Enttäuscht, frustriert, traurig….

Transferversuch 2 sollte heute stattfinden. Richtig – sollte. Wir bekamen gestern Nachmittag einen Anruf, dass unser Termin in der Klinik auf 9 Uhr vorverschoben sei. Für uns kein Problem, da wir ja sowieso keine anderen Termine haben.

In der Klinik angekommen, standen wir gar nicht für neun Uhr im Terminkalender. Das fanden wir erst einmal lustig, weil extra ein Anruf kam und wir nun doch dachten, zweimal kommen zu müssen: einmal für den Arzttermin und dann wie ursprünglich geplant noch einmal für den Transfer.

Tja, schön wär’s gewesen – es hat gar kein Transfer stattgefunden. Warum?

Bei dem 9 Uhr Termin eröffnete uns unser Arzt, dass es eine schwierige Situation gäbe. Gestern Nachmittag hat er erfahren, dass bei einer Frau, die in der 22. Woche schwanger war, bei der routinemäßigen Ultraschalluntersuchung schwere Fehlbildungen am Fötus festgestellt wurden, die möglicherweise genetische Ursachen haben könnten. Ihre Schwangerschaft musste abgebrochen werden. Diese Frau wurde mit Hilfe einer Eizell- und Samenspende schwanger, und der Samenspender ist derselbe, mit dessen Spermien auch unsere Eizellen befruchtet wurden. Es ist unklar, ob es genetische Ursachen für diese Fehlbildungen gibt, und wenn ja, ob es am Spender, der Spenderin oder beiden liegt. Das hat zur Folge, dass unsere Embryonen vorläufig „gesperrt“ sind, bis die Sache geklärt ist.

Da von unserem Spender aber auch schon gesunde Babys existieren (wie wir ungewollt im gleichen Zug erfahren haben), besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass mit unseren Embryos alles in Ordnung ist. Bevor allerdings risikofreie weitere Transfers stattfinden können, muss die Klinik klären, ob und welche genetische Anomalie bei wem vorliegt. Liegt sie beim Samenspender vor, ist der nächste Schritt, zu untersuchen, ob wir dieselbe Anlage haben und wie hoch entsprechend die Wahrscheinlichkeit einer Vererbung an unsere Embryos ist. Gegebenenfalls könnten unsere Embryos gezielt darauf untersucht werden. Je nachdem, worum es sich handelt. Das sind ziemlich viele Eventualitäten, sodass wir aktuell gar nichts wissen. Wir wollen aber hoffen, dass mit dem Spender alles in Ordnung ist, sodass unsere Embryos in Ordnung sind. Und da mit seiner Hilfe schon gesunde Babys entstanden sind, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass alles nur eine Vorsichtsmaßnahme ist.

Warum haben wir heute keinen Transfer gemacht?

Wir hatten die Wahl, heute – entgegen der ärztlichen Empfehlung – trotzdem einen Transfer durchzuführen. Dagegen haben wir uns entschieden, weil uns das Risiko zu hoch erschien, wie die arme Frau mit dem Spenderbaby zu enden und nach fünf Monaten vor die Entscheidung gestellt zu werden, ob wir abtreiben oder nicht. Rein rechnerisch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass alles in Ordnung wäre, aber bis wir das wüssten, könnten wir nicht genießen und hätten einfach Angst. Angst, dass mit unserem potentiellen Baby – hätte es denn geklappt – etwas nicht stimmen könnte. Etwas, was wir erst ab der 22. Schwangerschaftswoche hätten erfahren können. Diesen emotionalen Schiffbruch wollten wir nicht bewusst in Kauf nehmen, sodass wir lieber warten wollen um mit einem guten Gefühl an die Sache gehen zu können.

Eigentlich gutes Gefühl

Denn eigentlich hatten wir ein echt gutes Gefühl diesmal. Wir waren ruhig, halbwegs realistisch in unseren Erfolgserwartungen und haben uns beide körperlich richtig fit gefühlt. Deshalb ist es sehr frustrierend, dass wir es noch nicht einmal versuchen können, sondern alles auf unbestimmte Zeit verschoben ist. Diese Warterei, ohne wenigstens dabei versuchen zu können, ist frustrierend. Damit, dass Versuche nicht klappen können, hatten wir ja diesmal schon gerechnet, aber dass Versuche auch gar nicht gewährt werden könnten, damit nicht.

