Wer ist das Volk und was will es? – Die Schwulen-Lobby übernimmt die Weltherrschaft!

Aktuell verlangt Sabine Kurtz von der baden-württembergischen CDU die Abschaffung jeglicher Gleichstellungspolitik. Sie behauptet, dass ein Abschaffen derselben keine Diskriminierung darstelle, da die „Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger die überzogene Gender-Ideologie kritisch“ sehe.

Hier passiert eine enorme Diskriminierung unter dem Deckmantel der „kritischen Bürgerinnen*“, „die ja wohl noch sagen dürfen…“. Denn weiterhin nicht die gleichen Rechte zu haben, weil ein Mensch nicht-heterosexuell, transident oder anders nicht der Heteronorm entspricht, ist schlicht und ergreifend Unrecht. Inwiefern schränken Rechte Nicht-Heterosexueller diejenigen Heterosexueller ein?! Keine Mann-Frau-Ehe wird geschieden, weil zwei Frauen, die sich lieben, auch heiraten dürfen; kein Cis-Mensch wird zu einem Trans-Menschen, weil sie* plötzlich das Recht hat, ohne unmenschliche Hürden, sie* selbst zu sein; und vor allem beeinflusst keine nicht-normative Beziehung auch nur eine Hetero-Ehe. Die Abschaffung von Gleichstellungspolitik, sei es für Frauen im Allgemeinen oder für Menschen, die aus der Heteronorm herausfallen, vertieft und legalisiert diskriminierende Strukturen.

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ [Art. 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte]

Die Beziehung eines anderen Menschen nicht anzuerkennen, weil sein* Partner zu alt, zu männlich, zu weiblich, zu groß, zu dick, zu anders ist, verletzt die Würde des Menschen, dessen Beziehung nicht anerkannt wird. Die Anerkennung der Beziehungen und Lebensweisen anderer Menschen verletzt allerdings nicht das eigene Dasein, nur weil ich anders lebe und liebe als mein Mitmensch.

Auf die „Gender-Ideologie“ beziehungsweise das „Gender-Mainstreaming“ geht nicht nur die CDU ein, sondern auch Pegida und AfD. Was ist denn eigentlich diese „Gender-Ideologie“? „Gender-Mainstreaming“ klingt irgendwie gefährlich. Werden wir alle geschlechtsneutrale Aliens?

Zuerst sollte der Begriff „gender“ geklärt werden: der englische Begriff lässt sich übersetzen zu „soziales Geschlecht“ oder „Geschlechterrolle“. Die „Ideologie“ hinter der Geschlechterrollenforschung ist es, die Ungleichbehandlung von Frau und Mann aufzuheben. Dies beinhaltet die Aufhebung der männlichen Dominanz hin zu einem respektvollen und gleichen Miteinander aller Geschlechter (nicht nur des Männlichen und Weiblichen) sowie die Gleichwertigkeit auf dem Arbeitsmarkt, auf dem in Deutschland Frauen noch immer im Durchschnitt 21% weniger verdienen als Männer, die den exakt identischen Job machen. Außerdem soll jeder Mensch die Chance bekommen, im Leben gleich zu starten, und nicht durch eine frühe Zuordnung einer höher oder niedriger gestellten Geschlechterrolle vieler Chancen beraubt werden.

Wovor haben nun Pegida, AfD und CDU Angst? Die Veränderung der Geschlechterordnung hin zu Gleichwertigkeit zerstört das traditionelle Patriarchat, welches den Mann als übergeordnet und die Frau, Homosexuelle und andere Minderheiten als untergeordnet wahrnimmt. Würde sich unsere Gesellschaft tatsächlich zu einer alle respektierenden und die Würde aller gleichermaßen anerkennenden Gesellschaft entwickeln, hätte das Patriarchat als Herrschaftsform ausgedient. Das bedeutet natürlich nicht, dass sich dann nicht freiwillig Menschen in patriarchalen Lebensformen zusammenfinden dürften, allerdings wäre es keine Selbstverständlichkeit oder „Gottgegebenheit“ mehr.

