auch unseren Geburtsvorbereitungskurs gemacht hat und sie uns und unsere Situation schon länger kannte. Ihr ist trotzdem manchmal, wohl aus Gewohnheit, ein „Männer“ oder ähnliches rausgerutscht, aber das war ihr dann auch unangenehm. Wir waren eher froh, wie sehr sie uns mit einbezogen hat und auch die anderen Paare waren (und sind bis heute) alle sehr interessiert und fragen auch immer wieder z.B. nach der Adoption. Also alles sehr nett, wir haben uns nie unwohl gefühlt. Im Krankenhaus war die Situation dann ähnlich, muss ich sagen.

    Das Wochenbett ohne eine Hebamme zu meistern würde ich euch auf gar keinen Fall raten. Körperlich wäre es für mich zum Beispiel undenkbar gewesen, „mal eben“ zum Frauenarzt/zur Frauenärztin oder entsprechend der Kinderärztin zu fahren. Die Hebamme hat die Kleine gewogen und genau untersucht (die ersten zehn Tage jeden Tag!), den Nabel angeschaut und versorgt, uns ein paar Tipps zur Babypflege gegeben, unsere unsicheren ersten Fragen beantwortet, sich meine Geburtsverletzungen angeschaut und die Brüste nach dem Milcheinschuss, das Stillen angeguckt und uns beraten, mir gezeigt, wie die Milchpumpe funktioniert (da die Kleine am Anfang nicht so viel getrunken hat), uns das Baden gezeigt, sich unsere Ängste angehört, usw. Sie konnten wir wegen jeder Kleinigkeit fragen und anrufen – bei einer Ärztin/einem Arzt wäre das vermutlich nicht so unproblematisch gewesen. Auch als ich einen Milchstau bekommen habe, war sie sofort an einem Sonntag da und hat damit eine Brustentzündung verhindert.
    In der Anfangszeit waren wir wirklich unsicher und ich war mehr als einmal froh, dass sie da war und uns Sicherheit gegeben hat. Vor dem ersten Termin mit ihr nach dem Krankenhaus haben wir die Minuten gezählt, bis sie endlich da war. Dem letzten Termin hat man dann mit Gelassenheit entgegen gesehen – ich denke, genauso soll es sein.

    Besser, ihr sprecht mit der Hebamme nochmal über eure Gefühle. Ich glaube, Hebammen sind meist sehr einfühlsame Personen und eventuell ist ihr gar nicht klar, was ihre Ausdrucksweise bei euch auslöst und sie macht es vielleicht aus Gewohnheit so. Ich drücke euch die Daumen, dass ihr das lösen könnt und wünsche euch weiterhin alles Gute!

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