Trotzdem ist es besser, jetzt zu warten und ohne Angst ins Rennen zu gehen, als jetzt etwas auf Teufel-komm-raus zu versuchen, was uns emotional mehr fertig macht als es uns hilft. Ich würde es vergleichen mit beispielsweise einem (Halb)Marathon, auf den ich hintrainiert hätte und den ich dann wegen einer kurzfristigen Erkältung lieber verschiebe, als das Risiko einer potenziellen Herzerkrankung einzugehen, die nicht eintreten muss. Naja, komischer Vergleich, aber das Gefühl ist schwer in Worte zu fassen.

Dann gehen wir eben zum Basketball…

Zum Glück erstattet uns die Klinik die Flüge und die Hotelkosten, schließlich haben wir auch keinen Geldbrunnen, und es ist schon so alles so teuer, dass wir genügend Schulden gemacht haben und nicht noch die Geldverzweiflung dazu gebrauchen können, wenn wir jetzt einen teuren Trip ganz umsonst gemacht hätten.

Da wir überhaupt keine Städtetouristinnen sondern eher Naturtypen sind, haben wir jetzt auch nicht den Jackpot eines kostenlosen Barcelona-Trips gewonnen. Schließlich haben wir im Sommer Barcelona schon genauer unter die Lupe genommen und für unseren Geschmack genug gesehen. Da kein anderer Sport läuft, gehen wir deshalb heute Abend zum Basketballspiel. Sport mögen wir nämlich beide, zwar am liebsten Fußball und Handball (genau: Klischeekiste auf 😉 ) aber Basketball haben wir beide noch nie live gesehen und so wird das sicher ein schönes Erlebnis.

Auf die Schnelle haben wir keine andere Kulturveranstaltung gefunden, die wir sprachlich genießen könnten. Denn Theater auf Spanisch wäre sehr inhaltslos gewesen für uns 😉

Barcelona – eine Reise wert

Auch wenn wir nicht so die mega Städtereisenden sind, ist Barcelona dennoch eine Reise wert. Erstens gibt es viele verschiedene Sachen zu sehen. Und zweitens ist es die entspannteste Stadt, in der wir bisher waren. Wir können hier Tag und Nacht unbehelligt händchenhaltend durch die Straßen laufen. Und mit unbehelligt meine ich genauso unbeachtet, wie jedes Heteropaar. Niemand starrt uns hier an, nirgends wurden wir angepöbelt und nirgends müssen wir „wachsam“ auf unsere Mitmenschen achten, weil eine*r potenziell gleich seine Lebensressentiments an uns auslassen möchte. Diese Anonymität und Selbstverständlichkeit tun einfach gut und sind ein absoluter Pluspunkt für diese wunderschöne Stadt, die wir hoffentlich bald wieder sehen werden 😉

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3 Gedanken zu “Enttäuscht, frustriert, traurig….

  1. Das ist echt krass, was euch da passiert! Unglaublich! Trotzdem hätte ich mich genauso entschieden, wie ihr es gemacht habt. Sicher, es gibt immer eine Chance, dass irgendwas nicht stimmt und oder schief geht, aber in diesem Moment würdet ihr ja nicht einmal richtig positiv in eine Schwangerschaft starten können.
    Schön, dass die Klinik allerdings sehr verantwortungsbewusst ist und euch auch die Kosten erstattet. So hat man für die Weiterbehandlung doch gleich ein gutes Gefühl.
    Ich drücke euch die Daumen, dass alles gut ausgeht und ein Embryo bald einziehen kann.

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    • Wir sind durch das Verhalten der Klinik auch bestätigt in unserer Wahl. Es ist beruhigend zu wissen, dass sie so verantwortungsvoll handeln und die physischen wie psychischen Risiken minimieren. Obwohl uns der Schock noch in den Knochen steckt, ist es ja nicht ihre Schuld, zumal sie vorher alles mögliche an den Spendern untersuchen, um die Wahrscheinlichkeit solcher genetischer Risiken möglichst gering zu halten. Nur 100%ige Sicherheit gibt es in der Gesundheit eben leider nicht. Trotzdem hoffen wir natürlich, dass es wirklich nur eine Vorsichtsmaßnahme ist und wir bald da weiter machen können, wo wir jetzt waren.

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