Die AfD-Mitglieder haben so große Angst vor der Gleichbehandlung aller Menschen, dass sie folgendes in ihr Programm geschrieben haben:

„gegen die volkserzieherische Überhöhung von nicht heterosexuellen Menschen und gegen die Dekonstruktion der Familie. Aufgabe der Bildung muss es sein zu vermitteln, dass die Geschlechter aufeinander zugeordnet sind.“

In ihren Augen werden also nicht heterosexuelle Menschen als Übermenschen dargestellt. Außerdem zerstört es heterosexuelle Familien, wenn Menschen darin bestärkt werden ihre nicht-heterosexuelle Identität und Sexualität anzunehmen und auszuleben. Und um dies zu verhindern, soll in Schulen gelehrt werden, dass Männer und Frauen ausschließlich für die gegengeschlechtliche Liebe leben dürfen. Nun werden in dieser Argumentation einige Aspekte verschwiegen. Zum ersten sucht sich kein Mensch seine Geschlechtsidentität oder sexuelle Orientierung aus, sondern sie sind uns gegeben. Wenn diese nun unterdrückt werden sollen, führt dies nicht zu „glücklichen hetero Familien“ sondern zur gleichen Anzahl glücklicher hetero Familien, wie es sie aktuell gibt, aber einer noch viel größeren Anzahl unterdrückter, unglücklicher Menschen, die nicht als sie selbst respektiert und anerkannt werden. Sie werden stattdessen in ihrer Würde verletzt und ihrer Freiheit beraubt, da sie in ihrem Kern-Selbst Ablehnung, rechtlicher wie gesellschaftlicher Natur, finden.

Die AfD-Mitglieder gehen in ihrem Programm noch einen Schritt weiter:

„Wir setzen uns dafür ein, dass jedes Kind darin gestärkt wird, sein biologisches Geschlecht anzunehmen. Gender Mainstreaming als Norm zur Dekonstruktion der Geschlechterordnung und Auflösung der Ehe von Mann und Frau lehnt die AfD ab.“

Sie vermischen die Akzeptanz von transidenten oder anders nicht-bipolaren Menschen mit der Gleichstellung von Mann und Frau. Desweiteren haben sie Angst davor, dass eine Gleichstellung nicht nur die bestehende patriarchale Geschlechterordnung auflöst, sondern gleich auch noch die Ehe von Mann und Frau. Die AfD-Mitglieder können sich demnach keine Beziehungen vorstellen, in denen Menschen gleichberechtigte Partnerinnen* sind, ohne dass einer* die Macht über die andere* hat beziehungsweise ihr übergeordnet ist.

Genau gegen diese Diskriminierung nicht-patriarchaler Beziehungen und Menschen, die nicht der bipolaren Geschlechternorm entsprechen, zielt Aufklärung in Schulen. Entgegen der Angst von Menschen, die beispielsweise zur „Demo für alle“ gehen (die maßgeblich von AfD-Vorstandsmitgliedern organisiert wird), dass durch Aufklärung über nicht-heterosexuelle Beziehungsformen Kinder in Schulen (und nicht etwa durch das Internet) „frühsexualisiert“ würden, steht der Fakt, dass nicht über Geschlechtsverkehr gesprochen wird, wenn Kinder über Identitäten und sexuelle Orientierungen aufgeklärt werden. Kinder und Jugendliche sollen lediglich darin bestärkt werden sich selbst anzunehmen. Das bestärkt auch die große Masse heterosexueller-cis-Jugendlicher, nimmt aber vor allem jenen Jugendlichen, die nicht dieser Mehrheit angehören den Druck, nicht „richtig“ oder „gut genug“ zu sein. Jeder Mensch ist genau richtig! Und so sollte auch jeder Mensch respektiert und anerkannt werden.

