Unser kleines Wunder und die rechtlichen Hürden

Ich konnte lange Zeit nicht glauben, dass in meiner Frau jetzt echt unsere gemeinsame Tochter heranwächst. Ehrlich gesagt versetzt mich dieses Naturwunder ständig in Erstaunen. ❤  Die Kleine ist mittlerweile so stark geworden und turnt fleißig im Bauch meiner Frau. Von außen fühlt sich das witzig an und ich versuche mir immer vorzustellen, welches Körperteil sich gerade in meine Hand oder an meine Wange gedrückt hat. Seit sie so richtig doll spürbar ist für mich, kann ich auch etwas besser verstehen, dass sie real ist und nicht nur eine Wunschvorstellung. Ich hatte lange Angst, dass ich mich nicht genug freue oder nach der Geburt nicht so freuen könnte, wie die Kleine das verdient hat, weil sie einfach so unsichtbar und surreal war.

Da hat mir ein Gespräch mit einem Bekannten geholfen, der kurz davor Vater geworden war und von ähnlichen Gefühlen berichtet hat. Er berichtete auch davon, dass er die reale Existenz seines Kindes erst zwei Tage nach der Geburt so richtig verarbeitet hatte und auch erst dann der Glückshormonschub kam. Das hat mich sehr beruhigt, weil ich dachte, dass mit mir etwas nicht stimmt, weil ich unsere Tochter einfach nicht begreifen konnte. Jetzt ist sie aber real!  🙂 Und ich muss es ja jetzt mal hier loswerden: sie ist mit Abstand das aller süßeste Baby auf der ganzen Welt und ich habe sie einfach nur lieb!!! Sie wird übrigens ein Schrumpelbaby (was ultra süß ist) *hihihi*. Ich konnte im letzten Ultraschall nämlich nicht nur ihre Lippen erkennen, sondern auch Falten auf der Stirn. Das war sooooo süß!

Das Einzige, was die Vorfreude etwas trübt und Wut, Verzweiflung, Resignation, Ohnmacht und anderes auslöst ist die Stiefkindadoption. Unser gemeinsames Wunschkind wird damit zum Stiefkind… Und wird zum „Kindeswohl“ erst einmal keine rechtliche Absicherung haben!!! Das ist so unfair und unzeitgemäß! Ändern kann ich es allerdings nicht. Und so schwanke ich ständig zwischen Angst um unsere Tochter, Wut auf das System und „du kannst es nicht ändern, also nimm es so hin, egal wie ungerecht es ist“. In letzterem bin ich übrigens besonders schlecht  😉

Wir werden Ende November den ersten Kontakt zum Jugendamt haben. Ich bin sehr nervös, und hoffe, dass die Dame eine Menschenfreundin ist und unserer Tochter keine unnötigen Steine in den Weg legen wird.

Ich habe auch schon begonnen, mir Notizen für den Lebensbericht zu machen, von dem wir bereits wissen, dass er von unserem Jugendamt verlangt wird. Es fällt mir sehr schwer, den Zynismus und die Wut darauf, mein Leben vor Fremden ausbreiten zu müssen, damit diese mich als geeignet für MEINE Tochter erachten, zurück zu halten. Ich gehe portiönchenweise dran, und höre jedes Mal auf, wenn sich der Sarkasmus oder der Trotz einschleichen. Außerdem sehe ich nicht ein, was meine Vergangenheit mit der Zukunft mit unserer Tochter zu tun haben soll. Ich habe keine Verbrechen begangen und ob ich nun ein gutes oder ein schlechtes Verhältnis zu meiner Familie habe, hat für mich rein gar nichts mit unserer Tochter zu tun! So muss ich allerdings überlegen, was ich in den Bericht schreibe und wie ich es ins rechte Licht rücken kann, damit die Kindeswohlpolizei nicht beschließt, dass es unserer Tochter besser geht, wenn sie mich zwar als sozialen aber nicht als rechtlichen Elternteil hat. Tsss…. Es ist auch sehr schwer zu erraten, was denn „das rechte Licht“ ist und was das Jugendamt eigentlich hören möchte. Diese Ungewissheit erzeugt bei mir zusätzliche Angst. Welchen Erziehungsstil bevorzugen die beispielsweise?

Wie seid ihr an die Sache herangegangen? Habt ihr irgendwelche Tipps für den Lebensbericht?

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9 Gedanken zu “Unser kleines Wunder und die rechtlichen Hürden

  1. Tipps habe ich keine, aber ich schicke Euch ganz viel Kraft für diesen rechtlichen Mist. Ich drücke die Daumen, dass es möglichst gut und zügig über die Bühne geht.
    Und alles andere klingt so toll und aufregend! ❤

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  2. Hallo,

    wir sind schon etwas weiter im Verfahren, deshalb würde ich dir raten, erst mal das Gespräch mit dem Jugendamt abzuwarten und zu schauen, was Euer Jugendamt tatsächlich haben möchte und wie die so ticken.

