Andere Länder – andere Sitten

Am Morgen des vierten Tages der Behandlung, also nach drei abendlichen Spritzen, waren wir zum ersten Mal im Institut Marquès. Dort wurden über Ultraschall der Fortschritt der Eizellreifung und durch eine Blutentnahme der Estradiol-Spiegel überprüft.

Das war eine sehr lustige Erfahrung, weil wir dem Klinikpersonal unabsichtlich den einen oder anderen Schock verpasst haben. Geschafft haben wir das, indem wir

uns wie bei unseren deutschen Gynäkologinnen verhalten haben: Frauenärztin fordert Patientin zum Entkleiden auf, diese tut das und klettert anschließend auf den Behandlungsstuhl.
Im Institut Marquès allerdings mussten wir uns nach dem Ausziehen ein Tuch vor den Schambereich halten, was dort auch während der Behandlung zur größeren Wahrung unserer Privatsphäre verblieb. Außerdem hat nur die weibliche Assistentin kurz unter das Tuch geschaut, um zu überprüfen, dass wir die richtige Sitzposition inne hatten. Der (männliche) Arzt hat sich jedes Mal extra umgedreht. Das hat uns sehr amüsiert, da wir uns sehr trampelig verhalten haben und wegen des allgemein sehr respektvollen Auftretens des gesamten Klinikpersonals eine Behandlung wie bei der deutschen Frauenärztin ebenso akzeptabel gewesen wäre. Wir haben dabei sehr viel über uns und über andere Kulturen gelernt. (Hier ist zu betonen, dass sich aus unseren Erlebnissen keinerlei Schluss auf Durchschnittsverhalten in Spanien ziehen lässt, da es EINE Privatklinik ist, in der wir unsere Behandlung durchführen lassen, die vor allem auch ein sehr internationales Publikum hat!)

Sprechen Sie Spanisch?

Interessant ging es auch bei der Blutentnahme weiter. Hierfür ist eine Patientenassistentin des Instituts mit uns in die Klinik nebenan gegangen, wo uns dann eine rein spanisch-sprachige Dame Blut abgenommen hat. Unsere Institutsassistentin blieb die ganze Zeit bei uns, um notfalls zu übersetzen. Dank unserer diesjährigen Blutentnahmeroutine war dies allerdings nicht nötig, da wir einfach alles „wie immer“ gemacht haben. Danach wurden wir gefragt, ob wir Spanisch sprächen 😉 was leider nicht der Fall ist.
Bei den Untersuchungen kam heraus, dass bei einer von uns die Menopur-Dosis erhöht wird, da die Eierstöcke noch ein kleines wenig mehr stimuliert werden müssen (was durch ganz normale körperliche Unterschiede in der Reaktion auf die Hormone bedingt ist) und dass bei der anderen die Dosis gleich bliebe und zusätzlich ab dem fünften Abend auch Cetrotide gespritzt werden muss, um einen verfrühten Eisprung zu unterdrücken. Das ist notwendig, da unsere Hypophyse (im Gehirn) nur den Hormonspiegel zum Anlass für Eisprünge nimmt und nicht darüber Bescheid weiß, dass wir gerade eine IVF-Behandlung machen.

Gleichberechtigte Patientinnen vs. Bittstellerinnen

Alles in allem fanden wir uns erneut in unserer Entscheidung für den Weg nach Spanien bestätigt. Sicher wäre es auch möglich gewesen, eine Klinik in Deutschland zu finden, die uns behandelt hätte; aber wir hätten vorher wie Bittstellerinnen nachfragen müssen, ob eine Behandlung bei lesbischen Paaren überhaupt durchgeführt wird. Illegal wäre das für keine Klinik, allerdings sieht die Empfehlung der Ärztekammer explizit keine Behandlung für alle nicht-heterosexuell-verheirateten Paare vor (unverheiratete Heteros, Singles und lesbische Paare sind hier gleichermaßen betroffen). Zudem scheint in Deutschland ein Eizellentausch der Partnerinnen aufgrund des Verbots der Leihmutterschaft nicht so einfach möglich.
Hier in Spanien sind wir Kundinnen und Patientinnen wie alle anderen auch und können zudem unseren Wunsch vom „Voneinander“-schwanger-sein erfüllen. Wir sind sehr glücklich mit unserer Wahl und schon sehr gespannt, wie viele Embryos am Ende unseres Trips kryokonserviert auf uns warten werden. 🙂

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2 Gedanken zu “Andere Länder – andere Sitten

  1. Das klingt nach einer tollen Behandlung in Spanien – und interessant, wie unterschiedlich die Vorgehensweisen doch sind :-D! Schön, dass ihr euch so wohlfühlt. Wir haben uns für eine Behandlung in Dänemark entschieden – nicht, weil es in Deutschland gar nicht möglich gewesen wäre, sondern weil wir uns ebenfalls wie „Bittstellerinnen“ vorkamen, denen nur hinter der vorgehaltenen Hand „geholfen“ werden sollte. In Dänemark wurden wir von Anfang an wie andere Patientinnen auch behandelt. Wir haben uns dort sehr viel besser aufgehoben gefühlt – können also absolut nachvollziehen, wie ihr euch fühlt!
    Wir drücken euch die Daumen für die weitere Behandlung im wunderschönen Barcelona 🙂

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    • Dankeschön! 🙂
      Es ist alles sehr aufregend aber absolut die Reise wert. Und zusätzlich lässt es sich in Barcelona auch ganz gut aushalten ;-P
      Dänemark wäre für uns zu weit gewesen, deswegen kam es leider gar nicht in Frage. Aber da hören wir bisher auch nur Gutes. Und ihr hattet dort offensichtlich das große Glück! Wir wünschen euch weiterhin ganz viel Glück und Gesundheit für euer kleines Wunder!

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