Bei Pegida heißt es „Die Homo-Ehe zerstört die Familie!“ und AfD und CDU liefern die passende Begründung: „Nur die Ehe zwischen Mann und Frau kann eine Familie begründen.“ Aber was ist denn eigentlich Familie? Eine Familie ist eine auf Dauer angelegte Gemeinschaft, die auf Liebe und Solidarität beruht. Inwiefern zerstören homosexuelle oder polyamouröse Beziehungen, die auf Liebe und Solidarität beruhen, andere Familien, die wiederum selbst auf diesen Werten fußen? Zerstört werden können Familien nur durch ihre rechtliche Nicht-Anerkennung, wenn beispielsweise eine der Partnerinnen* keine Aufenthaltsgenehmigung bekommt oder indem Kinder einer Familie nicht als Kinder der Familie sondern lediglich als diejenigen einer einzelnen beteiligten Erwachsenen* anerkannt werden und somit im Todesfall dieser* Erwachsenen rechtlich gleich alle Familienmitglieder verlieren. Durch rechtliche Anerkennung aller Familienformen werden auch alle bereits anerkannten gestärkt und das Modell Familie nachhaltig erhalten.

Zu guter Letzt beschwören unter anderen Pegida und AfD die sogenannte „Schwulen-Lobby“, die die Weltherrschaft übernehmen wird. Schließlich wird „Homosexualität [sogar] im Fernsehen beworben“. Erstens: wenn Homosexualität ‚beworben‘ werden könnte, dann gäbe es die freie Wahl der sexuellen Orientierung. Die sexuelle Orientierung ist aber gegeben und nicht frei wählbar. Zweitens: inwiefern übernimmt denn diese Lobby die Weltherrschaft? Tun sich alle schwulen Männer in geheimen Clubs zusammen, ziehen an einem Strang und tüfteln an einem geheimen Plan, wie sie die ganze Welt regieren werden?! Und was ist mit lesbischen Frauen? Sind die unschuldig? Und wer hat eigentlich aktuell die Weltherrschaft, den diese Lobby besiegen müsste? Obama, Google, der Papst? Oder ist die Angst vor der „Schwulen-Lobby“ ein anderes Wort vor der Angst, dass das bestehende Patriarchat aufgelöst wird und alle Menschen, unabhängig von Geschlechtsidentität oder sexueller Orientierung, gleichberechtigt sind?

Ich plädiere dafür, dass wir die bestehende Diskriminierung von Minderheiten nicht weiter ausbauen, sondern diese versuchen zu verringern. Gute Projekte diesbezüglich sind Aufklärungsprojekte wie SchLau, die über Homosexualität, Transidentität, Intersexualität, Bisexualität aufklären und dabei über Respekt und Beziehungen sprechen. Außerdem ist es dringend notwendig die öffentliche Präsenz von nicht-heterosexuellen Menschen zu erhöhen, damit jeder Mensch nicht nur abstrakt über „die Homos“ redet, sondern echte Menschen kennt und damit auch die Angst vor ihnen verlieren kann.

Lasst uns Vielfalt und Respekt leben und damit in unserem eigenen Umfeld beginnen und mit respektvollem Beispiel voran gehen!

 

bisher:

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Ein Gedanke zu “Wer ist das Volk und was will es? – Die Schwulen-Lobby übernimmt die Weltherrschaft!

  1. …und immer wenn ich einen Kommentar dieser selbsternannten „Retter von Männlichkeit und Weiblichkeit“ und „Beschützer unserer Kinder vor den bösen Homos und der Frühsexualisierung“ lese, möchte ich ihnen am liebsten breit grinsend ins Gesicht sagen, dass ich nach meinem Grundschullehramtsstudium meinen Kindern (also denen in der Schule) ganz selbstverständlich von meiner Frau (die ich dann hoffentlich haben werde) und meiner Regenbogenfamilie (die ich dann hoffentlich haben werde) erzählen werde…und sie können rein gar nichts dagegen unternehmen!
    Ich glaube ganz fest daran, dass es für uns bergauf geht, nicht bergab. Allein schon deshalb, weil immer mehr gleichgeschlechtliche Paare mit und ohne Kinder ganz normal zusammen leben und dadurch allen zeigen, dass an uns eigentlich gar nichts gefährlich ist.

    Gefällt 1 Person

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