    Ich hatte auch aus einem Fernsehbericht über eine Stiefkindadoption bei zwei Frauen in Köln diverses herausgehört, was bei uns gar nicht gefragt war…
    Ich bin mit einem ziemlichen Brass zum ersten Termin beim Jugendamt gegangen, weil ich das ganze Verfahren auch als so ungerecht und unpassend für unsere Situation empfinde. Bzw. eben auch schon Ideen hatte, was sie wollen und teilweise traf das nicht zu. Im Nachhinein bedauere ich, dass ich so geladen war und nicht offener. Im übrigen haben wir eine Sachbearbeiterin, die selber mit einer Frau zusammenlebt.

    Im Fragebogen vom Jugendamt ging es bei uns überhaupt gar nicht um die Erziehung des Kindes. Es ging um Dinge, die z.B. auch in einem Lebenslauf stehen, mit dem Du Dich um einen neuen Job bewirbst. Es ging um die finanzielle Situation der Familie (das fand ich schon unangemessener, dass das in unserem Fall überhaupt eine Rolle spielt) und vor allem ging es um unsere Beziehung und wie wir sie einschätzen, sehen und leben.
    Einreichen mussten wir aber neben Dokumenten wie Gebursturkunden und Auszug aus dem Partnerschaftsregister ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis meiner Frau und (was ich wieder unangemessen fand) ein Gesundheitszeugnis für sie.
    Im Fragebogen war nach den Eltern und Geschwistern gefragt und wie sie zu der Stiefkindadoption stehen. Bei meiner Frau haben wir die Eltern hineingeshrieben, aber darunter „zur Zeit kein Kontakt“.

    Auf meine Nachfrage (weil ich auch davon ausgegangen war, dass dieser Lebensbericht meiner Frau sich vornehmlich um ihre Vergangenheit und Familie drehen wird) bekam ich die Antwort, dass er sich eher um unsere Beziehung (Kennenlernen und den Kinderwunsch) drehen sollte, weil sie ja eine Stellungnahme über uns/meine Frau abgeben muss und uns dafür irgendwie „kennenlernen“. Der Hausbesuch sei dafür nicht (lang) genug.

    Wir haben schlussendlich folgende Überschriften in dem Lebensbericht:

    -Kurzer Lebenslauf (da steht nur die Geburtsstadt, dass sie dirt aufgewachsen ist und welche Ausbildung sie gemacht hat und warum sie dann später hierher gezogen ist).

    -Kennenlernen (von uns beiden)

    -Beziehung / Tragfähigkeit unserer Beziehung

    -Warum Kind/Kinderwunsch

    -Keine anonyme Spende (war uns sehr wichtig, deshalb noch mal erklärt und hervorgehoben, darin auch hervorgehoben welche Kriterien wir bei der Spenderauswahl hatten, wie es dann gelaufen ist bis zur Geburt).

    Bis auf die kurze Bemerkung im Fragebogen des Jugendamtes, dass zu ihren Eltern aktuell kein Kontakt besteht, sind wir/ist sie nirgendwo auf ihre Familie bzw. ihre Vergangenheit eingegangen.

    In ca. 2 oder 3 Wochen erwarten wir den Hausbesuch vom Jugendamt. Ich werde sicher auf meinem Blog darüber berichten.

    Zur Absicherung bis zur Stiefkindadoption habe ich beim Notar ein Testament verfasst, das die Vormundschaft für unsere Tochter an meine Frau überträgt und den Text habe ich (auf Anraten des Notars) noch mal abgeschrieben und daheim hinterlegt für den Fall, dass ich gesundheitlich so geschädigt wäre, dass ich mich (vorübergehend oder für immer) nicht mehr um unsere Tochter kümmern kann.

    Aktuell ist für uns das schlimmste die rechtlich unsichere Situation, bis die Stiefkindadoption durch ist. Mit dem Verfahren an sich haben wir uns abgefunden. Es ist einfach für ganz andere Fälle gemacht worden und passt nicht auf unsere Lebenssituation. Aber das taten der Elterngeld- und der Kindergeldantrag auch nicht (auch wenn man sich bemüht hat, die Formulare einigermaßen neutral und mit der Angabe „eingetragene Lebenspartnerschaft“ zu gestalten).

