12. Woche

Mittlerweile sind schon ein paar Wochen vergangen seit dem letzten Beitrag.

Und auch unser letzter Ultraschall-Termin ist schon fast vier Wochen her. Durch die Hausrenovierung neben jeweils einem regulären Vollzeit-Job ging die Zeit einerseits schnell vorbei, andererseits fühlt  sich die Zeit, seit wir zuletzt unser Baby sehen konnten, auch wie eine Ewigkeit an. Morgen steht nun endlich der nächste Termin bei meiner Frauenärztin an. M. kann erfreulicherweise wieder dabei sein und wir freuen uns riesig, das kleine Menschlein, das jetzt wirklich schon aussehen sollte wie ein kleines Menschlein, wiederzusehen! 🙂 Gleichzeitig haben wir aber auch Angst, dass irgendwas nicht in Ordnung sein könnte. Vor allem ich (K.), weil ich es einfach unfassbar finde, dass da tatsächlich jemand in mir wohnen, sich bewegen und wachsen soll, ohne dass ich so wirklich etwas davon spüre… Natürlich tut sich das ein oder andere mit mir und meinem Körper, aber eigentlich könnte auch alles von den Hormonen kommen, die ich immer noch einnehmen bzw. auf meine Haut kleben muss. Damit ist allerdings in weniger als einer Woche Schluss! Denn nach der 12. Schwangerschaftswoche hat die Plazenta die Hormonproduktion übernommen, sodass die „Zufuhr“ von außen nicht mehr notwendig ist. Ich freue mich schon darauf, nach fast drei Monaten endlich mal wieder einzuschlafen ohne vorher den Wecker auf den nächste Einnahmezeitpunkt zu stellen bzw. auf der Arbeit ständig auf die Uhr zu schauen, wann wieder Zeit für die Tabletten ist. Alle acht Stunden muss ich die Tabletten einnehmen, das heißt jeden Tag um 6, 14 und 22 Uhr. Respekt vor den Menschen, die sowas ihr Leben lang machen müssen!
Das zweite Thema, das im Moment sehr präsent ist bei mir, ist das Thema Arbeit bzw. wie erzähle ich Chef und Kollegen von der Schwangerschaft. Es fängt schon bei der Formulierung an, wenn ich sowas wie „wir bekommen Nachwuchs“ sage, ist erstmal nicht klar, ob meine Frau schwanger ist oder ich. Ich will aber von Anfang an klar machen, dass es UNSER Kind ist und nicht nur meins, was ja vielleicht jemand denken könnte wenn ich sage „ich bin schwanger“. Mal ganz abgesehen davon, dass sich dieser Satz für mich immer noch total komisch anhört und ich erstmal selbst glauben muss, schwanger zu sein… Aber ich habe die Hoffnung, dass ich es vielleicht nach dem Arzttermin morgen etwas besser realisieren kann (falls alles in Ordnung ist). Weiter geht es dann damit, dass ich meinem Chef so ganz grob die Pläne bezüglich Elternzeit usw. mitteilen muss. Eigentlich möchte ich so lange wie möglich daheim bleiben, vielleicht die vollen drei Jahre Elternzeit beantragen, während der ich dann nach zwei Jahren wieder in Teilzeit anfangen könnte. Ich weiß, dass ich darauf theoretisch einen Rechtsanspruch habe, aber so etwas ist bei uns ganz und gar nicht üblich, da ich in meiner Abteilung die einzige Frau bin und die anderen entweder Single sind, kinderlos sind oder in einer Beziehung mit sehr traditioneller Rollenverteilung sind, das heißt da bleibt dann nur die Frau mit Kind zu Hause und der Mann macht höchstens mal zwei Wochen Urlaub nach der Geburt seines Kindes… Teilzeit arbeitet auch niemand bisher in meiner Abteilung. Ich könnte mir im Moment gut vorstellen, auch nach der Elternzeit weiter nur in Teilzeit zu arbeiten, möchte aber ungern in eine andere Abteilung kommen, was ja gut sein kann, wenn ich zu lange raus bin. Eigentlich ist es aber so, dass das wichtigste für mich unsere Familie und unser Kind sein wird, und dass mir weniger wichtig ist, was mit der Arbeit passiert. Aber das kann ich ja meinem Chef so nicht sagen. Die Frage ist also, wie sage ich ihm, dass ich drei Jahre Elternzeit nehmen will ohne dass es so wirkt, als ob mir egal sei, was auf der Arbeit passiert. Weiter geht es dann mit den Kollegen… Dabei stellt sich auch erstmal wieder die Frage, wie ich es überhaupt sage, um gleich die ersten Missverständnisse zu vermeiden. Dann ist die Frage, wie viel erzähle ich von der Entstehungsgeschichte unseres Babys, auch auf Nachfrage? Mindestens ein Kollege wird garantiert alles ganz genau wissen wollen, deshalb muss ich mir vorher genau überlegen, was ich teilen will und wie ich abblocken kann, wenn diese Grenze überschritten werden würde. Ich glaube nicht, dass ich damit umgehen könnte, wenn jemand sagt, dass wir nicht beide Mama unseres Kindes sein könnten. Dass wir das beide sind kann ich ja durch die Entstehungsgeschichte auch definitiv belegen. Andererseits sehe ich es aber eigentlich auch nicht ein, mich zu rechtfertigen, denn auch wenn ein Regenbogenkind auf eine andere Weise als die unsere entsteht, ist es für mich zweifelsfrei und völlig gleichberechtigt das Kind der Eltern, die es sich zusammen gewünscht und (auf welche Art auch immer) in die Welt gesetzt haben. Schwierig das Ganze… Ich bin gespannt, wie wir uns am Ende entscheiden (diese Entscheidungen kann ich nur mit M. zusammen treffen). Der Zeitpunkt rückt jedenfalls näher und damit auch die Nervosität…
Aber erstmal steht morgen der Ultraschall-Termin an, dem wir schon seit Wochen entgegen fiebern! 🙂

