Frust durch Menschenfeindlichkeit

Anlass für den folgenden Gedankenerguss (der keinerlei Vollständigkeit haben wird) gab die Wahl des rassistischen, homophoben, islamophoben, menschenfeindlichen Präsidententeams in den USA. Die Wahl hat bewirkt, dass ich noch einmal mit der Nase in die Suppe deutscher Menschenfeindlichkeit gestoßen wurde. Diese wird aktuell vor allem durch die AfD und ihre Nachahmerinnen verkörpert und macht mir wirklich Angst. Angst um meine Sicherheit, wenn ich mit meiner Frau in der Öffentlichkeit bin, Angst um unsere rechtliche Stellung, sollte nächstes Jahr eine noch menschenfeindlichere Regierung nach Berlin gewählt werden, und Angst um unsere ungeborene Tochter und was sie so erwarten wird in der Welt, Angst davor unser schönes Zuhause verlassen zu müssen.

Nun bin ich nicht der Typ, der sich unverrichteter Dinge in diesen Ängsten suhlt, sondern versuche zu analysieren, wie es erstens überhaupt dazu kommt, dass Menschen (erschreckender- und frustrierenderweise auch welche, die uns kennen) anderen Menschen ihre Rechte nehmen wollen und zweitens, was ich dagegen tun kann.

Ersteres ist sehr schwer zu beantworten. Ein Muster, welches sich mir bisher gezeigt hat ist, dass viele der Personen, die anderen Menschen ihre Rechte absprechen, ein negatives Menschenbild haben. Sie erwarten von anderen immer nur das Schlimmste. Wo das herkommt vermag ich nicht zu beurteilen. Und ich finde auch, dass Schuldzuweisungen oder Diffamierungen von Personen mit negativem Menschenbild nicht weiterhelfen.

Deshalb komme ich zu zweitens: Was kann ich einzelnes Individuum dagegen tun, um retrospektiv in den Spiegel schauen zu können und mir nicht überlegen zu müssen „hätte ich doch damals…“?

Nun, ich kann ein glückliches Menschenkind in die Welt setzen, das die Liebe, die es von seinen beiden Mamas empfängt auch mit anderen teilen kann und das sich für andere einsetzen wird, weil es ein positives Menschenbild hat. Das erreiche ich, indem ich unser Töchterlein so nehme, wie sie ist und ihre Grenzen respektiere aber ihr auch meine Ecken, Kanten und Grenzen zeige, damit sie verstehen kann, was im Zusammenleben mit anderen Menschen nötig ist, damit es allen gut geht. Viele Kinder wachsen nämlich leider nicht mit dem Respekt für ihre Grenzen auf, da sie ja „nur“ Kinder sind, die sich angeblich gegen ihre Eltern stellen, um diese absichtlich zu nerven. Wie sollen diese Kinder aber andere respektieren, wenn sie nie Respekt für sich selbst erlebt haben?!

Was kann ich noch Menschenfeindlichkeit entgegensetzen? Menschlichkeit. Ich glaube ganz fest daran, dass sich Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft oder auch der Ausdruck von Anerkennung und Respekt potenzieren und damit das Negative zum Wanken bringen können. Natürlich kann ich das nicht ganz alleine. Aber ich werde meinen Anteil geben, damit es in der Summe etwas helfen kann.

Außerdem kann ich beruflich einiges bewirken. Ich bin nämlich Lehrerin und spreche mit „meinen Kindern“ über die Dinge, die in der Welt passieren. Ich respektiere sie. Und ich höre ihnen immer zu, wenn ich es irgendwie leisten kann. Außerdem versuche ich, wann immer es systembedingt geht, ihre Grenzen zu respektieren. Seit diesem Schuljahr „trainiere“ ich mit ihnen auch Selbstachtsamkeit. Damit habe ich schon großen Erfolg, obwohl ich nicht behaupten würde, dass ich darin schon ausgereift gut wäre. Ich bemerke beispielsweise, dass einige Kinder es nun schaffen, ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen und zu verbalisieren. Das führt auch dazu, dass sie langsam die Grenzen anderer wahrnehmen können, da sie mehr bei sich sind.

