Wer ist das Volk und was will es? – Integrationspflicht!

Pegida, die AfD und die CDU fordern „Integration muss Pflicht sein“.

Was ist denn eigentlich Integration? Und für wen soll sie verpflichtend sein? Für alle Neuankömmlinge, oder?! Und ab wann ist eine Person „integriert“? Alle Menschen sind schließlich unterschiedlich. Sind Vegetarierinnen* akzeptiert? Und Kopftuchträgerinnen?

Integration ist der Vorgang, dass eine Person bewusst und durch bestimmte Maßnahmen dafür sorgt, dass eine andere Person ein Teil einer bestehenden Gruppe wird. Das bedeutet, dass Pegida, AfD und CDU uns Alteingesessene dazu verpflichten möchten, alle Neuankömmlinge zu einem gleichwertigen Teil unserer bestehenden „Bürgerinnen* Deutschlands“-Gruppe werden zu lassen. Gute Idee!

Oder meinen die genannten Parteien und Gruppierung eher „Assimilation für Migranten* muss Pflicht sein.“? Denn Assimilation bezeichnet das Angleichen bis hin zur Verschmelzung, meist einer Minderheit mit der Mehrheit, und beinhaltet damit einen Kulturwandel der Minderheit. Würde die Forderung zur Assimilation eigentlich für alle Minderheiten gelten? Und an welcher Variante der Mehrheitsgesellschaft sollten sich Minderheiten in ihrem Assimilationsversuch orientieren?

Für eine Assimilation von Migrantinnen* mit der deutschen Mehrheitskultur müssten diese also ihre Kultur aufgeben und die hiesige komplett übernehmen. Das käme in meinen Augen einer Entwurzelung gleich und ist deshalb schon allein aus psychologischer Sicht wenig sinnvoll für uns alle. Zusätzlich ginge sehr viel verloren, da Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungshorizonten im Dialog miteinander sehr viel lernen können, über sich selbst wie auch über einander. Und wie soll das eigentlich gehen, dass alle nach Deutschland migrierten Personen sich assimilieren? Sie müssten die Sprache und den jeweils lokalen Dialekt perfekt sprechen und verstehen, müssten die jeweilige Mehrheitsreligion (katholisch, evangelisch, atheistisch) annehmen und als letztes müssten sie gegebenenfalls auch ihre Hautfarbe ändern, da sie sonst trotz der vorher genannten Punkte nicht unauffällig mit der Mehrheit mitschwimmen könnten. Mindestens der letzte Punkt ist unmöglich, das Assimilieren der Religion verstößt gegen die Menschenrechte und das perfekt-akzentfreie Erlernen einer Fremdsprache inklusive lokalem Dialekt ist nur einem sehr kleinen Teil der Menschheit möglich. Die Aufgabe der Assimilation ist also für Neuankömmlinge unerfüllbar, sodass sie prima als Dauersündenböcke zur Verfügung stünden.

Im Gegensatz zur Assimilation bietet Integration als Zweirichtungsstraße die Chance jeden Menschen mit seinen individuellen Voraussetzungen zu akzeptieren und voneinander zu lernen. Integration bedeutet, die „Eigenschaften“ einer anderen Gruppe von Menschen kennenzulernen, mit den eigenen zu vergleichen und gegebenenfalls die Definition der eigenen Gruppe um neu entdeckte Eigenschaften zu erweitern.

Selbstverständlich ist es wichtig, die errungenen Rechte, Werte und Normen zu vermitteln. Es ist allerdings nicht wichtig, dafür eine Religion zu verändern oder alles identisch zu machen wie die deutsche Mehrheitsgesellschaft. Gegenseitiger Respekt, sowohl von Migrantinnen* für Alteingesessene, Frauen, Homosexuelle und andere Minderheiten als auch von Alteingesessenen für Migrantinnen*, Frauen, Homosexuelle und andere Minderheiten sollte das Ziel jedes Integrationsversuches sein. Denn nur so finden wir alle zu individueller Freiheit.

Aber wie wäre das zu bewerkstelligen? Eine erste Idee: ALLE Migrantinnen* bekommen von Tag Eins an einen Deutschkurs, damit sie möglichst schnell in einen fruchtbaren Dialog mit der Mehrheitsgesellschaft treten können. Wovon das bezahlt werden soll? Von unseren Steuern! Warum? Weil wir sonst ghettoisieren, ausschließen, Gefahrenzonen und Nogo-Areas schaffen und die Menschenwürde vieler Millionen Menschen verletzen. Außerdem schaffen wir uns mehr Probleme durch das Nicht-Angebot von Deutschkursen als durch die Bezahlung derselben. Ohne Kenntnisse in der Sprache des Aufnahmelandes, ist eine Teilnahme an dessen gesellschaftlichen Leben nicht möglich. Entsprechend erfolgt ohne Möglichkeit der Teilnahme eine Abschottung und Konzentration auf die Herkunftsgruppe und deren Werte und Normen, was zu parallelgesellschaftlichen Strukturen führt. Es ist ein Fakt, dass Menschen zu uns fliehen und weitere zu uns fliehen werden. Ja, das ist eine Herausforderung! Aber Jammern hilft nicht bei der Lösung der Probleme vor Ort. Wir können entweder unsere Zukunft gestalten, oder uns von ihr (böse?) überraschen lassen.

Desweiteren müssen alle Menschen eine faire Chance auf Bildung bekommen, und vor allem eine faire Chance auf einen Schul- bzw. Ausbildungsabschluss. Das ist in unserem aktuellen Schulsystem nicht gegeben, da hierfür mindestens perfekte Deutschkenntnisse vorausgesetzt werden. Womit wir wieder beim dringend benötigten Deutschkursangebot wären. Denn lassen wir eine zu große Gruppe Menschen zu Bildungsverlierern werden, die keine Chance haben sich an der Gesellschaft zu beteiligen, wird ihr Frust bald in Gewalt umschlagen. Diese Gewalt können wir verhindern, indem wir jetzt handeln. Und diese Aussage gilt sowohl für deutschstämmige als auch für Menschen mit Migrationshintergrund.

Diese Ideen werden aktuell (noch nicht) vom Staat umgesetzt? Dann müssen wir wohl mit ehrenamtlicher Arbeit aushelfen, um unsere eigene Zukunft zu gestalten. Dies kann beispielsweise eine Deutschstunde pro Woche für eine Person ohne Deutschkenntnisse sein. Das traust Du Dir nicht zu? Aber Du sprichst doch selbst Deutsch! Es hilft schon, sich nur zum Kaffee zu treffen und gemeinsam Dinge auf Deutsch zu benennen. Das ist das selbe was viele von uns schon in ihrer Rolle als Mutter, Vater, Tante, Onkel oder Freundin* eines kleinen Kindes tun. Du kannst das also! (Du kannst darüber hinaus auch die Deutschbuchreihe von Hueber benutzen, die von ausgebildeten Deutsch als Fremdsprache Lehrerinnen* derzeit häufig empfohlen wird.)

Dies sollte ein Beispiel sein. Jede* von uns weiß selbst, welches ihre* Stärken sind und was sie* zu geben bereit und fähig ist. Die Frage, die wir uns stellen müssen ist meiner Meinung nach lediglich diese: „Wie kann ICH die Zukunft mitgestalten?“

Bisher:

Wer ist das Volk und was will es?

Wer ist das Volk und was will es? – Der Islamisierungsschreck

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