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5 Gedanken zu “12. Woche

  1. Deine Gedanken zu der Reaktion deiner Kollegen kann ich gut nachvollziehen, speziell den Aspekt „wer ist denn die ‚richtige‘ Mutter“. Wir haben uns auch schon darüber Gedanken gemacht und rechnen eigentlich fest damit, dass es für andere Menschen sicherlich einen Unterschied machen wird, wessen biologisches Kind es ist. Ich habe da schon Angst, nicht wirklich als Mutter wahrgenommen zu werden und es auch schwer sein wird, mich selbst deutlich so zu definieren. Wir hatten sogar schon die verrückte Idee, unterzutauchen bis zur Geburt, damit keiner weiß wer es zur Welt gebracht hat. Aber das ist natürlich nicht realisierbar und letztendlich kann man diesen Problemen wohl leider nicht aus dem Weg gehen.
    Bei euch ist die Situation ja noch zusätzlich besonders und ich wüsste ehrlich gesagt auch nicht ob ich geneigt wäre, diese Einzelheiten mit Außenstehenden zu diskutieren. Wir haben schon festgestellt, dass selbst guten Freundinnen unsere Vorüberlegungen zur Familienplanung teilweise fremd, absurd, sogar ekelig erschienen. Irgendwie scheint es dafür keine Schablone im Kopf der anderen zu geben, in die unsere Situation hineinpasst. Wir haben uns dagegen schon so lange damit befasst, dass es uns selbstverständlich erscheint was wir tun. Man muss sich sicher gut überlegen, ob einem im Zweifelsfall der Selbstschutz wichtiger ist, weil man keine blöden Reaktionen erleben möchte, oder man dazu beitragen will, dass auch nicht-normative Familienmodelle bekannter und natürlicher werden. Kommt bestimmt auf die Adressaten an, du kannst deine Kollegen da sicherlich am besten einschätzen.
    Für den Ultraschall hoffe ich natürlich, dass ihr nur Gutes erfahren habt 🙂 Gibt es schon neue Bilder?