Auf welcher Grundlage tue ich das? Ich habe das Buch von Helle Jensen („Hellwach und ganz bei sich. Achtsamtkeit und Empathie in der Schule.“) gelesen und die entsprechende Fortbildung bei ihr besucht. Die Theorie ist, dass jeder Mensch mit der Fähigkeit zur Empathie, sich selbst und anderen gegenüber, geboren wird. Diese Fähigkeit wird eventuell mehr oder weniger unterdrückt durch Erlebnisse im Laufe des Lebens. Die gute Nachricht ist, dass sie wieder trainiert werden kann, ohne dass irgendjemand etwas Neues lernen müsste. Dazu wird die Wahrnehmung des eigenen Körpers und der eigenen Gefühlslage geschult (das ist eine sehr kurze Zusammenfassung, ich empfehle die Lektüre des Buches!). Denn nur, wer sich selbst wahrnimmt und „bei sich“ ist, kann auch bei anderen sein. Das gilt für Erwachsene genauso wie für Kinder.

So hoffe ich, die Welt ein kleines bisschen positiver zu gestalten und hoffe, dass Mitmenschlichkeit am Ende die Mehrheit der Handlungen in Deutschland antreiben wird.

Wie geht ihr mit dem Thema um? Welche Ideen habt ihr?

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2 Gedanken zu “Frust durch Menschenfeindlichkeit

  1. Dass/wie du mit deinen Schüler*innen so arbeitest, finde ich toll!
    Ich versuche, über die Arbeit meiner Selbsthilfegruppe Menschen zu erreichen – analog und im Internet. Und ich versuche, regelmäßig an Projekten mitzuwirken, die Vorurteile abbauen sollen. Aber ich habe irgendwie das Gefühl, dass das alles nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Aber wahrscheinlich geht es auch nur so… Steter Tropfen. Mir machen aber die nächstes Jahr anstehenden Wahlen auch ziemliche Sorgen.

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  2. Ich glaube, viele Menschen machen sich aktuell ähnliche Gedanken. Das Bewusstsein über die Notwendigkeit, aktiv etwas zu tun, ist angestiegen, es ist Energie dafür da, und doch ist irgendwie zu befürchten, dass die auch wieder versiegt, wenn sie nicht eine bestimmte Richtung bekommt. Jedenfalls geht es mir so.
    Ich finde deinen Ansatz gut, mit den Schul-Kindern zu arbeiten. Respekt vor sich selbst, ein Gefühl für den eigenen Wert als Mensch, das ist finde ich eine wichtige Voraussetzung dafür, anderen mit Respekt begegnen zu können. Kein Misanthrop zu werden, aber auch die eigene Identität und Wertigkeit nicht über die Feindseligkeit gegenüber anderen Gruppen zu definieren.
    Ich bin leider auch ein bißchen ratlos, was man tun kann. Sich politisch engagieren – klar, aber wie? Wo oder wie will man aktiv werden? Ich habe da leider für mich auch noch keine passende Antwort gefunden.
    Eine niederschwellige Form des Engagements ist ja die Teilnahme an Online-Petitionen und Aktionen von Campact, WeMove u.ä., was ich auch immer gerne mit mache. Oder auch eine Beteiligung an Bewegungen wie #nohatespeech bzw. #organisierteLiebe. Vernetzung ist auch im RL grundsätzlich gut, leider bin ich darin nicht sehr begabt 😉
    Es gibt speziell zum Thema Homophobie in NRW das SchLAu (Schwul Lesbische Aufklärung NRW) für Schulen – ich weiß ja nicht, in welchem Bundesland ihr wohnt? Oder die Aktion „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Die Amadeo Antonio Stiftung bietet auch ganz nette für junge Menschen verständliche Broschüren zu verschiedenen Arten gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.
    Woran es mir aber immer fehlt, ist eine viel breitere und verständliche Aufklärung darüber, wie es zu Meinungsbildung und Einstellungsänderung kommt, wie Gruppenprozesse funktionieren, wie psychologisch „Sündenböcke“ enstehen usw. Es ist ja nicht so, dass all das wissenschaftlich nicht bekannt und bestens erforscht wäre. Leider „nutzen“ das irgendwie immer eher die Falschen, und wenigen Menschen ist klar, wie sie ticken und wie sie beeinflusst werden.
    Und ja, dann bleibt natürlich immer noch das persönliche alltägliche Wirken, das Lächeln Fremden gegenüber, die Bereitschaft zuzuhören und vor allem auch eine gehörige Portion Resilienz gegenüber Erlebnissen die einem das theoretisch auch vermiesen könnten.
    Menschenfreundliche Grüße an Euch 🙂

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