    Raten würde ich Euch über alles andere hinaus auch noch, dass ihr Euch vor der Geburt auch mit den Anträgen für Eltern- und Kindergeld beschäftigt genauso wie mit den Unterlagen für den Adoptionsantrag. Für uns war es ganz praktisch, dass wir alles so gut wie fertig in der Schublade hatten.

    Alles Gute und ich bin gespannt, wie euer Termin bei eurem Jugendamt läuft!

    Alex

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    • Danke für die ausführlichen Infos! Wir wissen von einem bekannten Paar schon, dass ein Lebensbericht sowie zwei Referenzberichte fällig sein werden. Was das Jugendamt allerdings im Detail darin wünscht, erfahren wir Ende November. Ich für mich mache nur schon Stichpunkte, damit mir das Schreiben später schneller und strukturierter (und weniger genervt) von der Hand geht.

      Das mit dem Testament wollen wir auch so ähnlich machen. Meine Frau hat schon damit angefangen.

      Die Elterngeld etc Anträge wollen wir auch vor der Geburt fertig haben, damit wir dann unser kleines Wunder besser genießen können und nicht noch Stress mit Abgabedaten bekommen.

      Wir sind gespannt auf euren Bericht vom Hausbesuch und drücken euch die Daumen!

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      • Das sind „Empfehlungsschreiben“ von Familie / Freunden (was davon erlaubt ist, wissen wir noch nicht), wo laut dem bekannten Paar, was schon hier beim Jugendamt war diesbezüglich, meine Erziehungskompetenz beworben werden soll oder so. Ich werde berichten, was die Frau beim Jugendamt dazu erklärt.

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  3. Hey du 🙂
    Ich möchte dir nun auch noch einmal Rückmeldung geben… warum möchte/kann ich das? Nun… ich bin zufälligerweise Sozialpädagogin beim Allgemeinen Sozialdienst des Jugendamtes hier 😀

    Vorneweg: Ja, jedes Jugendamt ist da anders und handhabt solche Regelungen anders. Dennoch lehne ich mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass Jugendamtsmitarbeiter_innen erst einmal auf der Seite der Familien stehen. Unsere Aufgabe ist es das Kindeswohl im Auge zu behalten und wenn du nicht zufällig an eine_n ASD-Mitarbeiter_in der fast schon ausgestorbenen Gattung „Ich lebe noch hinterm Mond!“ gerätst, dann wird das alles auch gut werden. Die Altersstruktur der Jugendämter ist häufig eher jünger und Sozialpädagog_innen sind meist auch in Sachen Diversität von Lebensentwürfen geschult – vor allem im Jugendamt. Wenn ich mit meinen Kolleg_innen über das lächerliche Verfahren der Stiefkindadoption bei gleichgeschlechtlichen Paaren rede, regen die sich eig eher drüber auf, weil es wertvolle Arbeitszeit für wirkliche Fälle frisst. Wundert euch also nicht, wenn die ganze Sache total schnell vom Tisch ist. Auch so ein Hausbesuch ist nur halb so schlimm, wie er scheint. Die Dame oder der Herr kommen zu euch, setzen sich ins Wohnzimmer/Esszimmer/Küche, reden mit euch und gehen wieder. Wenn der erste Eindruck passt, wird häufig noch nicht einmal das Kinderzimmer angeguckt und der Lebensbericht wird höchstens einmal vom/von der zuständigen SozPäd und einmal vom Gericht gelesen und die Sache ist erledigt…

    Ich musste gerade sehr lachen, denn deine Beschreibungen treffen eins zu eins auf meine Frau zu. Die ist ebenfalls supergenervt von dem Stiefkindprozedere und auch sie braucht bestimmt mehrere Anläufe, bis der Lebensbericht ohne zynische und ironische Kommentare lesbar ist 😀 Naja… dauert bei uns ja leider noch ein bisschen… Sie hat schon vor einem halben Jahr in ihrer Rolle als (ebenfalls) SozPäd mal die Standardbögen des Jugendamts vor Ort gezogen, um zu gucken, was die da alles so fragen und wissen wollen. Man will sich schließlich vorbereiten 😀

    Ich freu mich ganz arg mit euch und das wird schon alles. Du wirst sehen… ihr habt so große Hürden auf euch genommen, um dieses Mädchen zu bekommen, da werdet ihr die folgenden auch noch meistern und sie wird von Anfang an eure Tochter sein, das ist sie jetzt schon!

    liebe Grüße
    Noelana

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    • Dankeschön! Das hilft echt sehr zur Beruhigung. (Ein großer Faktor ist glaube ich auch, dass ich die Person vom Jugendamt noch nicht kenne. Ein anderes Paar hat sie zwar als nett beschrieben, aber was heißt das schon ;-)) Jedenfalls danke für deine Einordnung.

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