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    • Obwohl K. (die Schwangere von uns beiden) den Blogbeitrag verfasst hat, antworte ich (M.) auf euren Kommentar (nur um Verwirrungen vorzubeugen 😉 ):

      Es klingt total traurig, dass ihr Freund*innen habt, die es „eklig“ finden, dass bzw. wie ihr Kinder haben wollt. Das ist sicherlich sehr verletzend zu hören…
      Wir haben auch schon einen längeren Erklärungsmarathon hinter uns. Einige unserer Bekannten mussten erst einmal verdauen, dass wir Kinder haben wollen durch eine IVF mit Embryonentausch, aber die meisten freuen sich einfach für uns bzw. drücken uns die Daumen.
      Durch die vielen Outing-Situationen bin ich (M.) etwas „radikal“ geworden, was die Offenheit angeht. Ich habe nämlich beschlossen, dass erstens so ein Eiertanz um die Wahrheit herum für mich sehr anstrengend ist, und andererseits den Leuten durch bedingungslose Offenheit jeglicher Wind aus den Segeln genommen wird. Das ist manchmal ganz schön anstrengend für meine Mitmenschen, das ist mir bewusst, aber sie sind auch anstrengend, wenn sie heteronormativ sind; und diese Heteronormativität möchte ich zumindest beim täglichen Umfeld ein klein wenig ins Wanken bringen, damit ich mich entspannter bewegen kann.
      Beim Kinderthema erzähle ich bei emotional nahestehenden Menschen die ganze Geschichte, bei anderen zähle ich auf die Frage hin, wie wir das mit den Kindern anstellen wollen, einfach alle möglichen Optionen auf, die mir in dem Moment einfallen, ohne dabei zu sagen, welche wir gewählt haben.
      Das Problem mit dem sich selbst als „richtige“ Mama fühlen haben wir auch lange gewälzt. Wir haben uns deshalb für die Embryonentauschvariante entschieden, weil dann auch ich (die nicht Schwangere beim ersten Kind) mit dem Kind genetisch verbunden bin. Das ist eigentlich für uns persönlich gar nicht wichtig – wir würden auch ein Kind adoptieren – aber den Selbstzweifeln, die durch Gesellschaft und Jugendamt und dadurch geschürte Ängste entstehen, wollten wir vorbeugen. Das ist uns auch gelungen. Seit ich kapiert habe, dass Nr. 12 echt ein Mensch ist und in K.s Bauch vor sich hin wächst, sind auch sämtliche Zweifel an meiner Elternschaft wie verpufft. 🙂
      (Als wir angefangen haben uns mit dem Kinderthema auseinander zu setzen, haben wir übrigens ein sehr gutes Buch zu genau dem Thema aus den USA gefunden. Es tat gut Erfahrungsberichte von anderen Co-Müttern zu lesen: „Harlyn Aizley: Confessions of the other mother – nonbiological lesbian moms tell all!“)

      PS: Beim Ultraschall war alles bestens – Bild folgt demnächst. Wir sind totaaaal verliebt in Nr. 12 😍

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      • Liebe M., ich habe mir heute mal das Buch welches du empfohlen hast im Internet angeschaut und bin dabei noch auf zahlreiche andere englischsprachige Bücher zum Thema lesbian/gay/queer pregnancy/parenthood gestoßen. Ganz offensichtlich ist der – vermutlich vorrangig us-amerkanische – Markt da sehr viel breiter und auch für spezifischere Zielgruppen und Themen aufgestellt als das was man hier in Deutschland bzw. auf deutscher Sprache bekommt. Hast du bzw. habt ihr noch andere englischsprachige Bücher gelesen, die empfehlenswert sind?
        Ich hoffe, Nr. 12 ist immer noch wohlauf und ihr auch 🙂

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  2. Ich werfe mal meine Erfahrungen als Co-Mutter in den Raum. Meine Frau hat unsere Tochter geboren, die im November vier wird und ich unseren Sohn, der im September zwei wird. Ich kenne also beide Perspektiven. Die Kinder haben wir jeweils gleich lieb.

