Warum wir darüber reden und ist das nicht Privatsache?

‚Jemandes Sexualität ist Privatsache und gehört nicht in die Öffentlichkeit‘ ist ein oft gehörtes Argument gegen die Sichtbarkeit homosexueller Partnerschaften. Nun, ganz ketzerisch gefragt, ist Heterosexualität dann keine Sexualität?! Schließlich wird sich zu ihr in der Öffentlichkeit ununterbrochen und sogar unbewusst ständig ‚bekannt‘, indem zum Beispiel im Nebensatz „…mein Mann / meine Frau…“ erwähnt wird. Dieselbe Nebensatzaussage einer Person in einer homosexuellen Partnerschaft wird als „Coming Out“ bezeichnet und nicht selten kritisch als „auf die Nase binden“ von Homosexualität bezeichnet. Auch werden Personen für diesen Nebensatz als mutig bezeichnet. Warum? Weil aus demselben Nebensatz berufliche und private Nachteile erwachsen können.

Warum es wichtig ist, mutig zu sein

Den Mut dazu aufzubringen, über das Private zu sprechen, bedeutet, sich selbst und anderen zu helfen.

Der oben erwähnte Nebensatz über die Partnerin* bewirkt, dass die reale Existenz homosexueller Partnerschaften wahrgenommen wird und die beteiligten Personen als individuelle Menschen entdeckt werden können. Durch den Mut zur Öffentlichkeit entsteht ein Treten aus dem Abstrakten ins Reale und damit die Möglichkeit zu mehr Toleranz und Akzeptanz durch die Mehrheitsgesellschaft. Zudem kann ein gesamtgesellschaftliches Problembewusstsein zu positiver Veränderung führen.

Veränderung als Gegensatz zu Tradition?

Die Argumente gegen Rechte Nicht-Heterosexueller fußen einerseits auf Ignoranz gegenüber Veränderungen und andererseits auf einer falschen Wahrnehmung von Tradition: Tradition wird als Bewahrung der Diskriminierung von Minderheitengruppen interpretiert, das Eingehen auf diese Gruppen als Verfall der Sitten und als Bedrohung der Mehrheitskultur. Die Chance, dass Veränderung zu Fortschritt führen kann, wird hierbei verkannt.

Gleichsam werden Reformen als Gegensatz zur Bewahrung von Traditionen interpretiert: Jede Reform, die eine Verbesserung der Menschenrechtslage einer Minderheitengruppierung bedeutet, wird als Machtgewinn derselben interpretiert und damit als Machtverlust für die (in diesem Fall heterosexuelle) Mehrheitsgesellschaft. Dass die Verbesserung der Menschenrechtslage und eine Gleichstellung kein Machtverlust der Mehrheitsgruppierung darstellen, sondern, im Gegenteil, ihr zu weiterer Stärke verhelfen, wird übersehen. Denn in einer Demokratie sind alle nur so viel wert, wie ihr schwächstes Glied. Und welchen Nachteil erfahren beispielsweise heterosexuelle Ehen durch die Möglichkeit, dass Ehen auch zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern geschlossen werden könnten? Keine. Eher würde die traditionelle Institution der Ehe gestärkt, da auch Gruppierungen, die einen sogenannten ‚modernen Lebensstil‘ leben, dieser Tradition folgen könnten. Außerdem wird durch keine Homo-Ehe eine Hetero-Ehe geschieden und es wird durch keine Homo-Ehe eine Hetero-Ehe weniger geschlossen. Genauso wenig wie in den USA seit der Erlaubnis gemischtrassiger Ehen aus dem Jahr 1967 keine „Weißen“-Ehe weniger geschlossen wurde. Wenn Menschen sich lieben, dann tun sie dies unabhängig von Hautfarbe, Nationalität, sexueller Orientierung u.v.m.

Eine Gleichstellung sexueller Minderheiten vor dem Gesetz, durch die Einführung der Ehe für alle und durch einen Zusatz in Artikel 3 unseres Grundgesetzes, der Diskriminierung auf der Grundlage der sexuellen Orientierung und Identität verbietet, würde Toleranz und Akzeptanz gegenüber dieser speziellen Minderheitengruppierung in der Gesellschaft verbessern. Denn der Gesetzgeber würde die Verschiedenartigkeit zumindest auf dem Papier aufheben und damit ein klares Signal gegen Diskriminierung aussenden. Es müsste mit der ‚Ehe für alle‘ niemand heiraten, aber jede*r könnte es und wäre damit ein Stück ‚gleicher‘ vor dem Gesetz!

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