    Die Co-Mutter kann sich auf den Kopf stellen, dreimal im Kreis rennen, mit dem Fuß aufstampfen und pausenlos betonen, sie sei auch die Mutter – wenn es die leibliche Mutter nicht macht, hat die Co-Mutter Pech gehabt. Wenn die leibliche Mutter also im Rahmen einer deutlichen, ganz selbstbewussten Ansage klarstellt, dass die Co-Mutter ebenfalls und gleichrangig die Mutter des Kindes ist, sollten jegliche Zweifel ausgeräumt sein (und wer dann noch zweifelt, hat eure Freundschaft/Bekanntschaft nicht verdient).

    Übrigens: Die Frau, die das erste Kind geboren hat und dann beim zweiten Co-Mutter wird, wird niemals diesen niederrangigen Status erleben – denn sie hat ja bereits ein Kind geboren und folglich Ahnung und wird niemals als „irgendwie eine Art Papa“ angesehen werden. Was ich mir alles anhören musste: „Achso, dann kann C. [meine Frau] dir ja alles zeigen, wenn das Kind da ist.“ WTF?! Ich verbuche das einfach mal unter dem schlechten Männerbild heterosexueller Frauen, deren Typen einfach nicht mitmachen und sich doof stellen.

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    • Danke erstmal für deinen interessanten Kommentar! Neu für uns war eure Erfahrung, dass die zweite „Co“ – Mutter nach einem Rollenwechsel dieses als „nicht richtige Mutter“ abgewertet werden weniger stark erlebt. Es schockiert mich immer wieder, solche Aussagen wie „dann kann sie dir ja zeigen wie es geht“ zu hören. Fällt für mich ungefähr in dieselbe Kategorie wie „aha, du bist also der Mann in eurer Beziehung“ oder ähnliche Sprüche, wenn eine von uns von einer Tätigkeit/Eigenschaft erzählt, die im traditionellen Rollenmodell wohl meistens von Männern ausgefüllt wird. Manche, ansonsten eigentlich offen und tolerant auftretenden Menschen, verstehen einfach nicht, dass Aufgaben/Rollen im Zusammenleben nicht notwendigerweise nach Geschlecht verteilt werden müssen (wäre für manche Heterobeziehung wohl auch besser, Talent oder Charakter da mit in die Waagschale zu werfen)… Der zweite erschreckende Aspekt an der von dir geschilderten Aussage ist für mich, dass es in manchen Köpfen immer eine Person geben muss, die für das Kind zuständig ist, und eine, die das dann bei umgekehrter Situation noch „gezeigt bekommen muss“. Für uns ist es selbstverständlich, dass wir uns beide gleichberechtigt um unser Kind kümmern. Leider können wir nicht beide gleichzeitig zu Hause bleiben (bis auf wenige Monate), sodass in der Praxis dann ich (K.) zu Beginn wohl mehr Zeit mit dem Kind verbringen werde, aber ich kann mir nichts vorstellen, was nicht auch M. dem Kind geben könnte (vom Stillen vielleicht mal abgesehen, aber das lässt sich ja vielleicht durch Abpumpen auch bis zu einem gewissen Grad aufteilen).

      Dass das deutliche Einstehen für eine gleichberechtigte Elternschaft nach Außen von der „austragenden“ Mutter (Ich nenne es mal „austragende Mutter“, weil zumindest in unserem Fall „biologisch“ bzw. „leiblich“ ja nicht so ganz eindeutig ist) unbedingt notwendig ist (schöne Beschreibung übrigens in deinem Kommentar 😉 ), wurde uns am Beispiel eines Frauenpaars aus dem Bekanntenkreis bewusst. Da war das nämlich leider nicht der Fall, und es hat zu riesigen Problemen in alle möglichen Richtungen bis hin zur (temporären?) Trennung geführt. Beim Nachdenken und Reden über diese Situation ist uns klar geworden, wie wichtig es ist, dass da ganz klare Statements der „austragenden“ Mutter kommen. In diese Richtung haben wir also definitiv ganz klare Vorsätze. Wahrscheinlich wird es immer ein paar Idioten geben, die das nicht einsehen wollen, aber auf deren Freundschaft/Bekanntschaft legen wir dann auch keinen Wert.

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